ROUNDUP, Innenminister

Innenminister einigen sich zu Asylzentren und Drohnenabwehr

05.12.2025 - 15:07:56 | dpa.de

Mit BeschlĂŒssen zu Drohnenabwehr, Gewaltpornografie und Asylzentren an internationalen FlughĂ€fen haben die Innenminister von Bund und LĂ€ndern ihre Herbstkonferenz in Bremen beendet.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) musste allerdings vor der abschließenden Sitzung abreisen, um an der Abstimmung ĂŒber das Rentenpaket im Bundestag teilzunehmen.

Asyl und Migration:

Anders als bei zurĂŒckliegenden Innenministerkonferenzen (IMK) standen Fragen zu Asylzuwanderung und Abschiebungen diesmal nicht im Mittelpunkt. Das dĂŒrfte auch am RĂŒckgang der Zahl der AsylantrĂ€ge liegen. In den ersten elf Monaten dieses Jahres stellten rund 106.000 Menschen erstmals in Deutschland einen Asylantrag. Das waren 51 Prozent weniger AsylerstantrĂ€ge als im Vorjahreszeitraum, was unter anderem mit den intensivierten Grenzkontrollen zusammenhĂ€ngen dĂŒrfte.

Eine Frage, bei der es jetzt wegen Reformen auf EU-Ebene vorangehen muss, konnte geklĂ€rt werden. Der Bund wird die Finanzierung der neuen Asylzentren an den Außengrenzen ĂŒbernehmen. Sechs BundeslĂ€nder haben zugesagt, sich um den Aufbau entsprechender KapazitĂ€ten zu kĂŒmmern.

Die Reform des Gemeinsamen EuropĂ€ischen Asylsystems (GEAS) war 2024 beschlossen worden und wird Mitte kommenden Jahres anwendbar. Die darin vorgesehenen Regelungen zu Außengrenzverfahren betreffen Deutschland als Staat mitten in Europa nur, was Einreisen ĂŒber FlughĂ€fen und SeehĂ€fen angeht.

Diese Verfahren an der Außengrenze durchlaufen Menschen, die die Behörden etwa ĂŒber ihre IdentitĂ€t getĂ€uscht haben, die nationale Sicherheit oder öffentliche Ordnung gefĂ€hrden oder aus LĂ€ndern kommen, deren StaatsbĂŒrger nur geringe Aussicht auf FlĂŒchtlingsschutz in der EU haben (Schutzquote von maximal 20 Prozent). Wird kein Schutzstatus zuerkannt, ist das Ziel eine RĂŒckfĂŒhrung direkt aus dem Außengrenzzentrum.

Dass in Hessen ein grĂ¶ĂŸerer Anteil der insgesamt 340 PlĂ€tze geschaffen werden soll, hĂ€ngt mit dem Flughafen zusammen, wo der Flughafen mit dem grĂ¶ĂŸten Passagieraufkommen liegt. Hessens Innenminister, Roman Poseck (CDU), sagt, er verspreche sich von der Reform "eine bessere Kontrolle ĂŒber das Migrationsgeschehen".

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) betont, die Menschen in Deutschland erwarteten zu Recht, dass die verschiedenen staatlichen Ebenen bei der Steuerung und Begrenzung von Migration Fortschritte machten und sich "nicht in Kompetenzstreitigkeiten verlieren".

Umgang mit der AfD:

Die bei der FrĂŒhjahrssitzung eingerichtete Arbeitsgruppe zur Frage, welche Folgen eine AfD-Mitgliedschaft fĂŒr Beamte und Waffenbesitzer haben sollte, hat in Bremen erste Ergebnisse vorgetragen. Praktische Konsequenzen hat das aber erst einmal nicht. Denn bevor das Kölner Verwaltungsgericht ĂŒber die Klage der AfD gegen ihre Einstufung als gesichert rechtsextremistisch durch den Verfassungsschutz entschieden hat, will man hierzu im Kreis der Innenminister keinen Beschluss fassen.

