Venezuelas neue FĂŒhrung festigt nach Maduros Sturz die Macht
06.01.2026 - 06:35:03Als eine der ersten Amtshandlungen erklĂ€rte die als geschĂ€ftsfĂŒhrende PrĂ€sidentin vereidigte Delcy RodrĂguez den Ausnahmezustand und wies die Polizei zur Jagd auf Kollaborateure an. Nach Angaben des venezolanischen Journalistenverbands SNRP wurden 14 Journalisten festgenommen, spĂ€ter aber wieder freigelassen.
Im Dekret zur VerkĂŒndung des Ausnahmezustands hieĂ es, alle Polizeidienststellen sollten nach Personen suchen, die den Angriff der Vereinigten Staaten unterstĂŒtzten. Medienberichten zufolge hatte das US-MilitĂ€r bei der Kommandokation am Wochenende, bei der Staatschef Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores gefangengenommen wurden, UnterstĂŒtzung vor Ort. Unter anderem soll eine Person im direkten Umfeld von Maduro stĂ€ndig Informationen ĂŒber seinen gegenwĂ€rtigen Aufenthaltsort ĂŒbermittelt haben.
Maduro und seine Frau wurden am Montag in New York einem Gericht vorgefĂŒhrt, wo sie sich wegen angeblicher Drogendelikte verantworten mĂŒssen. Bei seiner ersten Anhörung erklĂ€rte Maduro in GefĂ€ngniskleidung laut Ăbersetzer: "Ich bin nicht schuldig". Er sei "entfĂŒhrt" worden, sagte er und fĂŒgte hinzu: "Ich bin ein anstĂ€ndiger Mensch, ich bin immer noch der PrĂ€sident meines Landes". Die nĂ€chste Gerichtsanhörung ist fĂŒr den 17. MĂ€rz terminiert.
SchĂŒsse im Regierungsviertel in Caracas
Berichten in sozialen Medien zufolge kam es in der Nacht in der NĂ€he des PrĂ€sidentenpalastes in der Hauptstadt Caracas zu heftigen Schusswechseln, wobei die HintergrĂŒnde zunĂ€chst unklar blieben. In Videos waren SchĂŒsse zu hören und gepanzerte Fahrzeuge der SicherheitskrĂ€fte in den StraĂen zu sehen. In Venezuela gibt es eine Reihe bewaffneter Gruppen, darunter kriminelle Organisationen und der Regierung nahe stehende ParamilitĂ€rs, die sogenannten Colectivos. Schusswaffengewalt ist in manchen Teilen von Caracas nicht so ungewöhnlich.
Maduros Nachfolgerin RodrĂguez legte derweil ihren Amtseid in Venezuelas Nationalversammlung ab. "Ich werde nicht ruhen, bis Frieden und Ruhe fĂŒr die Republik gewĂ€hrleistet sind", sagte die 56-JĂ€hrige bei ihrer Vereidigung durch ihren Bruder, den ParlamentsprĂ€sidenten Jorge RodrĂguez. Der Oberste Gerichtshof hatte die bisherige VizeprĂ€sidentin bereits am Wochenende beauftragt, die Aufgaben des Staatschefs vorĂŒbergehend wahrzunehmen.
Die Regierung in Venezuela betrachtet Maduro weiterhin als legitimen PrĂ€sidenten. Laut der venezolanischen Verfassung ĂŒbernimmt bei einer dauerhaften Abwesenheit des PrĂ€sidenten zunĂ€chst die VizeprĂ€sidentin die AmtsgeschĂ€fte und setzt innerhalb von 30 Tagen Neuwahlen an. Ob die neue FĂŒhrung die Lage als eine dauerhafte Abwesenheit bewertet, ist unklar.
Nach EinschĂ€tzung von US-PrĂ€sident Donald Trump wird es in den nĂ€chsten 30 Tagen keine Neuwahl geben. "Wir mĂŒssen das Land zuerst wieder in Ordnung bringen. Man kann keine Wahlen abhalten", sagte er dem Sender NBC News.
Kritik im UN-Sicherheitsrat an Vorgehen der USA
In einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates forderten Venezuela, Russland und China die Freilassung Maduros und bezeichneten das Vorgehen der USA als völkerrechtswidrig. Der russische UN-Botschafter nannte es "Vorbote einer RĂŒckkehr in eine Ăra der Gesetzlosigkeit und US-Dominanz durch Gewalt, Chaos und WillkĂŒr". GroĂbritannien, EU-nahe Staaten, Panama und Chile erklĂ€rten, es sei weder Maduro als PrĂ€sident legitim noch der US-Angriff. Sie forderten einen friedlichen, aus der venezolanischen Gesellschaft heraus gefĂŒhrten Ăbergang hin zu einem demokratischen Regierungssystem.
RodrĂguez stellt USA Zusammenarbeit in Aussicht
RodrĂguez gilt als eine der loyalsten Figuren aus Maduros Machtzirkel. Als AuĂenministerin (2014-2017) prĂ€gte die ĂŒberzeugte Sozialistin den konfrontativen Kurs gegen die USA, den sie als VizeprĂ€sidentin fortsetzte. Auch nach dem US-MilitĂ€rschlag am Wochenende gab sie sich zunĂ€chst unbeugsam. Das mĂ€chtige MilitĂ€r stellte sich öffentlich hinter sie. SpĂ€ter zeigte sie sich dann bereit zu einer Zusammenarbeit mit den USA. "Unsere Völker und unsere Region verdienen Frieden und Dialog, keinen Krieg", schrieb sie an Trump gerichtet.
Bei dem US-Angriff waren in Caracas nach Angaben von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth knapp 200 US-EinsatzkrĂ€fte beteiligt. Ob es sich dabei ausschlieĂlich um Soldaten handelte, sagte er nicht. FrĂŒheren Angaben zufolge waren unter anderem die Bundespolizei FBI und Eliteeinheiten der StreitkrĂ€fte an dem Einsatz in Caracas beteiligt.

