Produktion/Absatz, Zusammenfassung

'Willkommen bei Freunden'

30.03.2025 - 21:05:02

"Willkommen bei Freunden": Mit diesen Worten richtet sich der geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundeskanzler Olaf Scholz zu Beginn der Hannover Messe an Kanada.

Es ist das diesjĂ€hrige Partnerland der weltgrĂ¶ĂŸten Industrieschau. Seit dem Amtsantritt von US-PrĂ€sident Donald Trump sieht sich Kanada mit Zöllen seines bisher wichtigsten Handelspartners konfrontiert und sucht auf der Messe nun nach neuen Partnern in Europa.

"We stand by your side!" (deutsch: "Wir stehen an eurer Seite!"), sagte Scholz. "Kanada hat Freunde ĂŒberall auf der Welt - und ganz besonders viele davon hier in Deutschland und Europa." Mehr Unsicherheit und mehr Unberechenbarkeit, mehr Zölle und mehr Fragmentierung - das verheiße fĂŒr die allermeisten Unternehmen nichts Gutes. "Doch ich bin ĂŒberzeugt: Wir sind diesen Entwicklungen nicht wehrlos ausgesetzt."

"Hannover-Effekt" statt "America first"

Scholz machte klar: "Wenn die USA uns keine Wahl lassen, so wie bei den Zöllen auf Stahl und Aluminium, werden wir als EU geschlossen reagieren." Die Antwort auf Abschottung, Zölle und "America first" ("Amerika zuerst") laute: mehr freier Handel, mehr WettbewerbsfĂ€higkeit und mehr technologische SouverĂ€nitĂ€t. "Ein Blick auf die MĂ€rkte und Börsenkurse zeigt doch: Nicht wir sind mit unserer Zollpolitik derzeit auf dem Holzweg", sagte Scholz. Handelskriege seien eben nicht wirklich zu gewinnen, nicht einmal fĂŒr die USA.

Europas Devise in der Handelspolitik sei: "Wir sind offen, aber wir sind nicht naiv", sagte Scholz. Man werde weiter auf freien Handel mit möglichst vielen Partnern weltweit setzen. Allein seit dem Inkrafttreten des kanadisch-europĂ€ischen Handelsabkommens CETA 2017 sei der GĂŒterhandel um mehr als 50 Prozent gestiegen. Und der GĂŒterhandel, da ist sich Scholz sicher, werde schon bald weiter steigen. "Ich nenne das mal den "Hannover-Effekt"."

Politik trifft auf Wirtschaft und Wissenschaft

Rund 4.000 Aussteller aus mehr als 60 LĂ€ndern zeigen von Montag an auf dem MessegelĂ€nde ihre Neuheiten, darunter 260 aus Kanada. Scholz wird sich am Vormittag beim traditionellen Kanzlerrundgang einen Überblick verschaffen.

Hannover sei kommende Woche "the place to be", also der Ort, an dem man sein mĂŒsse, sagte Siemens DE0007236101-Chef Roland Busch in seiner Rede auf der Eröffnungsfeier. Hier treffe Politik auf Wirtschaft und Wissenschaft, wĂŒrden neue Kontakte geknĂŒpft. Und das vor dem Hintergrund einer sich rasant verĂ€ndernden Welt. "Und vielleicht ist keine andere Wirtschaft mehr betroffen als die deutsche."

VerlÀsslichkeit als Europas StÀrke

Trotz aller HĂŒrden bleibe Europa "eine verlĂ€ssliche Wirtschaftsregion", sagte Bertram Kawlath, PrĂ€sident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). "Man hĂ€lt sich an Regeln, statt mit Zöllen, Handelshemmnissen und plötzlichen GesetzesĂ€nderungen um sich zu werfen und schlimmstenfalls Partnerschaften zu beenden." Diese VerlĂ€sslichkeit sei eine der grĂ¶ĂŸten StĂ€rken Europas.

Das gelte nun auch fĂŒr ein mögliches ZusammenrĂŒcken mit Kanada. "Die deutsche Wirtschaft hat sehr enge Beziehungen zu Kanada, und ich freue mich, dass diese Beziehungen in den nĂ€chsten Tagen noch intensiviert werden sollen", sagte Busch. "Vor dem Hintergrund der weltpolitischen Entwicklungen wird es umso wichtiger, die europĂ€isch-kanadischen Beziehungen - politisch wie wirtschaftlich - zu stĂ€rken", sagte Kawlath. "Kanada ist ein verlĂ€sslicher Partner, der unseren Unternehmen große Chancen bietet."

Großen Raum nimmt auf der Industrieschau erneut die KĂŒnstliche Intelligenz ein. Schwerpunkte sind daneben Wasserstoff, klimaschonende Produktion und die industrielle Transformation. Erwartet werden Besucher aus 120 LĂ€ndern. Vor einem Jahr kamen 130.000 Besucher zur Messe.

@ dpa.de | DE0007236101 PRODUKTION/ABSATZ