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Ringen um Kompromiss bei den Bund-LĂ€nder-Finanzen

04.12.2025 - 07:35:06

Kompromisse oder verhÀrtete Fronten? Bei Bund-LÀnder-GesprÀchen heute im Kanzleramt geht es vor allem um die Verteilung von Milliarden.

Zuerst treffen sich die MinisterprĂ€sidentinnen und MinisterprĂ€sidenten der LĂ€nder hinter verschlossenen TĂŒren in Berlin. Im Anschluss ist ein GesprĂ€ch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geplant. Was soll geklĂ€rt werden?

Die BundeslĂ€nder drĂ€ngen auf eine Finanzierungszusage des Bundes bei neuen Gesetzesvorhaben. Bei neuen Steuer- und Leistungsgesetzen mĂŒsse das KonnexitĂ€tsprinzip gelten, lautet eine Kernforderung: Wer bestelle, mĂŒsse auch bezahlen. Wenn der Bund Aufgaben in Kommunen und LĂ€ndern auslöse, mĂŒsse er auch fĂŒr die Finanzierung geradestehen.

Kommunen Ă€chzen unter großer Finanzlast

Gerade die Kommunen Ă€chzen unter einer großen Finanzlast und den steigenden Sozialkosten. Finanzminister Lars Klingbeil ist deshalb bereit, die StĂ€dte und Gemeinden finanziell stĂ€rker zu unterstĂŒtzen. "Wir sehen, wie groß der Druck ist. Wir wollen deswegen auch weitere Schritte gehen", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn kĂŒnftige Leistungsgesetze des Bundes Auswirkungen auf die kommunalen Haushalte haben, dann werden wir die Kommunen stĂ€rker unterstĂŒtzen."

Die LĂ€nder bestehen jedoch darauf, dass auch sie Geld vom Bund bekommen, wenn ihre Kassen betroffen sind. Viele staatliche Leistungen wĂŒrden den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern zwar von den Kommunen gewĂ€hrt, die allermeisten Vorhaben wĂŒrden jedoch in kombinierter Verantwortung von LĂ€ndern und Kommunen umgesetzt, mahnte jĂŒngst der rheinland-pfĂ€lzische Regierungschef Alexander Schweitzer (SPD). Es sei daher auf keinen Fall akzeptabel, dass die Kommunen entlastet werden und die LĂ€nder nicht.

Keine SpielrÀume?

Beide Seiten signalisieren zwar Kompromissbereitschaft. Klingbeil sah nach der SteuerschĂ€tzung Ende Oktober allerdings keinen Spielraum dafĂŒr, dass der Bund EinnahmeausfĂ€lle der LĂ€nder ausgleichen könnte.

Vielmehr betont er: "Die LĂ€nder haben den Auftrag aus unserer Verfassung, fĂŒr eine angemessene Finanzausstattung ihrer Kommunen zu sorgen." So erwarte er, dass das an die LĂ€nder fließende Geld aus dem Sondertopf fĂŒr die Infrastruktur vor allem den Kommunen zugutekomme. Es solle in Kitas, Schulen, SportplĂ€tze und KrankenhĂ€user fließen - und fĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger unmittelbar spĂŒrbar sein.

GrĂŒnen-Fraktionschefin Britta Haßelmann mahnte eine Einigung an: Die Lage in StĂ€dten, Gemeinden und Landkreisen sei dramatisch. Das kommunale Defizit steige bereits in diesem Jahr auf 30 Milliarden Euro. "Wir erwarten jetzt klare und verbindliche Entscheidungen zur fairen Verteilung der Kosten zwischen Bund, LĂ€ndern und Kommunen sowie konkrete Lösungen der Bundesregierung, um die kommunale Finanzkrise zu ĂŒberwinden."

Verschlankung des Staates

Stark machen wollen sich die LĂ€nder bei den GesprĂ€chen mit dem Bundeskanzler auch fĂŒr eine deutliche Verschlankung des Staates: Das Backoffice des Sozialstaates sollte deutlich kleiner und schneller werden. Schweitzer kĂŒndigte als Vorsitzender der MinisterprĂ€sidentenkonferenz (MPK) rund 100 Maßnahmen zur Verschlankung des Staates an.

Obwohl sich die LĂ€nder bei den großen Linien einig zu sein scheinen, geht es bei dem Treffen in Berlin (ab 10.00 Uhr) um eine Ausgestaltung ihrer Forderungen. Um 14.00 Uhr wollen der MPK-Vorsitzende Schweitzer und sein sĂ€chsischer Amtskollege Michael Kretschmer (CDU) als Co-Vorsitzender die Ergebnisse der Beratungen prĂ€sentieren.

Gemeinsames Statement geplant

Im Anschluss (15.00 Uhr) ist ein Treffen der Regierungschefinnen und Regierungschefs mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Kanzleramt geplant. Nach den Beratungen wollen Bund und LĂ€nder gemeinsam ihre Vereinbarungen verkĂŒnden.

@ dpa.de