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Pfandfreie Dosen fĂŒr Skandinavier - Streit vor Gericht

20.05.2026 - 13:07:52 | dpa.de

Im Streit um den pfandfreien Verkauf von GetrÀnkedosen an skandinavische Kundinnen und Kunden verhandelt das Verwaltungsgericht in Schleswig eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen den Landkreis Schleswig-Flensburg.

Die DUH hatte den Kreis im Januar 2021 aufgefordert, gegen den Verkauf der Dosen im Grenzhandel vorzugehen, da dieser nach Ansicht der DUH gegen das deutsche Verpackungsgesetz verstĂ¶ĂŸt. Weil der Kreis untĂ€tig blieb, wurde im April 2021 UntĂ€tigkeitsklage beim Verwaltungsgericht erhoben.

Über diese Klage und die Frage, ob nach der aktuellen Rechtslage - wie im ĂŒbrigen Staatsgebiet Deutschlands und DĂ€nemarks - auch in den GrenzlĂ€den Dosenpfand zu erheben ist, wird nun verhandelt. Mit einem Urteil wird noch heute gerechnet.

Lukratives GeschĂ€ft und Ärgernis der UmweltschĂŒtzer

FĂŒr Menschen in der deutsch-dĂ€nischen Grenzregion ist es ein gewohntes Bild: Viele DĂ€nen fahren mit leeren Autos - und manchmal mit AnhĂ€nger - ĂŒber die Grenze und auf dem RĂŒckweg sind Kofferraum und HĂ€nger vollgepackt mit Bier- und Limonadendosen. Andere nutzen beispielsweise die FĂ€hre RĂždbyhavn - Puttgarden fĂŒr einen Tagesausflug samt Großeinkauf in den dortigen Bordershops.

Nach dem AusfĂŒllen einer Exportbescheinigung können Skandinavier die Dosen mit nach Hause nehmen, ohne deutsches oder dĂ€nisches Dosenpfand zu bezahlen. Zudem erhebt Deutschland auf Alkohol weniger Steuern als DĂ€nemark.

Der Grenzhandel ist mit einem Gesamtumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro pro Jahr und mehr als 3.000 BeschÀftigten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Schleswig-Holstein.

Dieses Modell ist also durchaus lukrativ fĂŒr Handel und Kunden - und Ă€rgert insbesondere UmweltschĂŒtzer. SchĂ€tzungen zufolge gelangen mehr als 650 Millionen Dosen aus dem norddeutschen Grenzhandel jĂ€hrlich nach DĂ€nemark. Nicht alle werden im Anschluss recycelt oder landen im MĂŒll. Bis zu neun von zehn Dosen, die NaturschĂŒtzer alljĂ€hrlich in der dĂ€nischen Natur fĂ€nden, stammten aus Deutschland, hieß es etwa 2020.

Seit vielen Jahren wird eine Lösung gesucht

2015 schien nach jahrelangen Verhandlungen endlich eine Lösung fĂŒr das deutsch-dĂ€nische Dosendilemma in Sicht: Die Umweltministerien in Kopenhagen, Berlin und Kiel unterzeichneten eine von den DĂ€nen initiierte Vereinbarung, die diese Praxis beenden sollte. 2018, so der damalige Plan, sollte es so weit sein. Doch dazu kam es nicht.

Seitdem haben sich viele Institutionen auf europĂ€ischer Ebene mit dem Thema beschĂ€ftigt: die EU-Kommission, das EU-Gericht, der EuropĂ€ische Gerichtshofs (EuGH). Der entschied 2023, dass in GeschĂ€ften an der Grenze zu DĂ€nemark GetrĂ€nke weiterhin pfandfrei fĂŒr den Export nach DĂ€nemark verkauft werden dĂŒrfen.

Ende April 2024 beschloss das EU-Parlament eine neue europĂ€ische Verpackungsverordnung, die ab 2029 in allen europĂ€ischen LĂ€ndern eine Pfandpflicht auf EinweggetrĂ€nkeverpackungen vorsieht. Auch auf deutsche Dosen im grenzĂŒberschreitenden Handel mĂŒsste dann deutsches Dosenpfand erhoben werden.

Dass die Klage der DUH erst gut fĂŒnf Jahre nach Eingang verhandelt wird, hat nach Angaben einer Gerichtssprecherin damit zu tun, dass das Verfahren an der am meisten belasteten Kammern des VG anhĂ€ngig ist. Das liege zum einen an der Anzahl der Verfahren und zum anderen an der ĂŒberdurchschnittlichen KomplexitĂ€t der Rechtsgebiete, die die Kammer bearbeitet.

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