Einigung zwischen USA und Iran - Unterschrift am Freitag
15.06.2026 - 02:17:06 | dpa.de(Aktualisierung: Titel, AbsÀtze 1-7 ergÀnzt)
WASHINGTON/ISLAMABAD/TEHERAN (dpa-AFX) - Nach wochenlangen Verhandlungen haben die USA und der Iran eine vorlĂ€ufige Ăbereinkunft fĂŒr einen Ausweg aus dem Iran-Krieg gefunden. Das bestĂ€tigten neben dem Vermittler Pakistan auch die Regierungen der USA und des Irans.
Pakistans MinisterprĂ€sident Shehbaz Sharif erklĂ€rte auf der Plattform X, beide Seiten hĂ€tten die sofortige und endgĂŒltige Beendigung der MilitĂ€roperationen an allen Fronten, einschlieĂlich im Libanon, zugesichert. Die offizielle Unterzeichnungszeremonie soll ihm zufolge am Freitag in der Schweiz stattfinden.
Kurz darauf bestĂ€tigte auch US-PrĂ€sident Donald Trump den Abschluss eines Abkommens. Der iranische VizeauĂenminister Kasem Gharibabadi sagte laut der Nachrichtenagentur Tasnim, der Text sei fertiggestellt worden.
Die fĂŒr den weltweiten Ăl- und Gashandel wichtige StraĂe von Hormus soll allerdings erst nach der Unterzeichnung des Abkommens am Freitag geöffnet werden, wie Trump in einem zweiten Post mitteilte. Die Ălpreise fielen dennoch schon kurz nach Bekanntwerden der Einigung deutlich. Aktien, Edelmetalle und Bitcoin legten hingegen spĂŒrbar zu. Der Euro sprang ĂŒber 1,16 US-Dollar.
Das Ende der US-Seeblockade iranischer HĂ€fen ordnete Trump nach eigenen Angaben "umgehend" an. Auch die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen von einer Ăffnung der Meerenge nach einer Unterzeichnung am Freitag.
Merz fordert "zielstrebige" Umsetzung
Zu den Inhalten der Ăbereinkunft wurden zunĂ€chst keine weiteren Details bekanntgegeben. Das Rahmenabkommen ist ohnehin nur ein Zwischenschritt. Weitere wichtige Vereinbarungen in dem Konflikt zwischen den beiden LĂ€ndern, etwa zum Atomstreit, sollen in einem zweiten Abkommen vereinbart werden.
Deutschland, Frankreich GroĂbritannien und Italien erklĂ€rten sich infolge der Einigung bereit, die Wiederaufnahme der Schifffahrt in der StraĂe von Hormus zu unterstĂŒtzen. Das umfasse auch "eine rein defensiv ausgerichtete, unabhĂ€ngige Mission, um die Handelsschifffahrt zu ermutigen und MinenrĂ€umung durchzufĂŒhren", erklĂ€rten Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Keir Starmer und die italienische MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni in einer gemeinsamen Stellungnahme.
Merz forderte eine "zielstrebige" Umsetzung des Abkommens. "Weitere Verhandlungen mĂŒssen in den nĂ€chsten Wochen sicherstellen, dass Iran sein militĂ€risches Nuklearprogramm nachprĂŒfbar beendet." Es dĂŒrfe auch keine weiteren Angriffe gegen Israel und andere Nachbarn in der Region geben.
Israel und Hisbollah gefÀhrdeten Deal mit Angriffen
In den Stunden zuvor hatte der Deal abermals auf der Kippe gestanden. Auslöser dafĂŒr waren erneute gegenseitige Angriffe im Konflikt zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz. Einer Hisbollah-Attacke auf den Norden Israels folgte am Sonntagmittag ein Gegenangriff Israels in Vororten von Beirut. Trump ermahnte daraufhin Israel und rief alle Seiten zur ZurĂŒckhaltung auf. Der Angriff bei Beirut hĂ€tte nicht stattfinden dĂŒrfen, "insbesondere an einem besonderen Tag, an dem wir einem Friedensabkommen mit dem Iran so nahe sind", schrieb der Republikaner, der am Sonntag seinen 80. Geburtstag feierte.
Eigentlich sind die USA und Israel enge VerbĂŒndete. Beide LĂ€nder hatten gemeinsam am 28. Februar den Krieg gegen den Iran begonnen. Seit April gilt formal eine Waffenruhe - dennoch kam es mehrfach zu gegenseitigen Angriffen.
Der Iran hatte nach den israelischen Angriffen bei Beirut die mögliche Einigung auf ein Abkommen mit den USA infrage gestellt. Die iranischen Revolutionsgarden - die Elitestreitmacht der Islamischen Republik - drohten Israel mit Gegenangriffen. Die israelische Armee teilte am spÀten Nachmittag mit, sie stelle sich auf den möglichen Beschuss israelischer Gebiete in den kommenden Stunden ein.
Eine Hauptbedingung fĂŒr den Iran bei der Einigung mit den USA war ein Ende der militĂ€rischen Handlungen an allen Fronten, auch im Libanon. Teheran hatte mehrfach betont, dass man ohne die Verwirklichung dieser Forderung nicht bereit sei, den diplomatischen Prozess fortzusetzen.
Rahmenabkommen als Ausgangspunkt fĂŒr vertiefte GesprĂ€che
Das Rahmenabkommen soll Ausgangspunkt sein fĂŒr vertiefte GesprĂ€che zwischen Washington und Teheran. Neben der Ăffnung der StraĂe von Hormus soll die Vereinbarung Startpunkt fĂŒr Verhandlungen ĂŒber das iranische Atomprogramm sein.
Die USA und Israel hatten ihren Krieg gegen den Iran auch immer wieder damit begrĂŒndet, dass der Erzfeind des jĂŒdischen Staats nicht in den Besitz von Atomwaffen gelangen dĂŒrften. Ob es in den geplanten Folgeverhandlungen nach dem Rahmenabkommen tatsĂ€chlich zu einer Einigung ĂŒber das umstrittene iranische Atomprogramm kommt, ist fraglich.
