Lieferkettengesetz, Sicherheit

Lieferkettengesetz: Sicherheit unter dreifachem Druck

11.02.2026 - 12:12:12

Deutschlands Logistikunternehmen kämpfen mit rechtlicher Unsicherheit durch das Lieferkettengesetz, zunehmenden Cyberangriffen und anhaltenden Störungen im Roten Meer.

Deutschlands Logistikbranche kämpft an drei Fronten gleichzeitig: gegen bürokratische Unsicherheit, digitale Angriffe und physische Handelsrisiken. Am heutigen Mittwoch, dem 11. Februar 2026, zeigt sich ein komplexes Bild, in dem die Umsetzung der europäischen Sorgfaltspflichten-Richtlinie auf neue geopolitische Brände und Cyber-Bedrohungen trifft.

Debatte ums Lieferkettengesetz spitzt sich zu

Die innenpolitische Kontroverse erreichte am 9. Februar einen neuen Höhepunkt. Die Entwicklungsorganisationen Germanwatch und Misereor veröffentlichten einen Bericht mit dem Titel „Lieferkettengesetz wirkt“. Die Analyse stellt die zunehmende Kritik am deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) als reines „Bürokratie-Monster“ infrage.

Der Report zeigt konkrete Erfolge: Das Gesetz habe rechtliche Wege zum Schutz von Arbeiterrechten eröffnet, etwa für Lkw-Fahrer auf deutschen Straßen. Es stärke Gewerkschaften in Zulieferländern wie der Türkei. Und es habe erste Maßnahmen deutscher Firmen gegen Umweltschäden durch Bauxit-Abbau in Westafrika bewirkt.

Diese Veröffentlichung ist eine direkte Antwort auf die Forderungen der Industrie. Ende Januar forderten 17 Spitzenverbände die Aussetzung des LkSG. Sie argumentieren mit Wettbewerbsnachteilen und verlangen eine „1:1-Umsetzung“ der europäischen Richtlinie (CSDDD), um nationale „Goldrandlösungen“ zu vermeiden.

Experten warnen nun vor einem „Compliance-Limbo“. Die Unsicherheit beim Übergang vom nationalen zum europäischen Recht – die Umsetzungsfrist endet Mitte 2026 – untergrabe genau die Rechtssicherheit, die die Wirtschaft fordere.

Cyberangriffe werden zur Systemgefahr

Während in Berlin gestritten wird, eskaliert die digitale Bedrohungslage. Die fortschreitende Digitalisierung der Lieferketten vergrößert die Angriffsfläche für Kriminelle exponentiell.

Ein deutliches Signal setzt die Branche mit dem „Tag der Logistik“ am 16. April 2026. Das Motto: „Cybersecurity für Smart Logistics“. Die größte Publikumsveranstaltung der Branche widmet sich damit komplett der digitalen Verteidigung. Sicherheit bedeutet heute nicht mehr nur Zäune, sondern den Schutz von Datenintegrität.

Ein jüngster Vorfall schärft das Bewusstsein: Am 3. Februar bekannte sich die Ransomware-Gruppe Dragonforce zu einem Datendiebstahl beim deutschen Versicherer HanseMerkur. Für die Logistik, die eng mit Finanz- und Versicherungsplattformen verflochten ist, ist das ein Warnschuss.

Die Anforderungen an Logistiksoftware haben sich radikal gewandelt. Die Widerstandsfähigkeit eines Transportmanagementsystems (TMS) gegen Hackerangriffe ist heute ein Hauptkriterium bei der Beschaffung. Die Integration von KI-Agenten in die Logistik, ein Trend des Jahres 2026, macht die Sicherheitsarchitektur noch komplexer. „Security by Design“ ist kein Nice-to-have, sondern eine Überlebensfrage.

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Rotes Meer und globale Risikoverteilung

Die physische Sicherheit der Lieferketten bleibt prekär. Aktuelle Meldungen großer Logistikkonzerne bestätigen: Die Krise im Roten Meer zwingt weiter zu teuren Umleitungen.

In einem Marktupdate vom 5. Februar betonte UPS, dass Sicherheitsrisiken die Reedereien zwingen, die Route um das Kap der Guten Hoffnung beizubehalten. Längere Transitzeiten und höhere Kosten sind zur neuen Normalität geworden. Die Weltkarte des Handels wurde neu gezeichnet.

Als Reaktion auf die anhaltenden Spannungen lief am 10. Februar eine US-Trägergruppe in den Golf von Oman ein. Die Region bleibt ein Krisenherd.

Hochwertige Industrien reagieren mit einer Neuausrichtung. Ein FedEx-Report zur Halbleiterbranche vom 6. Februar beschreibt den Shift zu „Multi-Center-Koordination“. Chiphersteller diversifizieren ihre Produktionsstandorte, um bei Störungen in einer Region die globale Versorgung aufrechtzuerhalten. Diese Redundanz-Strategie, früher als zu teuer verpönt, gilt heute als essentielle Versicherung gegen die Volatilität des Jahres 2026.

Paradigmenwechsel: Von „Just-in-Time“ zu „Just-in-Case“

Die Gleichzeitigkeit der drei Sicherheitskrisen – rechtlich, digital, physisch – markiert eine Zeitenwende. Jahrelang trieb die Kostenoptimierung (Just-in-Time) das Supply-Chain-Management. 2026 lautet das neue Paradigma „Just-in-Case“.

Die LkSG-Debatte ist symptomatisch für diesen Zwiespalt. Unternehmen stehen zwischen dem Aufbau robuster Risikomanagementsysteme und dem Kostendruck in einer schwächelnden Konjunktur. Der Germanwatch-Bericht legt jedoch nahe: Sorgfaltspflicht ist nicht nur Kostenfaktor, sondern ein Werkzeug zur Risikoidentifikation. Eine Lieferkette, die transparent genug für Menschenrechtsverstöße ist, erkennt auch drohende Insolvenzen oder Qualitätsprobleme bei Zulieferern früher.

Der Fokus auf Cybersicherheit zeigt, dass die Branche ihre Verwundbarkeit erkannt hat. Wo Logistik und IT verschmelzen, ist ein Hackerangriff so zerstörerisch wie ein Streik im Hafen.

Ausblick: Entscheidendes Jahr für die Logistik

Für das zweite Quartal 2026 erwartet die Branche eine entscheidende Phase im Gesetzgebungsverfahren. Die Bundesregierung steht unter Druck, die Anpassung des LkSG an die EU-Richtlinie vor der Sommerpause abzuschließen. Das Ergebnis bestimmt, ob deutsche Unternehmen einen strengeren nationalen Sonderweg oder einen harmonisierten europäischen Standard beschreiten.

Gleichzeitig bereiten sich Logistikmanager auf ein volatiles Frühjahr vor. Ohne absehbare Lösung für die Rote-Meer-Krise und mit sich verdoppelnden Cyber-Bedrohungen bleibt die Sicherheit der Lieferkette Top-Thema in den Vorständen von Hamburg bis München. Die Fähigkeit, Compliance mit Wettbewerbsfähigkeit und Offenheit mit Sicherheit in Einklang zu bringen, wird die Gewinner des Geschäftsjahres 2026 definieren.

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