ROUNDUP, EinschrÀnkungen

Kaum neue EinschrĂ€nkungen fĂŒr Ostsee-Fischer - Backhaus froh

28.10.2025 - 15:38:39

LUXEMBURG/SCHWERIN - Deutsche Fischer mĂŒssen trotz anhaltend schlechter ZustĂ€nde vieler BestĂ€nde in der Ostsee kĂŒnftig keine großen Einbußen bei den erlaubten Fangmengen hinnehmen.

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LUXEMBURG/SCHWERIN (dpa-AFX) - Deutsche Fischer mĂŒssen trotz anhaltend schlechter ZustĂ€nde vieler BestĂ€nde in der Ostsee kĂŒnftig keine großen Einbußen bei den erlaubten Fangmengen hinnehmen. Bei den fĂŒr deutsche Ostseefischer wichtigen BestĂ€nden Dorsch und Hering im westlichen Teil des Binnenmeers Ă€ndert sich die erlaubte Fangmenge im kommenden Jahr nicht, wie das Landwirtschaftsministerium mitteilte. Bei Schollen wird die Menge nach dem in Luxemburg gefassten Beschluss der EU-Staaten leicht um minus 3 Prozent gesenkt, wĂ€hrend sie bei Sprotten um 45 Prozent steigt.

Damit erlauben die EU-Staaten ihren Fischern deutlich höhere Fangmengen, als von der EuropĂ€ischen Kommission vorgeschlagen. Sie hatte im Sommer zum Schutz der BestĂ€nde eigentlich empfohlen, dass die Fangmenge fĂŒr westlichen Hering halbiert, die fĂŒr westlichen Dorsch sogar um 84 Prozent gesenkt werden sollte.

MV-Minister Backhaus begrĂŒĂŸt "stabile Bedingungen"

In Schwerin zeigte sich Agrarminister Till Backhaus (SPD) erfreut. "FĂŒr Mecklenburg-Vorpommerns Fischerei bedeutet das keine zusĂ€tzlichen EinschrĂ€nkungen gegenĂŒber dem laufenden Jahr." Die gezielte Fischerei auf Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee bleibe zwar weiterhin grundsĂ€tzlich geschlossen, erklĂ€rte er. "Doch die kleine KĂŒstenfischerei darf Hering mit passiven FanggerĂ€ten, wie Stellnetzen oder Reusen, auch 2026 in begrenztem Umfang fangen." Es sei gelungen, die Bedingungen fĂŒr die KĂŒstenfischer im Land - "wenn auch auf einem sehr niedrigen Niveau" - zu stabilisieren und ihnen Planungssicherheit zu geben.

Ausnahmen bleiben bestehen

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) sagte, Fischerei sei ein einzigartiges Kulturgut und ein StĂŒck Heimat. "Das mĂŒssen wir bewahren", so der Politiker. Die Entscheidung sei eine Balance zwischen Schutz und Nutzung der FischbestĂ€nde.

Deutsche Ostseefischer dĂŒrfen auch kĂŒnftig mit kleinen Booten und passivem FanggerĂ€t wie Stellnetzen gezielt Heringe fangen. Außerdem darf eine gewisse Menge als Beifang beim Fischen nach anderen Arten mitgefangen werden. Auch eine Beifangregelung fĂŒr westliche Ostsee-Heringe wird beibehalten.

"Lage in der Ostsee weiterhin ernst"

"Leider ist die Lage in der Ostsee weiterhin ernst", sagte DĂ€nemarks Fischereiminister Jacob Jensen. DĂ€nemark hat derzeit den regelmĂ€ĂŸig wechselnden Vorsitz unter den EU-Staaten inne. Klimawandel, Überfischung und andere Faktoren haben den BestĂ€nden in der Ostsee in den vergangenen Jahren zugesetzt.

UmweltschĂŒtzer warnen schon lange davor, dass BestĂ€nde zusammenbrechen können. Der Nabu etwa kritisiert nun, die Entscheidung ergebe weder ökologisch noch ökonomisch Sinn, "sondern wiederholt das politische Versagen der vergangenen Jahre." In einer gemeinsamen Mitteilung sprachen mehrere UmweltverbĂ€nde, darunter etwa WWF, BUND und die Deutsche Umwelthilfe, davon, dass die Fangmengen fĂŒr 2026 das Ökosystem Ostsee gefĂ€hrdeten.

EU-LĂ€nder mĂŒssen sich nicht an Kommissionsvorschlag halten

Die Kommission erarbeitet jedes Jahr auf Basis von wissenschaftlichen Empfehlungen des Internationalen Rates fĂŒr Meeresforschung (ICES) VorschlĂ€ge dazu, wie viel Fisch aus EU-Meeren gefangen werden darf. Final beschlossen werden die Mengen aber von den Fischereiministerinnen und -ministern der EU-LĂ€nder. Sie mĂŒssen sich nicht an die Empfehlungen halten.

@ dpa.de