AfD-Politiker Siegmund widerspricht Merz-Warnung vor Investoren-Rückzug in Sachsen-Anhalt
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 12:28 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSUlrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, hat die Warnung von Bundeskanzler Friedrich Merz vor einem möglichen Rückzug internationaler Investoren im Fall einer AfD-geführten Landesregierung scharf zurückgewiesen. Eine Regierung seiner Partei werde vielmehr zusätzliche Investitionen und eine wirtschaftliche Belebung im Bundesland auslösen, sagte er dem Fernsehsender „Welt“.
Siegmund erwartet Investoren-Zulauf aus konservativ regierten Staaten
Nach Siegmunds Darstellung würde eine AfD-Regierung internationale Investoren aus konservativ regierten Ländern nicht abschrecken, sondern anziehen. Sehr viele Unternehmen mit konservativen Regierungen im Herkunftsland sähen es demnach als Wettbewerbsvorteil, wenn es wieder langfristige Planungssicherheit gebe und keine Klimavorgaben oder Quotenvorgaben mehr gelten.
Er gehe davon aus, dass viele internationale Unternehmen genau diese Rahmenbedingungen als Chance und Wettbewerbsvorteil betrachten würden. Damit knüpft Siegmund an die Erwartung an, dass weniger Regulierung und Vorgaben die Investitionsbereitschaft erhöhen könnten.
Ankündigung einer „wirtschaftspolitischen Blütezeit“ in Sachsen-Anhalt
Siegmund sagte weiter, unter einer AfD-geführten Regierung werde Sachsen-Anhalt eine wirtschaftspolitische Blütezeit erleben. Neue Arbeitsplätze sollen entstehen und die Wertschöpfung im Land spürbar vorangetrieben werden.
Nach seinen Worten würde dies zu höheren Steuereinnahmen führen, die den Landeshaushalt stärken. Auf dieser Basis könne man Bürger entlasten und zugleich in verschiedene Bereiche investieren.
Kritik an Merz und Diagnose einer Deindustrialisierung
Für die aktuelle wirtschaftliche Lage macht Siegmund nicht die AfD, sondern Bundeskanzler Friedrich Merz persönlich verantwortlich. Die derzeitige Wirtschaftspolitik spreche eine eindeutige Sprache, sagte er, und sprach von einer Deindustrialisierung, bei der Betriebe schließen oder Deutschland verlassen.
Er betonte, die AfD habe bisher nicht regiert, trotzdem warnten viele vor einer Regierungsverantwortung seiner Partei. Aus seiner Sicht steht diese Warnung im Widerspruch zur Realität, die er mit Standortschwierigkeiten und Unternehmensabwanderung beschreibt.
Hohe Energiepreise und Abgabenlast als zentrale Kritikpunkte
Als zentrale Probleme nennt Siegmund die aus seiner Sicht zu hohen Energiekosten und Abgaben. Er verwies darauf, dass Kraftstoffpreise bei etwa 2,40 Euro pro Liter lägen und kritisierte, dass der Bundeskanzler dies nicht in den Griff bekommen habe.
Zudem sieht er Unternehmen wegen einer extrem hohen Abgabenlast belastet und verweist auf nach seiner Darstellung weltweit sehr hohe Strompreise. Die aktuelle Politik sei wirtschaftsfeindlich, so seine Schlussfolgerung, und trage zur Standortschwäche bei.
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Die Äußerungen von Ulrich Siegmund fallen in eine Phase, in der die AfD in Ostdeutschland hohe Umfragewerte erreicht und insbesondere in Sachsen-Anhalt auf eine starke Position bei der bevorstehenden Landtagswahl zusteuert. Eine mögliche Regierungsbeteiligung der AfD wird von etablierten Parteien und weiten Teilen der Wirtschaft als Risiko für den Investitionsstandort Deutschland bewertet, während AfD-Vertreter dies als Chance für einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel darstellen.
Wirtschaftspolitischer Streit um Standortfaktoren
Siegmunds Versprechen einer „wirtschaftspolitischen Blütezeit“ basiert auf der Vorstellung, dass weniger Klima- und Diversity-Vorgaben sowie langfristige Planungssicherheit internationale Unternehmen anziehen würden. Dem gegenüber stehen zahlreiche Warnungen aus Wirtschaftsverbänden und Unternehmen, wonach stabile Rechtsstaatlichkeit, verlässliche europäische Einbindung, Klimapolitik und Fachkräftezuwanderung zentrale Standortfaktoren sind. Die gegensätzlichen Einschätzungen spiegeln einen grundlegenden Konflikt darüber wider, welche Rahmenbedingungen Wachstum und Investitionen tatsächlich fördern.
