Gastgewerbe, Tarifverhandlungen

Ă–sterreichs Gastgewerbe steckt in Tarifverhandlungen fest

30.03.2026 - 08:30:22 | boerse-global.de

Die Tarifverhandlungen für Österreichs Hotel- und Gaststättengewerbe sind ergebnislos vertagt. Während die Gewerkschaft 3,8 Prozent plus bezahlte Pausen fordert, bietet die Wirtschaftskammer 2,3 Prozent.

Ă–sterreichs Gastgewerbe steckt in Tarifverhandlungen fest - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Während in mehreren deutschen Bundesländern bereits neue Tarifverträge gelten, herrscht in Österreichs Hotel- und Gaststättengewerbe Stillstand. Für rund 200.000 bis 240.000 Beschäftigte bleibt die Lohnentwicklung 2026 ungewiss, nachdem die erste Verhandlungsrunde am 12. März ergebnislos vertagt wurde. Der nächste Termin ist für den 7. April angesetzt.

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Forderungen prallen auf wirtschaftliche Realität

Die Gewerkschaft vida fordert eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 3,8 Prozent. Zusätzlich verlangt sie bezahlte Mittagspausen und mindestens zwölf garantierte freie Sonntage im Jahr. Allein die bezahlte Pause würde laut Gewerkschaft einer weiteren Lohnerhöhung von sechs Prozent entsprechen. Hintergrund ist eine Inflationsrate von 3,6 Prozent, die einen Kaufkraftverlust der Beschäftigten verhindern soll.

Die Arbeitgebervertreter der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) halten dagegen. Ihr Gegenangebot liegt bei 2,3 Prozent. Die Verhandlungsführer Georg Imlauer und Alois Rainer verweisen auf den massiven Kostendruck durch Energie, Lebensmittel und Personal. Neun von zehn Betrieben könnten diese Mehrkosten nicht vollständig über die Preise weitergeben, so die WKO. Trotz guter Auslastung stagnierten daher die Betriebsergebnisse. Die Arbeitgeber betonen zudem, dass die Mindestlöhne in der Branche in den letzten vier Jahren kumuliert um 27,1 Prozent gestiegen seien – deutlich mehr als die Inflation.

Vorgeschichte von Spannungen geprägt

Der Weg an den Verhandlungstisch war holprig. Eigentlich für Anfang Februar geplant, verzögerten sich die Gespräche nach öffentlichen Vorwürfen der Gewerkschaft. vida hatte auf steuer- und arbeitsrechtliche Verstöße in der Branche hingewiesen, nachdem Finanzbehörden bei Gastronomen Durchsuchungen durchgeführt hatten. Die WKO kritisierte diese Pauschalvorwürfe als Verzerrung und forderte zunächst eine Entschuldigung von vida-Vorsitzendem Roman Hebenstreit. Diese blieb aus, doch die Sozialpartner fanden schließlich doch zusammen.

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Deutschland: Tariffrieden in mehreren Regionen

Während in Österreich gestritten wird, herrscht in Teilen Deutschlands bereits Tariffrieden. In Niedersachsen einigten sich die NGG-Gewerkschaft und der DEHOGA-Verband nach nur zwei Verhandlungsrunden. Der neue Tarifvertrag sieht eine zweistufige Erhöhung vor: 3,0 Prozent ab Mai 2026 und weitere 2,9 Prozent ab Mai 2027. Die Vereinbarung gilt bis April 2028.

Auch in Baden-Württemberg wurde im Januar 2026 ein neuer Tarifvertrag mit stufenweisen Erhöhungen bis März 2028 abgeschlossen. Bereits im März 2025 war zudem in der Systemgastronomie nach Schlichtung eine Einigung mit Erhöhungen zwischen 9,8 und 18,73 Prozent für verschiedene Tarifgruppen erzielt worden.

Branche unter Druck – und was jetzt kommt

Die Verhandlungen spiegeln den Dauerkonflikt der Branche wider: Hohe Betriebskosten treffen auf den berechtigten Wunsch der Beschäftigten nach Kaufkrafterhalt. Für Österreichs etwa 65.000 Betriebe und ihre Belegschaften bedeutet die Unsicherheit eine zusätzliche Belastung in einer ohnehin von Personalmangel geprägten Zeit.

Die kommende Verhandlungsrunde am 7. April wird zeigen, ob die Sozialpartner eine Brücke zwischen ihren Positionen schlagen können. Ein längerer Streit könnte die Lage weiter destabilisieren. Die Branche in Europa blickt gespannt nach Wien – die Ergebnisse könnten auch anderswo Maßstäbe setzen.

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