200 Millionen Euro Zusatz-Winterhilfe
04.11.2024 - 20:56:45(Aktualisierung: Informationen zu GesprĂ€ch mit Selenskyj hinzugefĂŒgt)
KIEW (dpa-AFX) - Deutschland sichert der Ukraine vor dem dritten Kriegswinter und angesichts anhaltender russischer Angriffe auf die Infrastruktur zusĂ€tzliche Winterhilfe in Höhe von 200 Millionen Euro zu. Mit dem Geld werde die humanitĂ€re Soforthilfe des AuswĂ€rtigen Amts aufgestockt, damit etwa auch frontnahe HĂ€user ohne Energieversorgung Brennstoff erhalten und Ukrainer "mit dem Nötigsten wie Decken oder warmen WintermĂ€nteln gegen die eisigen Temperaturen ausgestattet werden" könnten, sagte AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) bei einem Treffen mit ihrem ukrainischen Kollegen Andrij Sybiha in Kiew.
Baerbock war zuvor zu ihrem achten SolidaritÀtsbesuch in der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 eingetroffen.
GesprÀche mit PrÀsident Selenskyj
Baerbock traf dort auch PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj. "Ich dankte ihr fĂŒr die gesamte deutsche UnterstĂŒtzung der Ukraine", sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. In den GesprĂ€chen sei die allgemeine Lage in Europa und der Region besprochen worden. "Wie wir Druck auf Russland ausĂŒben können, um den Frieden nĂ€herzubringen", fĂŒhrte der Staatschef aus.
Die AuĂenministerin begrĂŒndete ihre Reise beim Treffen mit Selenskyj auch mit dem Ziel, "die Medienberichterstattung ĂŒber die Ukraine in Deutschland und Europa zurĂŒckzubringen". Deswegen sei dieser Besuch "wichtiger als einige der Besuche vorher".
Baerbock: Putin mit perfider Winter-Strategie
Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin suche sich jetzt auch noch Waffenhilfe aus Nordkorea und gehe besonders hart im Osten der Ukraine vor, sagte Baerbock. Ăberall im Land wolle er Lebensadern treffen, zerbombe Kraftwerke und zerstöre Stromleitungen. Fast zwei Drittel der Energieinfrastruktur der Ukraine seien mittlerweile zerstört, Strom und WĂ€rme fehlten.
Die nun angekĂŒndigte Zusatzhilfe ist keine UnterstĂŒtzung fĂŒr den Energiesektor. Vielmehr geht es um WinternothilfemaĂnahmen fĂŒr die Bevölkerung wie Festbrennstoffe fĂŒr HĂ€user in FrontnĂ€he, Isolierungen, Winterkleidung, Decken und Bargeldhilfen. Die deutsche Förderung aus Mitteln der humanitĂ€ren Hilfe etwa auch fĂŒr humanitĂ€res MinenrĂ€umen liegt im laufenden Jahr mit den weiteren 200 Millionen Euro nun bei insgesamt 390 Millionen Euro.
Baerbock lÀsst sich Flugabwehr und Energieanlage zeigen
Baerbock lieĂ sich von ukrainischen Soldaten ĂŒber den Einsatz der von Deutschland gelieferten Flugabwehrpanzer vom Typ Gepard informieren. Die ukrainische Gepard-Besatzung berichtete, sie habe erst am Freitag drei russische Drohnen abgeschossen. Zudem bat sie Baerbock um mehr UnterstĂŒtzung mit Material und Munition. Deutschland hat der Ukraine fĂŒr die Abwehr russischer Luftangriffe bislang 55 Gepard-Panzer mit Ersatzteilen und 176.000 StĂŒck Flakpanzer-Munition aus Bundeswehr- und IndustriebestĂ€nden geliefert.
Die Gepard-Panzer gelten als besonders wirkungsvoll bei der Abwehr von Drohnenangriffen. Im Anschluss lieĂ sich Baerbock eine Energieanlage im GroĂraum Kiew zeigen, die mehrfach von russischen Raketen getroffen worden war und Strom produziert.
Baerbock: Zukunft der Ukraine in EU und Nato
Baerbock betonte, die Zukunft der Ukraine liege "glasklar" in der EuropĂ€ischen Union und der Nato. Putin wolle diese freie Entscheidung der Ukraine verhindern, doch jedes Land treffe, die Entscheidung selbst. Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatte dem Wunsch der Ukraine nach einer raschen Einladung in die Nato kĂŒrzlich erneut eine deutliche Absage erteilt. "Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, sich klarzumachen, dass ein Land, das im Krieg ist, gar nicht Nato-Mitglied werden kann", hatte er in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" gesagt.
Ukrainische AuĂenminister: Ukraine wird von Nato-Beitritt nicht abrĂŒcken
Sybiha betonte, die Ukraine werde von einem Nato-Beitritt nicht abrĂŒcken. "Die Einladung an die Ukraine muss bereits jetzt ohne Zögern ausgesprochen werden", sagte er. Das sei ein wichtiger politischer Schritt, "um Putin die Illusionen zu nehmen und zu einem Ende der Aggression zu motivieren". Mit Blick auf die PrĂ€sidentschaftswahl in den USA sagte der ukrainische AuĂenminister: "Wir sind uns der UnterstĂŒtzung durch beide Parteien und des Volkes der USA sicher."
Mit Stand 31. August haben die USA laut Sybiha 56,8 Milliarden Euro an MilitĂ€rhilfe bereitgestellt. Zur gleichen Zeit hĂ€tten die Gesamthilfen vonseiten der europĂ€ischen Staaten bei 54,61 Milliarden Euro gelegen. "Daher ist die Hilfe unserer europĂ€ischen Partner ebenfalls Ă€uĂerst wichtig fĂŒr die Ukraine, und wir sind dankbar dafĂŒr."
UN-Chef warnt wegen Nordkorea-Soldaten im Ukraine-Krieg vor Eskalation
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres warnte vor einem möglichen Einsatz nordkoreanischer Soldaten aufseiten Russlands. Berichte darĂŒber hĂ€tten ihn "sehr beunruhigt", sagte er laut Mitteilung in New York. "Das wĂŒrde eine sehr gefĂ€hrliche Eskalation des Krieges in der Ukraine darstellen. Alles muss getan werden, um jegliche Internationalisierung dieses Konflikts zu verhindern." Nach Angaben der Vereinigten Staaten stehen bis zu 8.000 nordkoreanische Soldaten nahe der ukrainischen Grenze.
Neue russische DrohnenschwÀrme erreichen die Ukraine
Am spĂ€ten Sonntagabend hatte das russische MilitĂ€r die Ukraine erneut mit gröĂeren DrohnenschwĂ€rmen ĂŒberzogen. Der Einflug gröĂerer Gruppen sogenannter Kamikaze-Drohnen wurde zunĂ€chst aus der ostukrainischen Region Sumy gemeldet, spĂ€ter auch aus dem SĂŒden des Landes. Die mit Sprengstoff beladenen unbemannten Flugkörper verteilten sich daraufhin in verschiedene Himmelsrichtungen, um die ukrainische Flugabwehr zu verwirren. Daraufhin wurde fĂŒr verschiedene Landesteile der Ukraine Luftalarm ausgelöst.

