Lufthansa-Piloten schlagen Schlichtung vor – Streikgefahr bleibt
15.04.2026 - 01:30:38 | boerse-global.deNach einem 48-stündigen Großstreik mit hunderten Flugausfällen schlägt die Pilotenvereinigung Vereinigung Cockpit ein verbindliches Schlichtungsverfahren vor. Doch die Gewerkschaft droht bereits mit neuen Arbeitsniederlegungen ab morgen, sollte es keine Bewegung geben.
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Notfallplan und 100.000 betroffene Passagiere
Der Streik legte am Montag und Dienstag die Kernmarke Deutsche Lufthansa, Lufthansa Cargo und die Regionaltochter Lufthansa CityLine lahm. An den Drehkreuzen Frankfurt und München kam der Betrieb weitgehend zum Erliegen. Nach Branchenangaben waren rund 100.000 Passagiere betroffen. Die Airline musste einen Notfallfahrplan aktivieren – bis zu 80 Prozent der Kurzstreckenflüge fielen aus.
Lediglich die Billigflugtochter Eurowings war nur am Montag bestreikt worden und konnte am Dienstag mit Partnermaschinen einen annähernd normalen Betrieb aufrechterhalten. Ausgenommen vom Streikaufruf blieben aus geopolitischen Gründen Verbindungen in 13 Länder des Nahen Ostens, darunter Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Drei Konflikte, ein Ziel: Bessere Bedingungen
Hinter den Streiks liegen drei parallele Tarifkonflikte. Bei Lufthansa und Lufthansa Cargo geht es vor allem um die betriebliche Altersversorgung. Die Gewerkschaft kritisiert, dass der Arbeitgeber trotz beendeter Friedenspflicht noch kein tragfähiges Angebot vorgelegt habe.
Bei der Regionaltochter Lufthansa CityLine fordert die Vereinigung Cockpit elf Prozent mehr Gehalt, um die Attraktivität der Pilotinnenjobs zu erhalten. Dieser Konflikt wird durch einen umfassenden Umbau im Konzern verschärft: Die Lufthansa-Gruppe will CityLine bis Ende 2026 stark verkleinern und viele Zubringerflüge auf die neue Tochter City Airlines* verlagern.
Die Gewerkschaft befĂĽrchtet, dass die neue Einheit die Kosten um bis zu 40 Prozent drĂĽcken und so soziale Standards untergraben soll. Sie kritisiert zudem Intransparenz bei der Auswahl der Verhandlungspartner.
VorwĂĽrfe und Drohungen von beiden Seiten
Das Lufthansa-Management reagierte scharf auf die jüngsten Streiks und sprach von einer neuen Eskalationsstufe. Die kurzfristigen Arbeitsniederlegungen seien angesichts der angespannten Marktlage unverantwortlich. Die finanziellen Forderungen der Gewerkschaft seien im wettbewerbsintensiven europäischen Kurzstreckenverkehr unrealistisch.
Die Gewerkschaftsführung kontert: Der Streik sei das letzte Mittel, um einen festgefahrenen Arbeitgeber zu bewegen. Sie verweist auf hohe Bonus-Zahlungen an Vorstandsmitglieder – teilweise bis zu 100 Prozent – während die Kernairline gleichzeitig in einer schwierigen finanziellen Lage sei. Ohne das Druckmittel Streik blieben den Beschäftigten keine wirksamen Verhandlungsinstrumente.
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Schlichtung als letzte Chance vor neuen Streiks
Um den toten Punkt zu überwinden, hat die Vereinigung Cockpit nun offiziell ein verbindliches Schlichtungsverfahren vorgeschlagen. Ein unabhängiger Dritter soll einen Kompromiss erarbeiten und weiteren Schaden für die Airline und ihre Kund*innen abwenden.
Doch die Gefahr weiterer Störungen ist akut. Die Gewerkschaft kündigte an, für Donnerstag und Freitag neue Streiks bei Lufthansa, Lufthansa Cargo, CityLine und Eurowings aufzurufen, falls die Arbeitgeberseite das Schlichtungsangebot ablehnt oder kein verhandlungsfähiges Angebot vorlegt. Reisende sollten ihren Flugstatus genau im Auge behalten – das Zeitfenster für eine Einigung vor der nächsten Eskalationsstufe ist klein.
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