BÖRSENLEXIKON ARTIKEL

Agrarpolitik, Massnahmen

Agrarpolitik (agrarian policy)

Alle Massnahmen zur Beeinflussung des Bereichs Urproduktion einer Volkswirtschaft (Landwirtschaft, Forsten, Fischerei), hĂ€ufig untergliedert in Markt-und Preispolitik, Agrarsozialpolitik und landwirtschaftliche Rahmenpolitik. -Weil jeder Mensch zum Erhalt seines Daseins auf sich stĂ€ndig wiederholenden Verbrauch von Erzeugnissen der Landwirtschaft angewiesen ist, besteht fĂŒr diese Waren eine ĂŒberaus hohe Preisempfindlichkeit. Bereits eine nur sehr kleine Preiserhöhung etwa bei Milch oder Backwaren wird in der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt und lĂ€sst die gefĂŒhlte Inflation merklich ansteigen. Das kann dazu fĂŒhren, dass eine Lohn-Preis-Spirale mit im voraus kaum abschĂ€tzbaren Zweitrundeneffekten auch auf das Finanzsystem in Bewegung gesetzt wird. Weil nun dazu auch noch die Erfahrung zu lehren scheint, dass (zumindest in jĂŒngster Zeit) Landwirtschaftspolitik in vieler Beziehung ein Stiefkind der Politik geworden ist, widmen die Zentralbanken die Agrarpolitik ihre Aufmerksamkeit und weisen auch auf Fehlentwicklungen (undesirable developments) hin. Siehe Biotreibstoffe, Inflation, Inflationserwartungen, Nahrungsmittel, Rohstoffpreise, Zweitrundeneffekt. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2007, S. 65 ff. (deutliche Kritik an der gemeinsamen Agrarpolitik der EU).

© UniversitÀtsprofessor Dr. Gerhard Merk, UniversitÀt Siegen