Ferrexpo, Aktie

Ferrexpo Aktie: 90,3 Millionen Dollar Steuern blockiert

20.06.2026 - 04:27:15 | boerse-global.de

Der Eisenerzproduzent Ferrexpo kämpft mit Produktionsstopp, fehlenden Steuerrückzahlungen und einer gescheiterten Kapitalerhöhung.

Ferrexpo: Stillgelegte Produktion und fehlende Liquidität
Ferrexpo - Eine Hand hält eine Lupe über einem Stapel Dollarnoten, im Hintergrund verschwommene Bergbauausrüstung. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Wenn sich die Aktionäre von Ferrexpo in der kommenden Woche in London versammeln, gleicht das Treffen einem bizarren Ritual. Es gibt keinen Geschäftsbericht. Es gibt keine Abstimmung über den Wirtschaftsprüfer. Die Aktie selbst wird nicht einmal mehr gehandelt. Auf der Agenda stehen lediglich formale Wiederwahlen von Verwaltungsräten. Reicht die schiere Masse von fast 1,7 Milliarden Tonnen Erzreserven aus, um das Unternehmen durch diese historische Krise zu retten?

Die Anatomie des Stillstands

Der Weg in diese Sackgasse ist gut dokumentiert. Im Januar 2026 stoppte Ferrexpo den Betrieb. Russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur zwangen das Unternehmen in die Knie. Im Februar lief die Produktion wieder an. Aktuell arbeitet genau eine Pellet-Linie. Das ist ein Bruchteil der eigentlichen Kapazität.

Im ersten Quartal brach die Eisenerzproduktion um 72,1 Prozent ein. Das Management reagierte sofort. Kurzarbeit, gestrichene Investitionen und ein harter Sparkurs bei Dienstleistern folgten.

Das eigentliche Problem liegt jedoch tiefer. Die ukrainischen Steuerbehörden zahlen aktuell keine Mehrwertsteuer zurück. Ende März 2026 beliefen sich die Forderungen von Ferrexpo auf 90,3 Millionen US-Dollar. Dieses Geld existiert nur auf dem Papier. In der Praxis fehlt genau diese Liquidität.

Die gescheiterte Rettung

Ohne frisches Geld gibt es keine positive Fortführungsprognose. Ohne diese Prognose testiert der Prüfer die Bilanz für 2025 nicht. Der Ausweg sollte eine Kapitalerhöhung sein. Das Management sah darin die einzige Chance. Der Betrieb sollte so auf Sparflamme für die nächsten 18 Monate weiterlaufen.

Das bittere Detail: Das Interesse der Investoren war da. Institutionelle Anleger stellten mehr als 100 Millionen Dollar in Aussicht. Auch der Großaktionär Fevamotinico wollte seinen Anteil von 49,3 Prozent einbringen. Die Bedingungen der Geldgeber ließen sich in der Kürze der Zeit aber nicht erfüllen. Die Frist verstrich ungenutzt.

Die Londoner Börse zog am 1. Mai 2026 die Reißleine. Sie setzte den Handel der Papiere aus. Ein Datum für die Rückkehr auf das Parkett gibt es nicht. Der letzte Kurs von 28,58 Pence ist in der Zeit eingefroren.

Energie als Achillesferse

Die Krise von Ferrexpo ist kein klassischer Fehler des Managements. Sie zeigt brutal, was passiert, wenn ein energieintensiver Industriebetrieb in einem aktiven Kriegsgebiet liegt. Energiekosten machen die Hälfte der Produktionskosten aus. Die landesweiten Angriffe auf das Stromnetz im ersten Quartal legten die Anlagen lahm.

Die Geopolitik liefert bisher keine Lösung. Eine kurze Waffenruhe im Mai 2026 brachte keine Wende. Für ein Unternehmen mit Produktionsstätten in der Zentralukraine reicht eine 32-stündige Feuerpause nicht aus. Der Weg von einem humanitären Stopp zu einem echten Frieden ist weit.

Die Wette auf den Wiederaufbau

Genau hier liegt die extreme Fantasie dieser Aktie. Was passiert, wenn die Waffen schweigen? Die Energieinfrastruktur wird neu aufgebaut. Die blockierten Steuermillionen fließen. Ferrexpo besitzt drei Minen. Die Erzreserven reichen für 50 Jahre Bergbau auf aktuellem Niveau.

In einem solchen Szenario wird das Unternehmen zu einem strategischen Schlüssel-Asset für den Wiederaufbau. Ferrexpo hat die Infrastruktur, die Reserven und die Kunden. Es fehlt lediglich das Geld, um die Zeit bis dahin zu überbrücken.

Der Blick auf die Spanne der vergangenen 52 Wochen bringt es auf den Punkt. Zwischen dem Tief bei 27,20 Pence und dem Hoch bei 87,10 Pence liegt die gesamte Unsicherheit des Marktes. Aktuell ist Ferrexpo eine der extremsten Wetten an der Londoner Börse. Das Unternehmen könnte ein Vielfaches seines letzten Kurses wert sein. Oder gar nichts. Die Entscheidung darüber fällt nicht in den Konferenzräumen der Finanzwelt, sondern an der Front.

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