Schnellere Daten und KI - Bahn plant bessere Reiseinfos
05.03.2026 - 06:50:02 | dpa.deHunderte Reisende eilen gestresst zu den Bahnsteigtreppen. Dass Hinweise auf Störungen, VerspĂ€tungen oder ZugausfĂ€lle hĂ€ufig nicht zeitnah und zuverlĂ€ssig kommen, wurmt viele FahrgĂ€ste. Die Bahn will das Ărgernis angehen und dafĂŒr auch an den Datenquellen ansetzen, um bald bessere Benachrichtigungen anzubieten.
"Die Kundinnen und Kunden sollen noch in diesem Jahr merken, dass die Kundeninformation besser wird", sagte Konzernchefin Eveyln Palla der Deutschen Presse-Agentur. "In der Vergangenheit haben wir zu wenig Fokus auf dieses fundamental wichtige Thema fĂŒr die FahrgĂ€ste gelegt", rĂ€umte sie ein. "Gerade bei vielen Fahrplanabweichungen ist es wichtig, dass wir unsere FahrgĂ€ste gut informieren und aktuelle, verlĂ€ssliche und konsistente Daten in den unterschiedlichen KundenkanĂ€len haben."
Infos aus mehreren Quellen
Bei tĂ€glich mehr als 20.000 Fern- und RegionalzĂŒgen allein bei der bundeseigenen Deutschen Bahn sind Angaben zu Planabweichungen eine komplexe Sache. "Eine gute Kundeninformation ist ein Zusammenspiel von mehreren Akteuren", erlĂ€uterte Palla. So kĂ€men Daten ĂŒber die Position der ZĂŒge und Informationen zu Gleiswechseln im Bahnhof vom Betreiber des Schienennetzes, der Konzerntochter DB InfraGo. "Die wollen wir so frĂŒh wie möglich in die Informationssysteme bekommen - direkt, wenn sie vorliegen."
"Die andere Informationsquelle sind die Verkehrsunternehmen, die auf der Schiene unterwegs sind. Dort entstehen die VerspĂ€tungsprognosen und zum Beispiel auch die Informationen zur Wagenreihung", sagte die Bahnchefin. FĂŒr die eigenen Fern- und RegionalzĂŒge der DB wolle man jetzt aus den Leitstellen schneller prĂ€zisere Daten in die Kundensysteme einspielen.
Auch die Wettbewerber mĂŒssen mitziehen
Damit die Gesamtsituation der FahrgÀste besser wird, kommen aber auch die Wettbewerber ins Spiel, die der Bahn inzwischen vor allem im Regionalverkehr Konkurrenz machen. Wichtig sei, dass alle anderen Verkehrsunternehmen auf der Schiene ebenfalls prÀzise Daten einspielten, damit flÀchendeckend eine gute Kundeninformation entstehe, sagte die Bahnchefin. "Am Ende ist das eine Gemeinschaftsaufgabe der gesamten Branche."
Helfen soll bei der Bahn auch neue Technik. "Wir mĂŒssen hier auch noch mehr als in der Vergangenheit auf KĂŒnstliche Intelligenz setzen, insbesondere bei den VerspĂ€tungsprognosen können wir da Verbesserungen erzielen." Derzeit mĂŒssen FahrgĂ€ste oft damit kĂ€mpfen, dass sich Prognosen noch wĂ€hrend der Fahrt immer wieder Ă€ndern - und am Ende niemand genau weiĂ, wann der Zug nun ankommt und ob die Anschlussverbindung erreichbar ist.
Drei Sofortprogramme
Bessere Informationen gehören zu den insgesamt drei Sofortprogrammen, mit denen die neue Bahnchefin und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) schon kurzfristige Verbesserungen erreichen wollen. Ein erstes Programm fĂŒr mehr Sicherheit und Sauberkeit an den Bahnhöfen und ein zweites fĂŒr mehr Komfort in den FernzĂŒgen sind schon vorgestellt worden.
FĂŒr die ICE und Intercity geht es dabei um besser verfĂŒgbare Toiletten und Angebote in der Bordgastronomie. Rund 20 Millionen Euro extra pro Jahr soll das Programm kosten. Wann das letzte zur Reisendeninformation anlaufen wird, ist noch offen. Der Zweck aller drei Programme: Bei den FahrgĂ€sten soll jetzt schon ankommen, dass sich bei der Bahn etwas zum Positiven Ă€ndert, wie Palla sagte. Denn fĂŒr die tiefgreifende Sanierung des maroden Gleisnetzes als Hauptursache fĂŒr VerspĂ€tungen warb sie gerade um Geduld: "Die Schiene in Deutschland in Ordnung zu bringen, dafĂŒr werden wir zehn Jahre brauchen."
Palla: Wollen das BahngeschÀft auch wirtschaftlich sanieren
FĂŒr den bundeseigenen Konzern, der ja als Aktiengesellschaft firmiert, schlĂ€gt sich das auch bei den wirtschaftlichen Perspektiven nieder. "NatĂŒrlich mĂŒssen wir auch wieder Wachstum erzielen. DafĂŒr können wir die Auslastung unserer ZĂŒge verbessern", sagte Palla. "Wir können aber angesichts knapper NetzkapazitĂ€ten aktuell nicht noch mehr ZĂŒge auf die Schiene schicken."
In den Bilanzen standen zuletzt unter dem Strich rote Zahlen. Die Bahnchefin betonte denn auch: "Wir wollen das BahngeschĂ€ft in Deutschland betrieblich, aber natĂŒrlich auch wirtschaftlich stabilisieren. Das muss unser Ziel sein, und das verfolgen wir. Da sind wir auf einem guten Weg." Mit Blick auf den Verkauf der weltweit aktiven Logistiktochter Schenker, die ein meist sicherer Gewinnbringer war, erlĂ€uterte sie: "Es geht nicht darum, mit irgendeinem AuslandsgeschĂ€ft den Konzern wirtschaftlich gesund zu halten."
Palla sagte: "Wir haben 2025 schon besser abgeschlossen als die vorherigen Jahre." Im Fernverkehr sei man dabei, ein umfassendes Sanierungskonzept zu erarbeiten. Die GĂŒterzugtochter DB Cargo sei das gröĂte Sorgenkind. "Da schlagen wir gerade einen Sanierungskurs mit sehr harten Einschnitten ein." Und es gebe darĂŒber hinaus im Konzern auch strukturelle VerĂ€nderungen und BĂŒrokratieabbau, die einen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit leisten sollten.
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