Die von einigen Bundestagsabgeordneten wiederholt geĂ€ußerte Forderung nach Vorbereitungen fĂŒr ein mögliches AfD-Verbotsverfahren spielten in Bremen keine Rolle. Einen Verbotsantrag können Bundesregierung, Bundesrat oder der Bundestag stellen. Das letzte Wort hat hier das Bundesverfassungsgericht.

Neues Drohnenabwehrzentrum:

Bei der Abwehr von Drohnen werden Bund und LĂ€nder kĂŒnftig enger zusammenarbeiten. Die Innenminister und Innenministerinnen aller BundeslĂ€nder haben die Einrichtung eines gemeinsamen Drohnenabwehrzentrums unter FederfĂŒhrung des Bundes beschlossen. Die Einrichtung soll ihren Sitz in Berlin haben und an die Bundespolizeidirektion 11 angebunden sein. Der Plan besteht schon lĂ€nger, nun gibt es einen Beschluss.

Das Zentrum soll am 17. Dezember eröffnet werden. Alle Sicherheitsbehörden sollen gemeinsam am Tisch sitzen, auch die Bundeswehr und die Nachrichtendienste, wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zum Abschluss der Innenministerkonferenz berichtete. "Es wird dort auch einen Stuhl fĂŒr die LĂ€nder geben", sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD). Man mĂŒsse StĂŒck fĂŒr StĂŒck zu einem Echtzeit-Lagebild kommen.

Bei der Drohnenabwehr stehen vor allem FlughÀfen, Bundeswehr-Standorte und Energieversorger im Fokus. Nach Angaben der Bundesregierung haben Drohnensichtungen an wichtigen Einrichtungen in Deutschland seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine zugenommen.

Einsatz von KI durch die Polizei:

Hessen und Sachsen-Anhalt haben in Bremen fĂŒr den Einsatz KI-gestĂŒtzter Videoschutzsysteme durch die Polizei und Sicherheitsbehörden des Bundes und der LĂ€nder geworben. Dabei geht es um Fahndung und Gefahrenabwehr. "KĂŒnstliche Intelligenz kann als zusĂ€tzliches Erkenntnismittel die Reaktionsgeschwindigkeit der Polizei deutlich erhöhen", sagt Sachsen-Anhalts Innenministerin, Tamara Zieschang (CDU).

Gewaltpornografie:

Die Innenminister haben sich nach Angaben von Grote dafĂŒr ausgesprochen, dass kĂŒnftig nicht nur die Herstellung, sondern auch der Besitz und Konsum gewaltpornografischer Inhalte unter Strafe gestellt werden sollte, sofern diese offensichtlich ohne oder gegen den Willen des erwachsenen Opfers entstanden sind. "Die BetĂ€ubung, Vergewaltigung und Zurschaustellung von Frauen im Internet haben eine erschreckende Dimension erreicht", sagt der Hamburger Senator.

Handel mit Cannabis:

Das noch von der Ampel-Regierung beschlossene Gesetz zur Teil-Legalisierung von Cannabis hat sich aus Sicht der Innenminister nicht bewĂ€hrt, was Ermittlungen zum nach wie vor verbotenen gewerbsmĂ€ĂŸigen Handel mit der Droge angeht. Durch die GesetzesĂ€nderung könnten in solchen FĂ€llen nicht mehr die gleichen Ermittlungsmethoden angewandt werden wie zuvor. Das mĂŒsse sich Ă€ndern, sagt Grote.

Gewalt bei Fußballspielen:

Die Innenminister der LĂ€nder wollen strikter gegen Gewalt in Fußballstadien vorgehen. Im Dialog mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) setzen sie auf die bundesweit einheitliche Umsetzung von Stadionverboten nach klaren Standards. PrĂ€ventionsarbeit soll gestĂ€rkt werden. "Wir haben uns auf einen klaren Kurs verstĂ€ndigt: Dialog statt Konfrontation", sagte der IMK-Vorsitzende MĂ€urer.

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