Chemieindustrie bleibt in der Krise
01.04.2026 - 17:35:53 | dpa.deBranchenvertreter sehen trotz einzelner Hoffnungssignale weiterhin eine tiefgreifende strukturelle Krise.
"Wir kennen im Moment nur eine Richtung: Produktion, Umsatz und auch BeschĂ€ftigung gehen zurĂŒck", sagt die HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Nordostchemie-VerbĂ€nde, Nora Schmidt-Kesseler, in einem HintergrundgesprĂ€ch in Berlin. Die Branche stecke inzwischen im dritten Krisenjahr in Folge.
Chemie deutlich unter Normalniveau
Demnach lag der Gesamtumsatz der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland im Jahr 2025 bei rund 28,5 Milliarden Euro - ein leichtes Plus von 0,5 Prozent, das jedoch allein auf die Pharmaindustrie zurĂŒckzufĂŒhren ist.
Die klassische Chemie verzeichnete hingegen einen RĂŒckgang von rund drei Prozent. Besonders kritisch bleibt die KapazitĂ€tsauslastung: In der chemischen Industrie lag sie zuletzt bei durchschnittlich 72 Prozent.
Insgesamt sind laut des Branchenverbands rund 63.000 Menschen in der Branche beschÀftigt. WÀhrend die Pharmaindustrie stabil bleibt, kommt es in der Chemie zunehmend zu Stellenabbau.
Strukturelle Probleme belasten Standort
Als Hauptursachen nennen die VerbÀnde hohe Energie- und Rohstoffkosten, zunehmende regulatorische Belastungen sowie wachsenden internationalen Wettbewerbsdruck. Hinzu kommen geopolitische Risiken, etwa durch den Nahost-Konflikt.
"Jeder Tag zĂ€hlt", betont Schmidt-Kesseler mit Blick auf die aktuellen geopolitischen Entwicklungen. Unterbrochene Handelswege und steigende Energiepreise - etwa durch Spannungen rund um die StraĂe von Hormus - setzten die Unternehmen zusĂ€tzlich unter Druck.
Gleichzeitig warnte sie vor einer wachsenden AbhÀngigkeit von Importen. Schon heute stammten rund zwei Drittel wichtiger chemischer Vorprodukte und Wirkstoffe aus Asien.
Domo als Hoffnungsschimmer
Vor diesem Hintergrund wird die mögliche Rettung von Domo in Leuna als wichtiger Lichtblick gewertet. Das Werk wurde auf eine neu gegrĂŒndete Auffanggesellschaft ĂŒbertragen, die von InfraLeuna und dem Unternehmen Leuna-Harze getragen wird. 436 der zuletzt rund 500 BeschĂ€ftigten sollen ĂŒbernommen werden.
"Das ist ein sehr gutes Signal", sagt Schmidt-Kesseler. Die Lösung könne dazu beitragen, den Standort zu stabilisieren. Domo sei eng in die Produktionsstrukturen des Chemieparks eingebunden.
Am Mittwoch wollen Sachsen-Anhalts MinisterprĂ€sident Sven Schulze (CDU), der vorlĂ€ufige Insolvenzverwalter und Vertreter des Chemieparks ĂŒber den Stand bei Domo informieren.
MinisterprĂ€sident Sven Schulze (CDU) zeigte sich mit der Lösung zufrieden. "FĂŒr uns als Land ist das jetzt eine sehr, sehr gute Lösung", sagte er.
Unsicherheit bleibt hoch
Trotz einzelner positiver Signale bleibt der Ausblick fĂŒr die Branche verhalten. Nur rund zehn Prozent der Unternehmen rechnen kurzfristig mit einer Verbesserung der Lage. Eine Prognose fĂŒr das laufende Jahr wagen die VerbĂ€nde angesichts der Unsicherheiten derzeit nicht.
"Wir haben eine sehr anspruchsvolle Situation, die zum Teil konjunkturell bedingt ist, aber eben nur in Teilen", betont Schmidt-Kesseler. Das groĂe Problem sei weiterhin die strukturelle Krise in der Branche.
Unternehmen reagierten bereits mit Kostensenkungen, InvestitionszurĂŒckhaltung und teilweise auch mit Stilllegungen. FĂŒr die Branche dĂŒrften die kommenden Monate entscheidend werden.
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