ROUNDUP, Lufthansa

Lufthansa kann Streiks auch in der Krise nicht stoppen

09.04.2026 - 15:12:32 | dpa.de

Passagiere der Lufthansa DE0008232125 mĂŒssen an diesem Freitag bereits das dritte Mal in diesem Jahr mit streikbedingten FlugausfĂ€llen und VerspĂ€tungen rechnen.

Nach zwei Streikwellen der Piloten im Februar und MÀrz hat nun die Kabinengewerkschaft Ufo die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter zu einem flÀchendeckenden Arbeitskampf aufgerufen.

Betroffen sind zwischen 00.01 und 22.00 Uhr hunderte AbflĂŒge der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Lufthansa Cityline an den Drehkreuzen MĂŒnchen und Frankfurt sowie an zahlreichen anderen deutschen FlughĂ€fen. Weil in der Folge die Maschinen an auslĂ€ndischen Zielen fehlen, dĂŒrften auch zahlreiche RĂŒckflĂŒge von Osterurlaubern zunĂ€chst ausfallen.

Lufthansa mit Gegenmaßnahmen

Das Unternehmen will dem Streik mit zahlreichen Maßnahmen entgegenwirken. Der Konzern kĂŒndigte zusĂ€tzliche FlĂŒge seiner nicht bestreikten Airlines an. So mĂŒssen sich Kunden von Eurowings, Discover, Swiss, Austrian, Brussels, Edelweiss und Ita keine Sorgen machen. Auf einigen Strecken sollen zudem grĂ¶ĂŸere Flugzeuge eingesetzt werden.

Ein Sonderflugplan ist bereits veröffentlicht. Demnach zeichnen sich hunderte FlugausfĂ€lle ab. Am Drehkreuz Frankfurt wurden von knapp 350 geplanten Lufthansa-AbflĂŒgen 75 Prozent gestrichen, wie der Plan des Flughafens zeigt. An grĂ¶ĂŸeren FlughĂ€fen wie Hamburg oder Berlin wurden ebenfalls dutzende FlĂŒge abgesagt.

Den Passagieren rĂ€t Lufthansa, sich umfassend ĂŒber ihren Flug zu informieren. Die Tickets können umgebucht oder erstattet werden. Weiterhin stehen den FluggĂ€sten bei VerspĂ€tungen von ĂŒber drei Stunden EntschĂ€digungen zu. Auch muss die Airline fĂŒr alternativen Transport, Verpflegung und Unterkunft sorgen.

Urabstimmung mit eindeutigem Ergebnis

Der Streikaufruf treffe die GĂ€ste im RĂŒckreiseverkehr nach Ostern besonders hart, kritisierte Personal-Vorstand Michael Niggemann. Zudem sollten mit Lufthansa und Lufthansa Cityline gleich zwei Flugbetriebe gleichzeitig bestreikt werden. "Diese Eskalation ist verantwortungslos." Niggemann hielt der Ufo vor, bislang nicht ernsthaft verhandelt zu haben. "Stattdessen hat Ufo nun schnell eskaliert."

Dem Streik ist zunĂ€chst ein Warnstreik und dann eine Urabstimmung vorausgegangen, die hohe Zustimmung der BeschĂ€ftigten zu einem Arbeitskampf ergeben hat. In dem Konflikt geht es um die Tarifverhandlungen zum Manteltarif bei Lufthansa und nach Ufo-Angaben um die fehlende Bereitschaft des Unternehmens, bei der Cityline ĂŒber einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln. Daran hingen rund 800 Existenzen.

UngĂŒnstiger Zeitpunkt

"Den City-Line-BeschĂ€ftigten brennt der Kittel", sagt ein Insider mit Blick auf Übernahmeangebote, die aus Gewerkschaftssicht nicht ausreichen. Der Flugbetrieb der Regionaltochter soll nach Aussagen des Managements im kommenden Jahr beendet werden. An ihre Stelle tritt eine neue Gesellschaft mit dem Ă€hnlichen Namen Lufthansa City Airlines.

Der Arbeitskampf der sonst meist friedlichen Stewardessen und Stewards trifft die Lufthansa zu einem ungĂŒnstigen Zeitpunkt, an dem der 100. Jahrestag des Erstflugs groß gefeiert werden soll. Der Iran-Krieg bringt hohe Kerosinpreise mit sich, die manche FlĂŒge im Programm nicht mehr rentabel erscheinen lassen. Gleichzeitig nimmt Lufthansa gerade eine Sonderkonjunktur in Richtung Asien mit, weil die Konkurrenz-Airlines vom Persischen Golf wegen der Kampfhandlungen ausfallen. Eigentlich, so die Meinung in Konzernkreisen, sollten im Unternehmen gerade alle besonders fest zusammenstehen.

Der nÀchste Streik kommt bestimmt

Auch mit den Piloten ist Lufthansa noch weit von einer Einigung entfernt. Neben den bereits bestreikten Airlines Lufthansa und Cityline haben dort auch die Crews der Tochter Eurowings fĂŒr einen Arbeitskampf gestimmt. Die Vereinigung Cockpit kĂ€mpft offiziell um höhere Betriebsrenten, hat aber mit der eigens gegrĂŒndeten Konzerntarifkommission auch den seit Jahren schwelenden Hauptkonflikt im Blick. Hier geht es um die Verteilung von Flugzeugen, Jobs und Karrierechancen auf die verschiedenen Flugbetriebe.

Da ist auf der einen Seite die teure und etablierte Lufthansa, die im vergangenen Jahr nur ganz knapp ĂŒberhaupt einen Gewinn eingeflogen hat. Auf der anderen Seite stehen junge Betriebe wie der Touristikflieger Discover und die neue Regionaltochter Lufthansa City Airlines mit bislang gĂŒnstigeren Tarifbedingungen. Der Kostenvorteil soll bis zu 40 Prozent betragen. In beiden Betrieben bietet sich Verdi als Tarifpartner an - die einzige Gewerkschaft, die 2026 bei Lufthansa bislang nicht gestreikt hat.

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