Mike Steiner: Zeitgenössische Künstler neu definiert – Pionier zwischen Malerei, Performance und Videokunst
10.02.2026 - 07:10:06Wer den Namen Mike Steiner hört, begegnet einem der prägendsten zeitgenössischen Künstler Deutschlands: Maler, Videokunstpionier, Impulsgeber für die Performance Art der 70er Jahre und innovativer Galerist. Doch wie verschiebt Mike Steiner mit seinen Werken immer wieder die Grenzen zwischen Malerei, Videokunst und raumgreifender Installation? Eine künstlerische Biografie, die von frühen Gemälden über Aufsehen erregende Aktionen bis zu bahnbrechenden TV-Formaten reicht, macht neugierig auf einen Kosmos, der bewegte Bilder, abstrakte Malerei und gesellschaftliche Reibung in sich vereint.
Faszinierend ist bei Mike Steiner von Beginn an seine Vielschichtigkeit: Bereits als 17-Jähriger tritt er 1959 in der Großen Berliner Kunstausstellung auf – ein früher Start, der die gesamte Bandbreite seiner späteren Karriere erahnen lässt. Mitte der 60er Jahre in New York taucht Steiner tief ein in die internationale Avantgarde und begegnet Wegbereitern wie Lil Picard, Allan Kaprow und Robert Motherwell. Die später legendäre Eröffnung seines Hotel Steiner 1970 – für viele ein Berliner Pendant zum Chelsea Hotel – entwickelt sich zu einem Hotspot für Künstler wie Joseph Beuys und amerikanische Avantgardisten.
Steiners kreative Experimentierlust zeigt sich schon in seiner Ausbildung an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Berlin, kulminiert im Meisterschülerabschluss bei Hans Kuhn und setzt sich fort in einem Werk, das den Dialog zwischen Malerei und neuen Medien nie scheut. Die Anfangsjahre sind geprägt von informeller Malerei, beeinflusst von gestischer Abstraktion und Pop Art – stilistisch einnehmend, emotional aufgeladen.
Wie wechselt ein Künstler so radikal die Medien? Die Antwort liegt in Steiners „Legitimationskrise der Malerei“, wie er sie selbst beschrieb. Die Begegnung mit Fluxus und dem Happening in den USA bringt Steiner zu einer bis dahin in Deutschland kaum gekannten Offenheit gegenüber Video und Performance – und zu einer kritischen Befragung tradierter Bildbegriffe. In Florenz, eingeladen von Allan Kaprow, realisiert er im Studio Art/Tapes/22 erste eigenständige Videoarbeiten. Bald entstehen in enger Kooperation mit Künstlern wie Al Hansen Pionierwerke der Videokunst. Diese Übergangsphase markiert einen Meilenstein in der Entwicklung zeitgenössischer Kunst überhaupt.
Kritische Beobachter ziehen häufig Parallelen zu internationalen Größen wie Nam June Paik, Bill Viola oder Gary Hill. Trotz aller Vergleichbarkeit – Mike Steiner bleibt unverwechselbar: Seine Videos sind nie bloß technisches Medium, sondern erweitern das künstlerische Feld Richtung Interaktion, Raum und Dokumentation von Performance Art. Berühmt sind Videoarbeiten wie die mit Ulay inszenierte Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976), in der das Gemälde „Der arme Poet“ spektakulär aus der Neuen Nationalgalerie entwendet wird – ein Fanal gegen den musealen Stillstand, zugleich ein Kommentar zur gesellschaftlichen Rolle der Kunst.
Steiners Werkgruppen setzen immer wieder neue Impulse. Von den abstrakten Tafelbildern und raumgreifenden Installationen bis zu seinen „Painted Tapes“ – einer Fusion von Video und Malerei – sticht seine Experimentierfreudigkeit hervor. Gerade die Painted Tapes stehen beispielhaft für Steiners Fähigkeit, Medienbrüche als kreativen Motor zu begreifen: Malerei verschmilzt mit bewegtem Bild, Farbe mit Zeit, Oberfläche mit digitalem Sound. In den 1980er Jahren folgen intermediale Zyklen, Fotoarbeiten und Mixed-Media-Experimente mit Super-8-Film, Dia-Slide-Serien oder Copy Art – deutlich beeinflusst von Musik, Reisen nach Ägypten, australische Landschaften oder der Berliner Subkultur jener Zeit.
