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Ukraine, Russland und USA reden ĂŒber Kontrolle im Donbass

23.01.2026 - 15:42:14

(mit mehr Details, aktualisiert)KIEW/MOSKAU/ABU DHABI - Bei den ersten direkten GesprÀchen zwischen der Ukraine und Russland seit Monaten geht es im Kern darum, wer nach einem Ende des Krieges die ostukrainische Industrieregion Donbass kontrollieren wird.

(mit mehr Details, aktualisiert)

KIEW/MOSKAU/ABU DHABI (dpa-AFX) - Bei den ersten direkten GesprĂ€chen zwischen der Ukraine und Russland seit Monaten geht es im Kern darum, wer nach einem Ende des Krieges die ostukrainische Industrieregion Donbass kontrollieren wird. "Die Frage des Donbass ist eine SchlĂŒsselfrage", sagte der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj vor den Verhandlungen in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch der Kreml nannte den Donbass als wichtigsten Punkt des Treffens unter Beteiligung der USA.

Bei den Unterredungen an diesem Freitag und am Samstag wĂŒrden die drei Seiten ihre Sichtweise auf das Problem vortragen und diskutieren, sagte Selenskyj. Nach Auskunft seines Beraters Dmytro Lytwyn war der Beginn der GesprĂ€che fĂŒr den Abend geplant.

Ukraine kontrolliert noch ein FĂŒnftel des Gebietes Donezk

Washington drÀngt die Gegner Russland und Ukraine seit Monaten zu einem Ende des Kriegs. Moskau erhebt unter anderem Anspruch auf das gesamte Gebiet Donezk, das es nur zu knapp 80 Prozent kontrolliert. Kiew lehnt einen freiwilligen Abzug bisher ab. Das Gebiet Donezk und das benachbarte Gebiet Luhansk, das russische Truppen fast vollstÀndig kontrollieren, werden als Donbass bezeichnet.

Ohne eine Lösung der Territorialfrage werde es keinen dauerhaften Frieden geben, sagte der außenpolitische Berater von Kremlchef Wladimir Putin, Juri Uschakow. Er Ă€ußerte sich nach GesprĂ€chen der US-UnterhĂ€ndler Steve Witkoff und Jared Kushner mit Putin in Moskau in der Nacht zum Freitag. Solange es keine Lösung gebe, werde Russland den Krieg fortfĂŒhren, sagte Uschakow. Die Ukraine wehrt sich seit fast vier Jahren gegen eine russische Invasion.

Gab es eine "Formel von Anchorage"?

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, die Gebietsfragen sollten gemĂ€ĂŸ den Vereinbarungen von Anchorage geklĂ€rt werden. Wie diese "Formel von Anchorage" aussieht, wolle er allerdings nicht sagen. "Wir halten das fĂŒr nicht zweckmĂ€ĂŸig", sagte er der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Putin und US-PrĂ€sident Donald Trump hatten sich im vergangenen August in Anchorage in Alaska getroffen. Danach wurde nichts verkĂŒndet, was auf eine Einigung schließen ließ. Russische Vertreter verweisen aber immer wieder auf das angebliche Gipfel-Ergebnis.

Inoffiziell kursierte der Vorschlag, dass die Ukraine den Donbass rĂ€umen soll und dafĂŒr die Front weiter sĂŒdlich in den Gebieten Saporischschja und Cherson eingefroren wird. Im November tauchte dies im Entwurf eines Friedensplans auf, den die USA sich zu eigen machten, der aber wohl aus Moskau kam.

Peskow sagte nun: "Die Position Russlands ist bekannt, dass die Ukraine und die ukrainischen StreitkrĂ€fte das Gebiet Donbass verlassen mĂŒssen. Sie mĂŒssen von dort abgezogen werden."

US locken mit Freihandelszone

FĂŒr die ukrainische Armee sind StĂ€dte wie Slowjansk und Kramatorsk im Gebiet Donezk ein strategisch wichtiger VerteidigungsgĂŒrtel, um einen Vormarsch der Russen Richtung Charkiw und zum Fluss Dnipro aufzuhalten. Selenskyj reagierte auf die Forderung nach einem RĂŒckzug mit der Gegenforderung, russische Truppen sollten sich um ebenso viele Kilometer zurĂŒckziehen.

Die Trump-FĂŒhrung versucht beiden Seiten die Idee schmackhaft zu machen, in dem entmilitarisierten Streifen eine Freihandelszone einzurichten. Allerdings ist die Region nach schweren KĂ€mpfen weitgehend zerstört. Moskau sagte, in einer entmilitarisierten Zone sollten russische Polizei und die Nationalgarde patrouillieren. Diese sind aber militĂ€risch ausgerĂŒstet - unannehmbar fĂŒr Kiew.

Ein Draht von Geheimdienst zu Geheimdienst?

Selenskyj benannte fĂŒr Abu Dhabi die ukrainische Delegation, die seit Wochen vor allem mit den USA verhandelt. GefĂŒhrt wird sie vom SekretĂ€r des Sicherheitsrates, Rustem Umjerow, und dem neuen Leiter des PrĂ€sidialamtes, Kyrylo Budanow. Putin entsandte fĂŒr Sicherheitsfragen den Leiter des russischen MilitĂ€rgeheimdienstes GRU, Igor Kostjukow, und andere MilitĂ€rs.

Dies verleiht den GesprĂ€chen am Golf mehr Gewicht als den vorigen Runden in Istanbul, bei denen Ex-Kulturminister Wladimir Medinski die russische Delegation fĂŒhrte. Er gilt im Moskauer MachtgefĂŒge als Leichtgewicht ohne Einfluss in Sicherheitsfragen.

General Budanow war vor seinem Wechsel Chef der ukrainischen militÀrischen AufklÀrung und hat in dieser Funktion schon in Abu Dhabi mit russischen Geheimdienstvertretern gesprochen. Dabei ging es um den Austausch von Kriegsgefangenen. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sagte Budanow, es sei an der Zeit, nach den Verhandlungen mit den USA und den EuropÀern auch wieder direkt mit Moskau zu sprechen.

Über bilaterale wirtschaftliche Fragen zwischen den USA und Russland sollten die UnterhĂ€ndler Steve Witkoff und Kirill Dmitrijew sprechen, sagte Peskow.

Vier Tote durch Drohnenangriff

Durch russische Drohnenangriffe wurden unterdessen in der Ostukraine mindestens vier Zivilisten getötet, darunter ein fĂŒnfjĂ€hriger Junge. Weitere fĂŒnf Menschen seien verletzt worden, teilte die Staatsanwaltschaft des Gebiets Donezk auf Facebook mit. Zu den verletzten Opfern in der Ortschaft Tscherkaske im Landkreis Kramatorsk zĂ€hlten drei MinderjĂ€hrige. Die Siedlung liegt gut 35 Kilometer von der Front entfernt.

Außerdem verursachten die russischen Luftangriffe neue Unterbrechungen der Stromversorgung in den Gebieten Dnipropetrowsk, Saporischschja, Charkiw und Sumy. In Kiew dauern die Probleme mit Strom und Heizung an. Ein ukrainischer Drohnenangriff löste nach russischen Behördenangaben einen Brand in der Raffinerie von Pensa aus.

@ dpa.de