Singapurs, Agentic-AI-Framework

Singapurs Agentic-AI-Framework setzt neue globale Standards

25.01.2026 - 10:43:12

Singapur führt weltweit erstes Governance-Framework für Agentic AI ein. Es fokussiert auf sicheres Verhaltensdesign und steht im Kontrast zur EU-KI-Verordnung.

Singapur führt weltweit erstes Regelwerk für autonome KI-Systeme ein und etabliert „Verhaltensdesign“ als neuen Governance-Kern. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos stellte die Behörde IMDA am 22. Januar 2026 ihren bahnbrechenden Rahmen für „Agentic AI“ vor. Dieser markiert einen Paradigmenwechsel: Nicht mehr nur Daten und Algorithmen stehen im Fokus, sondern das aktive Gestalten verantwortungsvollen Handelns autonomer KI-Agenten.

Vom Text-Generator zum autonomen Akteur

Das neue Model AI Governance Framework (MGF) reagiert auf die rasante Verbreitung sogenannter Agentic AI. Diese Systeme können im Gegensatz zu rein generativer KI eigenständig planen, schlussfolgern und komplexe Handlungen ausführen – etwa Verträge verhandeln oder Finanztransaktionen steuern. „Die Governance muss nun die Output-Aktionen sicherstellen, nicht nur die Input-Daten prüfen“, fasst Josephine Teo, Singapurs Ministerin für digitale Entwicklung, den Ansatz zusammen.

Rechtsexperten der Kanzlei Bird & Bird bewerten den Rahmen als de-facto-Standard für „Behavioral Governance“. Obwohl die Einhaltung freiwillig ist, verlangt das Framework von Unternehmen technische Kontrollen und Risikobegrenzungsmaßnahmen. Damit wird sicheres Verhalten direkt in die operative Logik der KI-Agenten eingebaut.

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Skalierung als größte Herausforderung für Unternehmen

Die Einführung fällt in eine Phase, die eine globale Trendanalyse der Kanzlei Dentons als „Wendepunkt“ beschreibt: Unternehmen gehen von der KI-Experimentierphase zur flächendeckenden operativen Nutzung über. Die größte Hürde sei dabei, KI sicher zu skalieren und zugleich mit einem Flickenteppich globaler Vorschriften zurechtzukommen.

Die Dringlichkeit unterstreicht ein Bericht von Gartner. Das Risiko eines „KI-Modell-Kollapses“ durch Training mit synthetischen Daten werde bis 2028 die Hälfte aller globalen Unternehmen zu einer „Zero-Trust“-Daten-Governance zwingen. KI-Verhalten wird demnach standardmäßig als nicht vertrauenswürdig eingestuft und muss fortlaufend überprüft werden.

Flexibler Rahmen gegen starre EU-Regeln

Singapurs Ansatz steht im Kontrast zur nun vollständig geltenden EU-KI-Verordnung. Während die EU mit bindenden Gesetzen für Hochrisiko-Systeme arbeitet, setzt der Stadtstaat auf ein flexibles, „lebendiges“ Rahmenwerk, das mit der Technologieentwicklung Schritt halten soll. Juristen sehen darin eine Blaupause für Länder, die Innovation und Sicherheit in Balance halten wollen.

Besonders relevant: Der MGF gilt für alle Organisationen, die in Singapur Agentic AI einsetzen – unabhängig vom Entwicklungsstandort der Technologie. Diese extraterritoriale Wirkung könnte „Verhaltensdesign“-Standards schnell global verbreiten. Multinationale Konzerne wie SAP oder deutsche DAX-Unternehmen müssten ihre KI-Agenten dann von vornherein „sicher durch Design“ konzipieren, um weltweit agieren zu können.

Verantwortung wird zur Architektur-Frage

Die Entwicklungen der letzten Tage bestätigen, dass Regulierungsbehörden der technologischen Realität hinterherkommen. Herkömmliche Compliance-Checklisten sind für Software, die autonom „denkt“ und „handelt“, nicht mehr ausreichend. Diese Herangehensweise verlagert die Verantwortung stärker auf die Systemarchitekten.

„Verantwortungsvolle KI“ bedeutet nun einen proaktiven Design-Prozess. Verhaltensbeschränkungen werden in die Architektur der Agenten hartkodiert – ähnlich wie Verhaltensökonomen menschliche Entscheidungen in sichere Bahnen lenken. Für Unternehmenslenker ist die Botschaft klar: Governance ist kein lästiges juristisches Hindernis mehr, sondern ein essenzieller Design-Parameter für den erfolgreichen Einsatz autonomer KI.

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