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ITM Power Aktie: Rheinmetall-Deal ohne Auftrag

04.07.2026 - 01:42:23 | boerse-global.de

Die Partnerschaft mit Rheinmetall beflĂŒgelt ITM Power, bleibt aber eine AbsichtserklĂ€rung ohne Umsatz. Analysten sind gespalten.

ITM Power Aktie: Rheinmetall-Pakt treibt Kurs, doch AuftrÀge fehlen
ITM - Abstrakte Darstellung des Wasserstoffenergiesektors mit unsicherer Stimmung, angedeuteter Industrieinfrastruktur in kĂŒhlen, gedĂ€mpften Tönen. 04.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Ein RĂŒstungskonzern als neuer Partner, aber noch kein einziger unterschriebener Auftrag. Genau das treibt die Aktie von ITM Power gerade an. Der britische Elektrolyseur-Hersteller hat mit Rheinmetall eine strategische Kooperation vereinbart – und der Kurs sprang binnen einer Woche um fast 14 Prozent nach oben.

Aktuell notiert die Aktie bei 1,48 Euro, ein Plus von 1,65 Prozent zum Vortag. Der Blick auf die letzten 30 Tage relativiert die Euphorie allerdings: Dort steht ein Minus von 27,45 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2,58 Euro, erreicht Ende Mai, trennen die Aktie noch immer knapp 43 Prozent.

Kooperation statt Vertrag

Die Partnerschaft mit Rheinmetall dreht sich um das Giga-PtX-Projekt des RĂŒstungskonzerns. Ziel sind mehrere hundert dezentrale Power-to-X-Anlagen in Europa, jede mit einer ElektrolysekapazitĂ€t von bis zu 50 Megawatt. ZunĂ€chst konzentriert sich die Zusammenarbeit auf Großbritannien.

Wichtig fĂŒr die Einordnung: Es handelt sich um eine frĂŒhe Rahmenvereinbarung, kein unterschriebenes Auftragsbuch. Eine Ă€hnliche Konstellation gibt es bereits mit DB Systemtechnik, einer Tochter der Deutschen Bahn. Dort prĂŒft ITM Power in einer Konstruktionsstudie, ob seine Elektrolyseure grĂŒnen Wasserstoff fĂŒr Bahnstandorte liefern können. Beide VorstĂ¶ĂŸe zeigen eine Diversifizierung ĂŒber die klassische Industriekundschaft hinaus. Umsatz hat bislang keiner der beiden Deals gebracht.

Die entscheidende Kennzahl: Auftragsbestand gegen Kassenwirksamkeit

Die Zahl, die ITM Powers kurzfristigen Kurs bestimmen dĂŒrfte, ist simpel: die LĂŒcke zwischen Auftragsbestand und tatsĂ€chlich verbuchtem Umsatz. Der Auftragsbestand ist auf 152 Millionen Pfund gewachsen. Im ersten Halbjahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 18 Millionen Pfund – der höchste in der Firmengeschichte.

Der Anteil profitabler VertrĂ€ge im Bestand ist auf 71 Prozent gestiegen, im April 2025 lag er noch bei 60 Prozent. Die restlichen 29 Prozent betreffen Ă€ltere Projekte, die erst in den kommenden 18 Monaten als Umsatz verbucht werden sollen. Ob neue GeschĂ€ftsfelder wie Rheinmetall diese Umwandlung beschleunigen – oder lediglich die Pipeline unkonvertierter AbsichtserklĂ€rungen fĂŒllen – ist die strukturelle Frage, die ĂŒber der Aktie schwebt.

Bullisches Szenario: Diversifizierung trifft auf finanzielles Polster

Das positive Szenario stĂŒtzt sich auf zwei SĂ€ulen: ein breiteres Kundenspektrum und eine solide Bilanz. Die Kassenposition liegt bei 197,8 Millionen Pfund, binnen zwölf Monaten sank sie nur um 9,2 Millionen Pfund.

