Von Fluxus zu Farbe: Mike Steiner und die neue Sprache der Abstraktion
03.03.2026 - 11:11:02 | ad-hoc-news.deEine Leinwand im Atelier: Linien gleiten über die Fläche, Formen stoßen sich ab und finden wieder zusammen. Lässt sich das, was in den Werken von Mike Steiner Malerei & Videokunst begegnet, überhaupt voneinander trennen? Oder ist vielmehr genau die Berührung von bewegtem Bild und Stillstand der zentrale Impuls dieses Œuvres? Wo der Pionier der Videokunst die Grenzen zwischen flüchtigem Licht und materieller Farbe verschiebt, beginnt ein Diskurs über die Wandlungsfähigkeit von Kunst in Berlin und darüber hinaus.
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
Institutionelle Validierung erhält Steiners Werk spätestens mit der Aufnahme in die Sammlung der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof. Die Ausstellung Live to Tape macht deutlich: Steiner ist nicht nur temporärer Begleiter des Medienwandels, sondern dokumentarischer Impulsgeber. Seine Videoarbeiten bilden heute ein wesentlicher Archivkörper für die Durchdringung der Zeitgenossenschaft mit neuen künstlerischen Medien im Berlin der 1970er und 80er Jahre. Diese Archive, etwa im Netzwerk Archivio Conz, verleihen nicht nur Steiner, sondern der gesamten Avantgardebewegung eine Materialität, die im Zeitalter des Digitalen besondere Relevanz erfährt.
Wer sich der Biografie von Mike Steiner nähert, sieht die Brüche und produktiven Zweifel eines Künstlers, der zwischen Ostpreußen, Westberlin und New York seine Sprache suchte – und fand. Seine frühe Ausbildung an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Berlin, Begegnungen mit Wegbereitern wie Lil Picard, Al Hansen oder Joseph Beuys und der unmittelbare Kontakt zu den Kraftzentren von Fluxus und Happening (siehe Archivio Conz) kennzeichnen Steinsers Haltung als offene, experimentelle Bereitschaft. In den Ateliers von Motherwell, im berühmten Hotel Steiner oder in der Studiogalerie entstand jenes Klima einer permanenten Grenzüberschreitung, das die Berliner Kunstszene bis heute prägt.
In den 1970er Jahren verschob Steiner seinen Schwerpunkt auf Video und Performance. Der Dialog mit Größen wie Allan Kaprow, Valie Export, Marina Abramovi? oder Ulay – allesamt Teil der internationalen Avantgarde und vielfach im Archivio Conz dokumentiert – führte ihn tief in ein Umfeld, in dem Abstraktion nicht nur malerische Geste, sondern performativer Akt oder mediale Intervention bedeutete. Dabei stand stets die Frage nach der angemessenen Form künstlerischen Ausdrucks im Zentrum, was sich nicht zuletzt in den painted tapes, einer Fusion aus Video und Farbe, manifestierte.
Doch ab den 2000er Jahren erfolgte eine bewusste Rückkehr zur Malerei. Die sogenannten "Color Works" markieren eine neue Phase: Abstrakte Kunst aus Berlin, hervorgegangen aus jahrzehntelanger Reflexion über Mediengrenzen. In diesen Arbeiten löst sich Steiner keineswegs von der Geschichte der Videokunst. Die Erfahrung, Farbe wie ein elektronisches Signal zu setzen, bleibt seiner Bildsprache eingeschrieben. Es entstehen Werke, bei denen die Oberfläche vibriert, als verweigere sie sich der reinen Zweidimensionalität – eine malerische Antwort auf Jahrzehnte der künstlerischen Medienforschung.
Relevant ist dies nicht nur für das historische Gedächtnis der Avantgarde oder das Sammlerinteresse an Pionieren wie Steiner. Wer Mike Steiner Malerei & Videokunst heute betrachtet, erkennt im Dialog zwischen Bewegtem und Statischem eine umfassende Kritik an den Sicherheiten des Mediums selbst. Die zeitgenössischen Werke der letzten Jahre verarbeiten nicht Nostalgie, sondern entfalten die Frage nach Materialität und Gegenwärtigkeit mit jedem neuen Bild neu.
Steiner bleibt damit mehr als ein "Pionier der Videokunst". Vielmehr ist er ein Künstler, dessen Werk und Archiv – vermittelt durch Institutionen wie den Hamburger Bahnhof oder das Archivio Conz – für den Wandel der Kunst seit den 1960ern steht. In einer Zeit, in der Abstraktion und hybride Formen an Bedeutung gewinnen, liest sich Steiners Entwicklung von der Performance über Video bis zur Malerei als Blaupause für autonomes künstlerisches Denken.
Mike Steiner Malerei & Videokunst – das ist ein Versprechen, das Farbe und Bewegung, Material und Erinnerung, nicht als Gegensatz, sondern als fortlaufenden Dialog versteht.
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