Sivers Semiconductors Aktie: 15. Juni in Stockholm
20.06.2026 - 16:20:02 | boerse-global.de
Drei Vorstandsmitglieder weg. Nasdaq-Abstimmung zurückgezogen. Und eine Aktie, die trotzdem mehr als doppelt so hoch notiert wie noch vor zwei Monaten. Bei Sivers Semiconductors war die Hauptversammlung vom 15. Juni in Stockholm alles andere als Routine.
Governance-Umbau in letzter Minute
Kurz vor der Versammlung traten Vizevorsitzender Tomas Duffy sowie die Gründer Erik Fallström und Keith Halsey zurück. Neu in den Vorstand gewählt wurden Joakim Nideborn und Helena Svancar. Bami Bastani bleibt Vorsitzender, Nideborn übernimmt das Amt des Stellvertreters.
Die Vergütungsstruktur wurde neu geregelt. Der Vorsitzende erhält künftig 1.050.000 SEK jährlich, der Stellvertreter 600.000 SEK, die übrigen Mitglieder je 350.000 SEK. Hinzu kommt ein Aktienplan: Jedes Mitglied bekommt 1.000.000 SEK, davon rund die Hälfte zum Kauf von Sivers-Aktien mit einjähriger Haltefrist.
Nasdaq-Pläne verschoben, nicht begraben
Der eigentliche Hauptpunkt der Tagesordnung fiel aus. Die Abstimmung über bis zu 53,8 Millionen neue Aktien für ein Zweitlisting an der Nasdaq — was einer Verwässerung von rund 15 Prozent entsprochen hätte — wurde kurzfristig zurückgezogen. Drei Tagesordnungspunkte zu einem neuen Mitarbeiter-Incentiveplan verschwanden ebenfalls von der Agenda.
Das Mandat ist damit nicht erloschen. Die Hauptversammlung erteilte dem Vorstand eine allgemeine Ermächtigung, dieselbe Aktienzahl künftig über Bareinlagen, Sacheinlagen oder Forderungsverrechnung auszugeben. Der neu zusammengesetzte Vorstand behält also Spielraum für eine spätere Kapitalmaßnahme.
Ratifiziert wurde ein bereits vereinbartes Finanzierungsarrangement: ein gesichertes Wandeldarlehen über rund 327.000 US-Dollar, ausgegeben an Bootstrap Europe 4.0 S.à r.l. Der Zinssatz liegt bei 10,85 Prozent jährlich, Laufzeit bis 31. Dezember 2029.
Pipeline wächst, Umsatz schrumpft
Das operative Bild ist gespalten. Die Auftragspipeline ist seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar gewachsen. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz allerdings um 22 Prozent auf 61,9 Millionen SEK — das Unternehmen verweist auf Verzögerungen im US-Verteidigungshaushalt.
Im Zuge der PCAOB-Anpassungen für das geplante Nasdaq-Listing wurden Finanzkennzahlen neu bewertet. Umsätze wurden zwischen Berichtsperioden umgeschichtet, Lagerbestände neu bewertet und Entwicklungskosten teilweise abgeschrieben. Der Nettoverlust für 2025 stieg dadurch von ursprünglich 186,5 Millionen SEK auf neu ausgewiesene 222,6 Millionen SEK.
Ein konkreter Schritt Richtung Serienproduktion: Das britische Satellitenkommunikationsunternehmen ALL.SPACE hat einen Produktionsauftrag über 8,2 Millionen US-Dollar für Ka-Band-Beamforming-Chips erteilt, Lieferung bis 2027.
Rechtliche Risiken im Hintergrund
Schweden ermittelt. Die Wirtschaftskriminalitätsbehörde untersucht den Verdacht auf Insiderhandel, nachdem Details des Nasdaq-Listings vor der offiziellen Ankündigung im April online aufgetaucht waren. Zwei US-Anwaltskanzleien prüfen mögliche Verstöße gegen Wertpapierrecht — Klagen wurden bislang nicht eingereicht.
Anfang Juni veröffentlichte der Leerverkäufer Ningi Research einen Bericht, der rund 31 Prozent der ausgewiesenen 2025-Umsätze anzweifelt. Der Vorwurf: Forschungsförderungen seien als kommerzielle Einnahmen verbucht worden. Sivers hat sich dazu bislang nicht öffentlich geäußert.
Kurs hält sich trotz allem
Die Aktie schloss am Freitag bei 8,65 Euro — ein Minus von 1,65 Prozent auf Tagesbasis, aber ein Plus von gut 3 Prozent auf Wochensicht. Der 30-Tage-Gewinn liegt bei bemerkenswerten 76 Prozent. Damit notiert der Titel mehr als 62 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt. Zur Einordnung: Im März 2026 lag das 52-Wochen-Tief bei 0,27 Euro. Für Stabilität sorgt unter anderem die Aufnahme in den OMX Stockholm Benchmark Index und den MSCI Sweden Small-Cap Index, die passives Fondskaufinteresse ausgelöst hat.
Den nächsten Gradmesser liefert der Zwischenbericht am 6. August 2026. Dann wird der neue Vorstand erstmals öffentlich zu den Bilanzanpassungen, den Ningi-Vorwürfen und dem Zeitplan für ein mögliches US-Listing Stellung nehmen.
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