FlÀchendeckender Warnstreik setzt VW unter Druck
02.12.2024 - 15:17:19 | dpa.de(neu: Details)
WOLFSBURG/ZWICKAU (dpa-AFX) - Der Tarifstreit bei Volkswagen DE0007664039 spitzt sich weiter zu: Mit flÀchendeckenden Warnstreiks macht die IG Metall gegen die milliardenschweren SparplÀne des Autobauers mobil. An neun der zehn deutschen Standorte legten mehrere Zehntausend Mitarbeiter zeitweise die Arbeit nieder und brachten die BÀnder zum Stehen. Allein in Zwickau, Emden Braunschweig und Hannover zÀhlte die Gewerkschaft jeweils 4.000 bis 5.000 Teilnehmer.
Tausende zogen mit einem lautstarken Demonstrationszug durch das Stammwerk und versammelten sich zu einer Kundgebung direkt vor dem Vorstandshochhaus. "Streikbereit! Bundesweit!", skandierten sie in Sprechchören. "Wir haben die Schnauze voll", riefen BeschÀftigte in Zwickau vor dem Werkstor.
In Braunschweig schritten mehr als Tausend BeschÀftigte durch die Stadt. In Hannover forderten Mitarbeiter: "Vorstand raus!" In Kassel-Baunatal machten BeschÀftigte des Komponentenwerks mit Trillerpfeifen, Trommeln und Hupkonzerten ihrem Unmut Luft.
Darum geht es
Es geht um die Bezahlung der rund 120.000 BeschĂ€ftigten in den Werken der Volkswagen AG, wo ein eigener Haustarif gilt. Hinzu kommen mehr als 10.000 Mitarbeiter bei VW DE0007664039 Sachsen, fĂŒr die 2021 eine Angleichung an den Haustarif vereinbart wurde. VW fordert wegen der schwierigen Lage des Konzerns zehn Prozent LohnkĂŒrzung. Zudem stehen WerksschlieĂungen und betriebsbedingte KĂŒndigungen im Raum. Die IG Metall will das verhindern und fordert stattdessen eine Zukunft fĂŒr alle Standorte - ohne WerksschlieĂungen und betriebsbedingte KĂŒndigungen.
IG Metall droht mit weiterer Eskalation
In dem Streit erhöht die IG Metall nun den Druck. "Aber das ist nur eine Warnung!", sagte IG-Metall-VerhandlungsfĂŒhrer Thorsten Gröger in Wolfsburg. Sollte Volkswagen weiter auf seinen Maximalforderungen bestehen, drohe eine Zuspitzung. "Wer die Belegschaft ignoriert, spielt mit dem Feuer - und wir wissen, wie man Funken in Flammen verwandelt!"
In Emden forderte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall KĂŒste, die Konzernspitze auf, die massiven SparplĂ€ne vom Tisch zu nehmen. "Ansonsten brennt Weihnachten nicht nur der Baum, sonst brennt jedes einzelne Werk." In Zwickau drohte der dortige IG-Metall-Bezirksleiter Dirk Schulze bereits mit weiteren Arbeitsniederlegungen: "Sollte der Vorstand nicht zur Vernunft kommen, wird das nicht der letzte Warnstreik sein."
Die nÀchste Verhandlungsrunde in einer Woche werde hier eine Weichenstellung bringen, sagte Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Entweder komme es dann zu einer AnnÀherung, oder zu einer weiteren Eskalation.
Warnstreik auf zwei Stunden begrenzt
Die Warnstreiks dauern jeweils rund zwei Stunden und sollen danach in jeder Schicht wiederholt werden. Beendet wird der Ausstand erst mit Abschluss der Nachtschicht am Dienstagmorgen.
Zu möglichen AusfĂ€llen in der Produktion machte Volkswagen zunĂ€chst keine Angaben. Man wolle die Auswirkungen so gering wie möglich halten, sagte ein Sprecher. Deswegen habe das Unternehmen gezielt MaĂnahmen ergriffen, die eine Notversorgung sicherstellten.
Experte warnt vor Imageschaden fĂŒr VW
Nach Ansicht des Branchenexperten Frank Schwope dĂŒrften der zweistĂŒndige Ausstand fĂŒr VW zu verschmerzen sein. "Streikbedingte AusfĂ€lle sind leicht aufzuholen", sagte der Lehrbeauftragte fĂŒr Automobilwirtschaft an der Fachhochschule des Mittelstands in Hannover. Anders sĂ€he es aus, wenn sich der Konflikt weiter zuspitzen sollte. "Ein lĂ€ngerer, eskalierender Arbeitskampf wĂŒrde Volkswagen durchaus schmerzen und könnte auch das Image in der Bevölkerung und in der Politik lĂ€dieren."
VW lehnt IG-Metall-Vorschlag ab
VW hatte zuvor erklĂ€rt, man respektiere das Recht der Mitarbeiter auf Warnstreiks und setze weiter auf eine einvernehmliche Lösung mit der Arbeitnehmerseite. In der Sache zeigte sich der Konzern aber hart: Ein Gegenkonzept von IG Metall und Betriebsrat fĂŒr Einsparungen ohne Entlassung und WerksschlieĂung hatte VW erst am Freitag als unzureichend zurĂŒckgewiesen.
VW begrĂŒndet die Einschnitte mit hohen Kosten und einer geringen Auslastung. Angesichts der schwachen Nachfrage nach Neuwagen mĂŒsse VW seine SparbemĂŒhungen verstĂ€rken. Laut Markenchef Thomas SchĂ€fer werde man dabei um WerksschlieĂungen wohl nicht umhinkommen. In den ersten neun Monaten war der Gewinn des Konzerns massiv eingebrochen. Von roten Zahlen ist der Konzern aber weit entfernt: Von Januar bis September verbuchte VW nach Steuern noch 1,58 Milliarden Euro Ăberschuss.
Erst am Wochenende war bei Europas gröĂtem Autobauer die Friedenspflicht ausgelaufen, in der ArbeitskĂ€mpfe nicht erlaubt waren. Bei Volkswagen ist es der gröĂte Ausstand seit Jahren. FlĂ€chendeckende Warnstreiks an allen groĂen Werken in Westdeutschland gab es zuletzt 2018. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich damals mehr als 50.000 BeschĂ€ftigte.
So schÀtzen die Börsenprofis Produktion/Absatz Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

