Musk, KI-Rechenzentren

Musk will KI-Rechenzentren ins All schießen

28.01.2026 - 00:41:12

Auf dem Weltwirtschaftsforum schlug Elon Musk vor, energieintensive KI-Server in den Orbit zu bringen. Dort könnten sie durch permanente Solarkraft effizient betrieben und natürlich gekühlt werden.

Elon Musk schlägt auf dem Weltwirtschaftsforum eine radikale Lösung für den Energiehunger der Künstlichen Intelligenz vor: Rechenzentren im Orbit, gespeist von Weltraum-Sonnenkraft. Der Visionär verknüpft damit die Zukunft seiner Unternehmen SpaceX und xAI.

DAVOS – Die Antwort auf eines der größten Hindernisse der KI-Revolution könnte 400 Kilometer über der Erde liegen. Auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) präsentierte Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk eine visionäre Idee: die Verlagerung energieintensiver KI-Rechenzentren ins All. Angetrieben werden sollen sie durch Solarkraftwerke im Orbit. Mit diesem Vorstoß adressiert Musk ein Problem, das die gesamte Tech-Branche umtreibt – der immense Strombedarf moderner KI-Modelle droht, die Netze an ihre Grenzen zu bringen.

Die Erde als Flaschenhals

Der Kern des Vorschlags liegt in der Überwindung irdischer Limitierungen. Musk erläuterte, dass Solarpaneele im Orbit bis zu fünfmal effizienter arbeiten könnten als auf der Erde. Grund ist die konstante Sonneneinstrahlung, ungehindert von Nacht, Wolken oder Atmosphäre. Ein weiterer, entscheidender Vorteil ist die natürliche Kühlung. Die eisige Kälte des Weltraums, besonders im Schatten, biete ein perfektes „Kühlmittel“ für die Hochleistungsprozessoren der KI. Energieintensive Kühlsysteme, wie sie in irdischen Rechenzentren Standard sind, wären überflüssig. Diese Kombination aus permanenter Energie und passiver Kühlung macht den Orbit aus Musks Sicht zum idealen Standort.

Starship als Schlüssel zum Erfolg

Die wirtschaftliche Machbarkeit dieses Plans steht und fällt mit einem Projekt: SpaceXs Starship-Rakete. Musk betonte, dass erst die vollständige Wiederverwendbarkeit des Trägersystems die Vision ermögliche. Sie könnte die Startkosten pro Nutzlast um den Faktor 100 senken – auf ein Niveau unter dem konventionellen Luftfracht. Nur so ließen sich die benötigten Infrastrukturen, wie riesige Solararrays und Server-Hardware, in kommerziellem Maßstab ins All bringen. Laut Zeitplan könnten erste solarbetriebene KI-Satelliten in den nächsten Jahren starten. Wirtschaftlich tragfähige Orbital-Rechenzentren sieht Musk bereits in zwei bis drei Jahren am Horizont – vorausgesetzt, Starship wird operationell.

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Die KI-Expansion ins All wirft nicht nur technische Fragen auf – seit August 2024 gelten in der EU neue Regeln für KI‑Systeme, die Unternehmen und Entwickler betreffen. Wer jetzt orbitaler Rechenleistung plant, sollte Pflichten, Risikoklassen und Dokumentationsanforderungen kennen, um Bußgelder zu vermeiden. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden erklärt kompakt, welche Vorgaben gelten und wie Sie Ihr Projekt rechtskonform aufsetzen. Jetzt kostenlosen KI‑Verordnungs‑Leitfaden herunterladen

Energie für eine „Ökonomie des Überflusses“

Das orbitale Konzept ist Teil von Musks größerer Vision einer durch KI und Robotik getriebenen „Ökonomie des Überflusses“. Er skizzierte eine Zukunft, in der allgegenwärtige KI die globale Wirtschaftsleistung explodieren lässt. Zugleich wagte er eine gewagte Prognose: Künstliche Intelligenz könnte schon Ende 2026 jeden einzelnen Menschen intellektuell übertreffen. Bis 2030 oder 2031 könnte sie die kollektive Intelligenz der gesamten Menschheit überholen. Indem er das Energieproblem löse, will Musk verhindern, dass die Entwicklung dieser mächtigen Technologie durch irdische Ressourcengrenzen ausgebremst wird.

Branche sucht dringend nach Strom

Musk trifft mit seinem Vorstoß den Nerv der Zeit. Die Tech-Industrie sieht zunehmend die Verfügbarkeit von Energie – und nicht mehr nur Halbleiter – als primären Flaschenhals für das KI-Wachstum. Während andere Konzerne wie Google oder Microsoft in effizientere Chips und irdische Ökostrom-Projekte investieren, verlegt Musk die Lösung kurzerhand ins All. Parallel zu seinen orbitalen Plänen kündigte er auch massive terrestrische Initiativen an: Tesla und SpaceX arbeiten demnach daran, in den USA jeweils eine Produktionskapazität von 100 Gigawatt Solarmodulen pro Jahr aufzubauen. Zugleich kritisierte er hohe US-Zölle auf Solarimporte, die den dringend benötigten Ausbau erneuerbarer Energien verzögerten.

Der Weg in den Orbit

Bis KI-Server im All rechnen, ist es jedoch noch ein weiter Weg. Die nächsten Schritte hängen unmittelbar vom Erfolg der Starship-Testflüge ab. Die demonstrierte, schnelle Wiederverwendbarkeit der Rakete ist die erste Hürde. Anschließend müssen die solarbetriebenen KI-Satelliten im kleinen Maßstab beweisen, dass das Konzept funktioniert. Die Umsetzung erfordert anhaltende Innovationen in Raketentechnik, Raumfahrtelektronik und Robotik. Gelingt sie, würde damit nicht nur die nächste KI-Generation angetrieben, sondern auch eine völlig neue wirtschaftliche Front im erdnahen Orbit eröffnet.

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