Die größte Würdigung seines Werks erfolgte 1999 mit einer umfassenden Einzelausstellung im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Hier wurde Mike Steiners Schaffen erstmals im Spannungsfeld von Malerei, Videokunst und Installation einem breiten Publikum präsentiert. Die Hamburger Bahnhof-Ausstellungen etablierten ihn endgültig als einen der wichtigsten deutschen Avantgardisten, vergleichbar mit Karl Horst Hödicke, Georg Baselitz oder Marina Abramovi?.
Als Galerist und Sammler legte Steiner den Grundstein für die professionelle Sammlung von Videokunst in Deutschland. Seine Studiogalerie wurde ab 1974 zu einem unabhängigen internationalen Forum für Video, Performance und Aktionskunst. Künstler wie Valie Export, Carolee Schneemann, Jochen Gerz oder die feministische Avantgarde der 70er fanden hier Raum zur Entfaltung, und das in einer Zeit, als Videokunst noch kein musealer Selbstläufer war. Er dokumentierte Performances – etwa Marina Abramovi?s „Freeing the Body“ – als Kameramann und öffnete seine Bühne für Künstlerprogramme wie das DAAD-Programm und das Festival Video Roma.
Bemerkenswert ist das Engagement für jüngere Künstler und die Offenheit, neue Formen zu fördern – sichtbar auch in seiner Förderung der Performance Art, aber auch der zeitgenössischen abstrakten Malerei, der er sich ab den 2000er Jahren wieder verstärkt zuwandte. Seine Werke balancieren stets zwischen Reflexion und Ironie, zwischen Geschichte und Jetztzeit. Oft arbeitet Mike Steiner mit starken Farbfeldern, experimentiert mit Materialien und entwickelt Installationen, die den Betrachter herausfordern und zugleich einladen.
Der biografische Hintergrund ist geprägt von Wechsel, Aufbruch, Kollaboration: Aufenthalte in Berlin und New York werden zu Impulsen für neue künstlerische Ansätze. Wichtige Stationen sind dabei die Gründung des Hotel Steiner, die Studiogalerie, die Videogalerie im Berliner Fernsehen (über 120 Sendungen zur Videokunst) und ein umfangreiches Oeuvre als Kunstvermittler. Das Archiv und der Nachlass dokumentieren heute eindrucksvoll einen künstlerischen Lebensweg, der für Generationen nach Steiner prägend war.
Was hat Mike Steiner der zeitgenössischen Kunst hinterlassen? Seine wichtigste Leistung ist vielleicht: die Überwindung der Grenze zwischen Malerei, Video, Performance und Rauminstallation – und die radikale Offenheit gegenüber dem Neuen. Nicht zuletzt versteht er es, Kunst als sozialen Raum und gesellschaftlichen Impulsgeber zu denken. Dafür steht sein Hotel, seine Galerien und seine visionäre Geduld gegenüber Unzeitgemäßem. Wer sich heute tiefer mit zeitgenössischen Künstlern beschäftigen will, kommt an Mike Steiner kaum vorbei.
Das Fazit fällt eindeutig aus: Mike Steiners Werk bleibt aktuell, relevant und inspirierend – als farbenfrohes Plädoyer für grenzüberschreitende Kunst, mutige Experimente und das Offenhalten von Räumen. Ein Blick auf seine Gemälde, Videos und Performances eröffnet nicht nur Einblicke in ein bewegtes Künstlerleben, sondern spiegelt zugleich den Diskurs der Gegenwart. Wer in die Tiefe gehen möchte, dem sei der Besuch der offiziellen Webseite
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