Iran-Krieg weitet sich aus - Angriffe auch im Libanon
02.03.2026 - 15:20:44 | dpa.de(neu: Details)
TEHERAN/TEL AVIV/WASHINGTON (dpa-AFX) - Die Sorge vor einem FlĂ€chenbrand im Nahen Osten wĂ€chst. Die USA und Israel greifen weiter Ziele im Iran an, Teheran antwortet mit GegenschlĂ€gen auf Israel und andere LĂ€nder. Der Krieg hat inzwischen nicht nur die Golfstaaten, sondern auch den Libanon erfasst. Von dort schoss die mit Teheran verbĂŒndete Hisbollah-Miliz Raketen auf das Nachbarland Israel ab - als Vergeltung fĂŒr die Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei. Israel reagierte mit Gegenangriffen.
Zahlreiche Todesopfer und neue Angriffswelle
In dem Krieg sind bereits zahlreiche Menschen getötet worden. Im Iran kamen nach Angaben des Roten Halbmonds mindestens 555 Menschen bei den Bombardements ums Leben. Bei den israelischen Angriffen im Libanon wurden nach örtlichen Angaben Dutzende Menschen getötet und mehr als hundert verletzt. Der israelische Rettungsdienst meldete 15 Verletzte bei einem Raketeneinschlag in Beerscheva. Das US-MilitÀr gab bekannt, dass die Zahl der getöteten US-Soldaten bei dem MilitÀreinsatz gegen den Iran auf vier gestiegen sei.
In den Mittagsstunden startete die israelische Luftwaffe einen neuen Angriff auf Ziele im Zentrum der iranischen Hauptstadt Teheran. Augenzeugen in Teheran bestÀtigten schwere Bombardierungen in der Stadtmitte. Sie sollen sich in der NÀhe des Parlaments ereignet haben. Auch im Norden der Millionenmetropole mit ihren rund 15 Millionen Einwohnern wurden RaketeneinschlÀge beobachtet.
Seit Samstag greifen Israel und die USA Hunderte Ziele im Iran an. Dazu zĂ€hlen nach ihren Angaben militĂ€rische Infrastruktur wie Raketenabschussrampen, Anlagen des umstrittenen Atomprogramms, Hauptquartiere der MilitĂ€rfĂŒhrung sowie Vertreter der politischen FĂŒhrung. Irans oberster FĂŒhrer Ajatollah Ali Chamenei wurde am Samstag getötet. Israel und die USA begrĂŒnden den Krieg mit der Bedrohung durch Irans Raketen- und Atomprogramm. Irans StreitkrĂ€fte haben als Reaktion auf den Krieg Ziele in mehreren LĂ€ndern der Region angegriffen.
Israel will Machtwechsel in Teheran
Der MilitĂ€reinsatz soll US-Verteidigungsminister Pete Hegseth zufolge nicht zu einem Machtwechsel in Teheran fĂŒhren. "Dies ist kein sogenannter "Regimewechselkrieg", aber das Regime hat sich tatsĂ€chlich geĂ€ndert, und die Welt ist dadurch besser dran", sagte er in Washington.
Ebenso wie die USA setzt auch Israel auf einen Umsturz im Iran durch die Bevölkerung. Es sei das angestrebte Ergebnis, "dass das iranische Volk in der Lage sein wird, dieses Regime fĂŒr sich selbst zu beseitigen, und damit auch fĂŒr uns, fĂŒr die gesamte Region und fĂŒr die ganze Welt", sagte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz nach Angaben seines BĂŒros. MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hatte Bevölkerung im Iran zuvor zum Sturz der politischen FĂŒhrung aufgerufen.
Nach EinschÀtzung der Iran-Expertin Eva Orthmann ist ein Wandel jedoch nicht einfach. Nach dem Tod Chameneis werde eine Reihe anderer Personen und Gruppierungen versuchen, ihre Privilegien und Machtanteile zu sichern und auszuweiten, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Die Aufforderung an die Bevölkerung, sich unter den aktuellen Bedingungen des Krieges zu erheben, erscheine zynisch.
Golfstaaten unter Beschuss - Kampfjets stĂŒrzen ab
Die Golfstaaten werden immer weiter in den Konflikt hineingezogen. In Kuwait stĂŒrzten mehrere US-MilitĂ€rflugzeuge durch sogenanntes "friendly fire" ab - die Besatzung ĂŒberlebte. Das fĂŒr den Nahen Osten zustĂ€ndige Regionalkommando des US-MilitĂ€rs (Centcom) teilte mit, die kuwaitische Luftverteidigung habe die Jets versehentlich abgeschossen.
In Bahrain stĂŒrzten TrĂŒmmer einer von der Luftabwehr abgefangenen Rakete auf ein Schiff und löste ein Feuer aus. Dabei kam nach Angaben des Innenministeriums ein aus Asien stammender Arbeiter ums Leben. Die US-Botschaft in Bahrain rief ihre BĂŒrger dazu auf, Hotels in Manama zu meiden. Diese könnten Ziele von Angriffen werden.
Drohenalarm auf EU-Inselstaat Zypern
Mehrere arabische Staaten, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, bestellten aus Protest gegen die Angriffe den jeweiligen iranischen Botschafter ein. Frankreich sagte den Golfstaaten UnterstĂŒtzung zu. Man sei bereit, sich an ihrer Verteidigung zu beteiligen, sagte AuĂenminister Jean-NoĂ«l Barrot in Paris.
Auch auf dem EU-Inselstaat Zypern steigt die Anspannung. In der Nacht zum Montag kam es zu einem Drohnenangriff auf den britischen StĂŒtzpunkt Akrotiri in der NĂ€he der Hafenstadt Limassol. Zu möglichen HintergrĂŒnden lagen zunĂ€chst keine gesicherten Erkenntnisse vor. Die Drohne war vom Typ "Shahed", wie der zyprische PrĂ€sident Nikos Christodoulidis mitteilte. Diese Drohnen werden hauptsĂ€chlich im Iran produziert.
SpĂ€ter wehrte der StĂŒtzpunkt zwei unbemannte Flugobjekte ungeklĂ€rter Herkunft ab, wie der zyprische Regierungssprecher Konstantinos Letybiotis mitteilte. Griechenland kĂŒndigte an, zwei Fregatten sowie zwei F-16-Kampfflugzeuge nach Zypern zu verlegen.
Israel beginnt weitere Angriffswelle im Libanon
Das israelische MilitĂ€r bombardierte nach eigenen Angaben erneut Stellungen der mit dem Iran verbĂŒndeten Hisbollah-Miliz. Dazu gehörten Waffenlager sowie weitere Infrastruktur der Schiiten-Miliz in mehreren Gebieten des nördlichen Nachbarlandes sowie Ziele in den als Dahija bekannten Vororten der Hauptstadt Beirut an. Nach Armeeangaben ist dabei ein hochrangiges Hisbollah-Mitglied getroffen worden. Die Hisbollah bestĂ€tigte das zunĂ€chst nicht.
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