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Redcare Pharmacy Aktie: Gerichtsurteil vom 23. April belastet Werbung

30.05.2026 - 06:31:51 | boerse-global.de

Ein rechtskräftiges Urteil schränkt die Werbung von Redcare Pharmacy ein, während die Bruttomarge auf 21 Prozent fällt. Analysten bleiben trotz Kursverlusten mehrheitlich optimistisch.

Redcare Pharmacy Aktie: Gerichtsurteil vom 23. April belastet Werbung - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Redcare Pharmacy Aktie: Gerichtsurteil vom 23. April belastet Werbung - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Ein Gerichtsurteil, das die Werbestrategie einschränkt. Eine Bruttomarge auf dem niedrigsten Stand seit Quartalen. Und ein Aktienkurs, der seit seinem Jahreshoch mehr als 60 Prozent verloren hat. Für Redcare Pharmacy verdichten sich die Belastungen — ausgerechnet in einer Phase, in der das Unternehmen seinen Wachstumskurs über das E-Rezept beweisen muss.

Kölner Gericht zieht Grenzen

Das Landgericht Köln hat in einem Urteil vom 23. April 2026 einer Facebook-Werbung von Shop Apotheke — einer der Kernmarken von Redcare — einen Riegel vorgeschoben. Der Slogan, der persönliche Beratung, Wechselwirkungsprüfung und „alles, was eine echte Apotheke ausmacht" versprach, sei irreführend, so das Gericht. Shop Apotheke legte keine Berufung ein. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Das Urteil blockiert weder die Abwicklung elektronischer Rezepte noch den Plattformbetrieb. Es zieht jedoch engere Grenzen, wie Online-Apotheken ihre Leistungen beschreiben dürfen — ein sensibler Punkt für ein Unternehmen, das die E-Rezept-Dynamik als zentrales Wachstumsargument kommuniziert.

Marge unter Druck

Parallel zur rechtlichen Entwicklung kämpft Redcare mit schrumpfenden Margen. Die Bruttomarge fiel im ersten Quartal auf 21,0 Prozent — nach 23,3 Prozent im Vorjahreszeitraum und auch leicht unter den 21,2 Prozent des vierten Quartals 2025. Als Ursachen nennt das Unternehmen den intensiven Wettbewerb im OTC-Segment, einen wachsenden Anteil margenarmer Rezeptgeschäfte sowie den Effekt eines im September 2025 eingeführten Rezeptbonus.

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Das Jahresziel liegt bei einer bereinigten EBITDA-Marge von mindestens 2,5 Prozent — rund 0,8 Prozentpunkte über dem aktuellen Quartalsniveau. Eine deutliche Verbesserung in der zweiten Jahreshälfte ist dafür zwingend erforderlich. Im ersten Quartal flossen obendrein 64,5 Millionen Euro in den Rückkauf von Wandelanleihen, was die liquiden Mittel auf 135,0 Millionen Euro zum Ende März drückte.

OTC unter Beschuss, Rx als Schutzwall

Im nicht-verschreibungspflichtigen Segment verschärft sich der Wettbewerb. Drogeriekette dm startete Ende 2025 die Plattform „dm-med", Rossmann hat den Aufbau einer eigenen Online-Apotheke als Kernprojekt für dieses Jahr angekündigt. Allerdings: Rossmann will keine verschreibungspflichtigen Medikamente anbieten — ein struktureller Schutz für Redcares Rezeptgeschäft.

Dort hält das Unternehmen einen Marktanteil von 67 Prozent im deutschen Online-Rezeptmarkt und erwartet Rx-Umsätze von über 670 Millionen Euro im laufenden Jahr. Rückenwind kommt auch vom schrumpfenden stationären Netz: Ende 2025 gab es in Deutschland noch 16.601 Apotheken, rund 440 weniger als ein Jahr zuvor.

Analysten bleiben optimistisch

Die Analystengemeinde hält trotz des Kursverlusts an positiven Einschätzungen fest. Sieben von neun Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, zwei votieren für Halten, kein Analyst rät zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 95 Euro. Jefferies setzt mit 150 Euro das höchste Ziel und verweist auf die E-Rezept-Dynamik. UBS ist mit 74 Euro am zurückhaltendsten und warnt vor einer Verlangsamung im OTC-Kerngeschäft. Deutsche Bank, Berenberg und Baader Bank bekräftigten ihre Kaufempfehlungen nach den Erstquartalszahlen.

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Der Aktienkurs schloss am Freitag bei 43,78 Euro — ein Niveau, das seit Jahresbeginn einem Minus von fast 35 Prozent entspricht und rund 63 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 117,40 Euro liegt.

Halbjahreszahlen als Nagelprobe

Am 29. Juli legt Redcare die Halbjahreszahlen vor. Sie werden zeigen, ob die Margenentwicklung die Richtung gewechselt hat und ob das EBITDA-Ziel für das Gesamtjahr noch erreichbar ist. Gelingt im zweiten Quartal keine spürbare Verbesserung, dürfte der Druck auf das Management — und auf die Aktie — weiter zunehmen.

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