Der breite Start der E-Patientenakten hakt
23.09.2025 - 13:16:44In wenigen Tagen sollen die neuen digitalen Speicher fĂŒr Gesundheitsdaten aber erst so richtig im Alltag ankommen. Denn zum 1. Oktober wird es fĂŒr Ărztinnen und Ărzte Pflicht, wichtige Befunde in die E-Akten einzutragen, damit sie fĂŒr weitere Behandlungen immer parat stehen können. Nur: Kurz vor dem Start sind die technischen Voraussetzungen noch nicht ĂŒberall da, weil Praxen auf erforderliche Softwaremodule warten mĂŒssen.
"Nach unserem letzten Stand sind etwa 80 Prozent der Praxen mit einem solchen Modul ausgerĂŒstet", sagte das Vorstandsmitglied der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung (KBV), Sibylle Steiner, der Deutschen Presse-Agentur. "Dass etwa ein FĂŒnftel der Praxen noch nicht mit der ePA arbeiten können, sehen wir sehr kritisch." Von einigen Anbietern von Praxisverwaltungssystemen wisse man, dass das ePA-Modul im vierten Quartal nachgeliefert werden solle. "Von anderen Herstellern haben wir gar keine RĂŒckmeldung."
Praxen drohen Abstriche bei der VergĂŒtung
Steiner sagte: "Wir werden weiter darauf drĂ€ngen, dass so schnell wie möglich alle Praxen in die Lage versetzt werden, die ePA in den Arbeitsalltag zu integrieren." Bei Verzögerungen drohten jedoch paradoxerweise den Praxen Sanktionen bei der VergĂŒtung. Das sei vollkommen inakzeptabel. "Es kann nicht sein, dass die Praxen bestraft werden, wenn Hersteller der Softwaresysteme es nicht rechtzeitig schaffen, Module fĂŒr den ePA-Einsatz bereitzustellen."
Schon seit Januar haben rund 70 Millionen der gut 74 Millionen gesetzlich Versicherten eine E-Akte von ihrer Krankenkasse angelegt bekommen - das lĂ€uft nach einer Reform der Ampel-Koalition automatisch, wenn man nicht aktiv widerspricht. Die ePA soll Patientinnen und Patienten ein Leben lang begleiten können. Indem sie Untersuchungsbefunde, Laborwerte oder Angaben zu Medikamenten zentral bĂŒndelt, soll sie zu besseren Behandlungen beitragen.
Nutzung in Praxen und anderen Einrichtungen zieht an
Der Betrieb in Gesundheitseinrichtungen wird seit dem FrĂŒhjahr bundesweit ausgedehnt. Noch befĂŒllen Ărztinnen und Ărzte ePAs auf freiwilliger Basis. Rund 58.000 der 98.500 Arztpraxen in Deutschland nehmen nach Angaben der mehrheitlich bundeseigenen Digitalagentur Gematik bereits teil. Schon dabei sind demnach auch knapp 20.000 Zahnarztpraxen, rund 6.500 Apotheken und 727 Kliniken. Zuletzt wurden wöchentlich 1,9 Millionen Dokumente hochgeladen.
Es zeige sich deutlich, dass die Praxen Vorreiter bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen seien, sagte KBV-Vorstand Steiner. Vor allem stationĂ€re Einrichtungen mĂŒssten endlich nachziehen. "Viele Praxen berichten, dass sie nach wie vor FaxgerĂ€te vorhalten mĂŒssen, damit die Kommunikation mit den KrankenhĂ€usern und der Pflege lĂ€uft." Im Informationsaustausch ĂŒber die Entlassbriefe von Kliniken sĂ€hen Praxen aber den gröĂten Mehrwert der ePA.
Kliniken rechnen mit spÀterer ePA-Anbindung
Bei den Kliniken ist zum 1. Oktober keine flĂ€chendeckende Anbindung an die ePA zu erwarten, wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft Anfang September mitgeteilt hatte. Schon in der Pilotphase sei klar geworden, dass die EinfĂŒhrung nicht mit einem einfachen Software-Update getan sei. Die Voraussetzungen seien komplexer und nicht mit kleineren Einrichtungen wie Praxen vergleichbar. Laut einer Befragung unter 382 Kliniken gehen 58 Prozent davon aus, dass die ePA erst im Laufe des nĂ€chsten Jahres krankenhausweit einsetzbar sein kann.
In den Praxen muss sich nun bald zeigen, wie der breite Einsatz startet. Wenn man seine Versichertenkarte am Anmeldetresen einsteckt, gibt man einen Zugriff fĂŒr 90 Tage frei. "HĂ€ufig ist es so, dass beispielsweise die HausĂ€rztin ihren Patientinnen und Patienten mitteilt, dass sie nun erstmalig die ePA befĂŒllt", erlĂ€uterte KBV-Vorstand Steiner.
Aus Praxen höre man leider immer wieder, dass Patienten noch wenig ĂŒber die ePA wissen. Die Kassen hĂ€tten die Pflicht, umfassend darĂŒber zu informieren. "Hier besteht aus unserer Sicht noch deutlicher Nachholbedarf." Die Praxisteams hĂ€tten keine KapazitĂ€ten dafĂŒr.
Unwissenheit ĂŒber Anspruch auf Einsicht in die Akte
Auf mehr Transparenz dringen die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und das AktionsbĂŒndnis Patientensicherheit. Laut einer Befragung hĂ€tten Patienten oft Probleme, ihre eigene Krankenakte zu erhalten, die wichtige Informationen zu Klinikaufenthalten und Praxisbesuchen erfasst. Viele kennen demnach den gesetzlichen Anspruch auf Einsicht in ihre Akte gar nicht. Da die ePA derzeit nur Zusammenfassungen und keine vollstĂ€ndigen Behandlungsdetails enthalte, sei die Möglichkeit zum Anfordern der kompletten Akte auch kĂŒnftig unverzichtbar.