Auch die Analystenstimmung hat sich aufgehellt. Berenberg hat seine Haltung deutlich konstruktiver ausgerichtet und das Kursziel von 110 auf 200 britische Pence angehoben. Morgan Stanley hat die Aktie ebenfalls hochgestuft. Trotzdem bleibt das Bild gemischt: Ein Teil der Analysten bleibt vorsichtig, was die AusfĂŒhrungsrisiken angeht.

Auf regulatorischer Seite gibt es eine Teilentwicklung: Die Subsidy Advice Unit der britischen Wettbewerbsbehörde CMA hat ihre Bewertung zum 46,5 Millionen Pfund schweren Sheffield-Zuschuss bereits veröffentlicht. Die bindende Auszahlungsentscheidung liegt aber weiterhin beim zustĂ€ndigen Ministerium. Eine bestĂ€tigte Auszahlung wĂŒrde den Hochlauf der Chronos-Produktionslinie stĂŒtzen – zentral fĂŒr die Kostensenkungsziele des Managements. Die bereinigten EBITDA-Verluste sind bereits auf 11,9 Millionen Pfund geschrumpft.

BĂ€risches Szenario: Verluste bleiben, Meilensteine sind Konjunktiv

Das Risikoszenario lautet: Schlagzeilen-Partnerschaften laufen den greifbaren GeschÀftsergebnissen weiter davon. Auch der Protium-Deal ist bislang nur eine Rahmenvereinbarung, kein bindender Abnahmevertrag. Das zugehörige Cromarty-Wasserstoffprojekt in Schottland wartet noch auf eine finale Investitionsentscheidung, die erst spÀter im Jahr 2026 fallen soll.

Trotz verbesserter Margen weiten sich die Verluste aus: Der Vorsteuerverlust lag im vergangenen GeschÀftsjahr bei 45,4 Millionen Pfund, nach 27,1 Millionen Pfund im Jahr davor. ITM Power bleibt damit strukturell defizitÀr.

Auch das Chartbild liefert Warnsignale. Die Aktie notiert rund 15 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1,75 Euro. Die annualisierte 30-Tage-VolatilitĂ€t liegt bei ĂŒber 113 Prozent – ein Wert, der zeigt: Kurzfristig bestimmt Stimmung den Kurs, nicht Fundamentaldaten. Mindestens eine große Bank hĂ€lt trotz der jĂŒngsten Partnerschaftsmeldungen an einer Verkaufsempfehlung fest. Der Zweifel gilt dem Tempo der Kommerzialisierung im VerhĂ€ltnis zur aktuellen Bewertung.

Ausblick: Noch eine Geschichte der Auftragsumwandlung, keine RĂŒstungsstory

Solange der Auftragsbestand weiter in Richtung profitabler VertrĂ€ge wandert und die staatliche Förderung fĂŒr die Chronos-Linie förmlich bestĂ€tigt wird, bleibt das Argument fĂŒr eine nachhaltige Neubewertung intakt. Die Rheinmetall-Kooperation wirkt dabei eher als langfristige Option, weniger als kurzfristiger Umsatztreiber.

Stockt die ministerielle BestĂ€tigung des Sheffield-Zuschusses, oder scheitern Cromarty und Rheinmetall daran, binnen des laufenden GeschĂ€ftsjahres in bindende VertrĂ€ge zu mĂŒnden, dĂŒrfte der Druck in Richtung des 100-Tage-Durchschnitts bei 1,29 Euro zunehmen. Darunter liegt der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,06 Euro als nĂ€chste mögliche Marke.

Der nĂ€chste konkrete Test fĂŒr Investoren: Zeigen kommende operative Updates, dass der profitable Anteil des Auftragsbestands ĂŒber die aktuellen 71 Prozent hinaus weiter steigt? Und folgt eine formelle BestĂ€tigung der Förderzusage durch das zustĂ€ndige Ministerium DESNZ?

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