Wenn Siegmund die aktuelle Lage als „Deindustrialisierung“ beschreibt und hohe Energie- und Abgabenlast kritisiert, knüpft er an verbreitete Sorgen in Industrie und Mittelstand an. Gleichzeitig blendet diese Darstellung aus, dass Energiepreise und Transformation auch durch internationale Krisen, globale Märkte und langfristige Klimaziele geprägt sind. Die politische Auseinandersetzung dreht sich daher nicht nur um die Diagnose der wirtschaftlichen Lage, sondern vor allem um den Weg, wie Standortpolitik, Energiewende und Regulierung ausgestaltet werden sollen.
Bedeutung für Sachsen-Anhalt und darüber hinaus
Für Sachsen-Anhalt ist die Frage, wie attraktiv der Standort für Investoren bleibt, besonders relevant: Das Land ist stark von Industrie, Chemie und mittelständischen Betrieben geprägt und steht zugleich vor dem Strukturwandel in Energie und Verkehr. Eine Regierungsübernahme durch die AfD würde nicht nur die bundespolitische Debatte über Investitionssicherheit und internationale Reputation Deutschlands weiter zuspitzen, sondern könnte konkret beeinflussen, welche Unternehmen sich künftig im Land ansiedeln oder dort bleiben.
Für Bürgerinnen und Bürger geht es dabei um Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und die Ausgestaltung sozialer und öffentlicher Leistungen. Ob die von Siegmund angekündigten Effekte eintreten würden, hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter die Reaktionen großer und kleiner Unternehmen, die Entwicklung der Energiepreise sowie die europäische und internationale Einbettung wirtschaftspolitischer Entscheidungen. Klar ist: Die Aussagen markieren einen deutlichen Kontrast zur Warnung des Bundeskanzlers und sind Teil eines polarisierten politischen Wettbewerbs um den richtigen Kurs für Wirtschaft und Standort.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Merz erlässt Anordnung zum Glücklichsein" (29.08.2026)
Der Beitrag ordnet die aktuelle Rolle von Friedrich Merz als Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender ein und beschreibt, wie seine politische Strategie und Kommunikation insbesondere in Ostdeutschland wahrgenommen werden. Sachsen-Anhalt und die AfD unter Ulrich Siegmund werden als Beispiele dafür genannt, wie die Partei ein Gefühl der Wertschätzung und des Aufbruchs verkauft, während Merz versucht, gegen diese Dynamik zu halten. Im Vergleich zur dts-Meldung rückt der Artikel stärker die strategische Ebene und das Stimmungsbild in der Bevölkerung in den Vordergrund, während die konkreten wirtschaftspolitischen Argumente nur rahmenhaft erscheinen.
FOCUS online: „Experte Olaf Sundermeyer: 'Die schärfste Waffe der AfD ist die Wertschätzung'" (29.08.2026)
Dieser Artikel analysiert die Erfolgsaussichten und strategischen Botschaften der AfD in Sachsen-Anhalt und hebt Ulrich Siegmund als zentrale Figur im bevorstehenden Wahlkampf hervor. Er zeigt, wie die AfD wirtschaftspolitische Unzufriedenheit, etwa über Energiepreise, Bürokratie und Standortpolitik, aufgreift und mit Forderungen nach einer anderen Energie- und Russlandpolitik verbindet. Im Vergleich zur dts-Meldung werden Siegmunds Aussagen eingebettet in eine breitere Analyse der AfD-Programmatik und ihrer Wirkung auf Mittelstand und ländliche Regionen, während konkrete Investorenwarnungen des Kanzlers nur Teil eines größeren Konflikts um Deutungshoheit bleiben.
Gemeinsam ist beiden Beiträgen, dass sie die Zuspitzung zwischen der AfD in Sachsen-Anhalt und der Bundespolitik unter Friedrich Merz als zentrales Konfliktfeld markieren. Unterschiede zeigen sich bei der Gewichtung: Während n-tv stärker auf die Rolle und Wahrnehmung des Kanzlers fokussiert, legt FOCUS online ein besonderes Augenmerk auf die strategische Ansprache und wirtschaftspolitische Versprechen der AfD. Offen bleibt in beiden Perspektiven, wie internationale Investoren tatsächlich auf eine mögliche AfD-Regierung reagieren würden und welche konkreten wirtschaftlichen Folgen sich daraus ergeben.
