WHO, Stigma-Krise

WHO und UN warnen vor globaler Stigma-Krise bei psychischer Gesundheit

12.02.2026 - 22:30:12

Fast eine Milliarde Menschen sind von psychischen Erkrankungen betroffen, doch Vorurteile und Unterfinanzierung verhindern wirksame Hilfe. Die wirtschaftlichen Kosten sind immens.

Psychische Erkrankungen sind weltweit stark stigmatisiert. Neue Berichte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Vereinten Nationen (UN) zeigen, dass Vorurteile Millionen Menschen davon abhalten, Hilfe zu suchen. Besonders junge Menschen sind betroffen.

UN-Bericht: Junge Generation unter Druck

Ein aktueller UN-Weltjugendbericht zeichnet ein düsteres Bild. Stigmatisierung und Diskriminierung schränken den Zugang zu Versorgung, Bildung und Arbeit für junge Menschen massiv ein. Globale Krisen wie Klimawandel und soziale Ungleichheiten verschärfen die psychische Belastung zusätzlich. Gesellschaftliche Vorurteile verhindern, dass Betroffene über ihre Probleme sprechen.

Parallel dazu hat die WHO ein neues Maßnahmenpaket vorgelegt. Es zielt darauf ab, psychische Gesundheitsversorgung in Programme für vernachlässigte Tropenkrankheiten zu integrieren. Das Prinzip dahinter ist universell: Psychische und körperliche Gesundheit müssen zusammen gedacht und behandelt werden, um Stigmatisierung zu durchbrechen.

Doppelte Bürde für eine Milliarde Menschen

Fast eine Milliarde Menschen weltweit leben mit einer psychischen Erkrankung, darunter 14 Prozent aller Jugendlichen. Für viele ist das Stigma schlimmer als die Krankheit selbst. Diese doppelte Bürde führt zu sozialer Ausgrenzung, Diskriminierung am Arbeitsmarkt und Verstößen gegen Menschenrechte.

Die Folgen sind gravierend:
* Verschlechterung der Krankheitssymptome
* Erhöhtes Suizidrisiko
* Kriminalisierung von Hilfesuchenden in über 20 Ländern

Experten der Lancet Commission bezeichnen die Situation als globale Menschenrechtskrise und fordern radikales Handeln.

Wirtschaft kostet Stigma Milliarden

Die Krise hat massive wirtschaftliche Folgen. Psychische Erkrankungen sind eine Hauptursache für Langzeitfehlzeiten. Die Produktivitätsverluste belasten die Weltwirtschaft enorm. In Deutschland gehen die jährlichen Kosten in den Milliardenbereich.

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Trotz dieser Belastung ist die psychische Gesundheitsversorgung chronisch unterfinanziert. Weltweit fließen im Schnitt nur zwei Prozent der Gesundheitsbudgets in diesen Bereich. In Ländern mit niedrigem Einkommen sind die Mittel verschwindend gering. Diese Unterfinanzierung verhindert den Aufbau wirksamer, gemeindenaher Versorgungsstrukturen.

Was wirklich gegen Vorurteile hilft

Aufklärungskampagnen allein reichen nicht aus, um tiefsitzende Vorurteile abzubauen. Die wirksamste Methode ist direkter sozialer Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Erfahrung mit psychischen Erkrankungen. Initiativen, die den Dialog fördern und Betroffene in den Mittelpunkt stellen, sind entscheidend.

In Deutschland setzen sich Organisationen wie das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit für mehr Akzeptanz ein. Die bundesweite „Woche der Seelischen Gesundheit“ soll auch 2026 wieder Berührungsängste abbauen. Die Mental-Health-Kampagne der Bundesschülerkonferenz fordert zudem, psychische Gesundheit gesetzlich als Bildungsauftrag zu verankern.

Die Forderung der Experten ist klar: Psychische Gesundheit darf kein Nischenthema bleiben. Sie muss in alle Politikbereiche – von Bildung und Arbeit bis hin zu Klimaschutz – integriert werden. Nur so lässt sich die Krise der Stigmatisierung überwinden.

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