Maersk, Schlüsselrouten

Maersk stoppt Schlüsselrouten im Nahen Osten

02.04.2026 - 19:42:06 | boerse-global.de

Der weltgrößte Reederei-Konzern hat nach Drohnenangriffen und Blockaden wichtige Routen gesperrt, was zu massiven Umleitungen, höheren Kosten und Verzögerungen im Welthandel führt.

Maersk stoppt Schlüsselrouten im Nahen Osten - Foto: über boerse-global.de

Der weltgrößte Containerreeder A.P. Moller-Maersk hat nach einer Eskalation der militärischen Spannungen den Schiffsverkehr durch strategisch wichtige Wasserstraßen gestoppt. Diese Entscheidung trifft den Kern des globalen Handels und zwingt Unternehmen zu einer dramatischen Umplanung ihrer Lieferketten.

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Routen gestrichen, Buchungen eingefroren

Als Reaktion auf direkte Bedrohungen der maritimen Infrastruktur setzte das dänische Unternehmen am 1. April 2026 eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen in Kraft. Zentral ist die Aussetzung der FM1-Dienstes, der Hauptverbindung zwischen Fernost und dem Nahen Osten. Ebenfalls gestoppt wurde der ME11-Service nach Europa.

Darüber hinaus friert Maersk alle neuen Frachtbuchungen für mehrere Golfstaaten ein. Betroffen sind die Vereinigten Arabischen Emirate, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain sowie wichtige Häfen Saudi-Arabiens. Nur für essentielle Güter wie Medikamente gelten Ausnahmen. Regionalverkehre innerhalb des Persischen Golfs wurden komplett eingestellt.

Angriff auf Salalah und die blockierte Hormusstraße

Der Auslöser der Krise liegt in der prekären Sicherheitslage. Am 28. März 2026 wurde der Hafen von Salalah in Oman Ziel eines Drohnenangriffs, bei dem Infrastruktur beschädigt und Personal verletzt wurde. Obwohl der Betrieb unter hohen Sicherheitsvorkehrungen wieder aufgenommen wurde, zeigt der Vorfall die Verwundbarkeit selbst etablierter Handelszentren.

Die eigentliche Blockade findet jedoch in der Straße von Hormus statt. Seit Ende Februar ist die für 20 Prozent der globalen Öl- und Gaslieferungen entscheidende Passage für Handelsschiffe praktisch unpassierbar. Maersk betont, eine Wiederaufnahme der Durchfahrten erst dann zu prüfen, wenn die Sicherheit von Crew und Ladung garantiert werden kann. Derzeit weichen fast alle Schiffe auf die Route um das Kap der Guten Hoffnung aus – eine Umleitung, die die Transitzeit zwischen Asien und Europa um 10 bis 14 Tage verlängert.

Stau in Rotterdam und teure Alternativen

Die Folgen sind bereits in Europa spürbar. Im Hafen Rotterdam führen die umgeleiteten und verspäteten schiffe zu hoher Terminalauslastung und operativen Engpässen. Maersk appelliert an Kunden, importierte Container zügig abzuholen, um einen kompletten Stillstand zu verhindern.

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Als Ausweg setzt der Konzern auf teure Multimodal-Lösungen. Beim „Sea-Air“-Routing wird Fracht in sicheren Häfen wie Dschidda auf Flugzeuge umgeladen. Landbrücken per Lkw oder Bahn quer über die Arabische Halbinsel sind eine weitere Option. Doch die Kapazitäten sind begrenzt: Die Luftfrachtkapazität von Asien nach Europa ist bereits um 40 Prozent eingebrochen, was die Kosten in die Höhe treibt.

Wirtschaft unter Druck: Höhere Kosten, unsichere Aussichten

Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind massiv. Die Unterbrechung der Handelsrouten hat die globalen Energiepreise steigen lassen. Reedereien erheben zudem „Emergency Conflict Surcharges“, um die Mehrkosten für Umleitungen und Sicherheit auszugleichen. Die Kriegsrisikoversicherung für die Region ist deutlich teurer geworden oder wird gar nicht mehr angeboten.

Branchenkenner rechnen damit, dass die Logistikbranche noch bis weit in die zweite Jahreshälfte 2026 unter Druck bleiben wird – selbst bei einer baldigen Öffnung der Hormusstraße. Der Stau an umgeleiteten Schiffen und die beschädigte Infrastruktur würden noch monatelang für Verzögerungen sorgen.

Maersk kündigt tägliche Risikobewertungen und regelmäßige Updates für Kunden an. Langfristig dürfte die Strategie des Konzerns, der auch Teil der geplanten „Gemini Cooperation“-Allianz ist, auf resilientere und diversifizierte Routen setzen, die weniger von einzelnen Engpässen abhängen. Für die globale Lieferkette bedeutet das vorerst ein „neues Normal“: längere Transportzeiten, höhere Kosten und die ständige Suche nach flexiblen Alternativen.

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