Strafverfahren, Pro-PalÀstina-Demo

Strafverfahren nach Pro-PalÀstina-Demo in Essen

06.11.2023 - 17:33:34

3000 Menschen zogen am Freitag durch Essen - möglicherweise mit verbotenen Taliban-Symbolen. Innenministerin Faeser nennt das «unertrÀglich». Nun wird wegen Volksverhetzung ermittelt.

Nach der umstrittenen Pro-PalĂ€stina-Demonstration in Essen vom Freitag ermittelt die Polizei gegen einen der Redner wegen Volksverhetzung. Das teilte die Behörde am Montag in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft mit. Zudem hieß es, bei der Demonstration seien neben Pro-PalĂ€stina-Fahnen auch Symbole gezeigt worden, die den verbotenen Zeichen des Islamischen Staats und der Taliban Ă€hnelten.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte, die ZustÀnde bei der Protestdemo seien «unertrÀglich» gewesen. «Was wir da sehen mussten, ist mit unserem VerstÀndnis von Demokratie, mit unserer Vorstellung des friedlichen Zusammenlebens in unserer demokratischen Gesellschaft nicht vereinbar», sagte Faeser der Deutschen Presse-Agentur.

In Deutschland dĂŒrfe jeder seine Meinung frei Ă€ußern und friedlich demonstrieren. «Aber die rote Linie ist: Es gibt null Toleranz fĂŒr antisemitische und israelfeindliche Hetze, es gibt null Toleranz fĂŒr Gewalt. Wir tolerieren nicht, dass ein islamischer Gottesstaat auf unseren Straßen propagiert wird», sagte Faeser. Wer Freiheitsrechte derart missbrauche, um Straftaten und Hass zu propagieren, könne sich nicht auf den Schutz der Meinungsfreiheit berufen. Diese Linie mĂŒsse konsequent durchgesetzt werden, auch mit hartem polizeilichem Einschreiten.

Auch IS-Symbole auf Demo gezeigt

Nach der umstrittenen Demonstration ermittelt die Polizei inzwischen gegen einen der Redner wegen Volksverhetzung, wie die Behörde in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft mitgeteilt hatte. Bei dem Marsch wurden laut Polizei auch Symbole und Zeichen gezeigt, wie sie der «Islamische Staat» verwendet.

Zu der friedlich verlaufenen Demonstration waren etwa 3000 Menschen gekommen. Frauen und Kinder hĂ€tten am Ende des Aufzuges laufen mĂŒssen und bei der Abschlusskundgebung an einer anderen Stelle stehen mĂŒssen als die MĂ€nner, berichtete die Polizei.

Essens OberbĂŒrgermeister Thomas Kufen (CDU) zeigte sich empört: «Nur schwer ertrĂ€glich. Islamisten, Antidemokraten und Judenhasser ziehen geschĂŒtzt durch das deutsche Grundgesetz durch Essen», erklĂ€rte Kufen. «Den Initiatoren ging es offensichtlich weniger um das Leid der Menschen im Gaza-Streifen, sondern viel mehr um die Verbreitung radikalislamistischer Parolen.»

Es lĂ€gen zahlreiche Bild- und Tonaufnahmen der Versammlung vom vergangenen Freitag vor, teilte die Essener Polizei mit. Diese wĂŒrden aktuell durch den Polizeilichen Staatsschutz, Islamwissenschaftler und Dolmetscher ausgewertet.

@ dpa.de