Bericht, Evakuierung

Bericht zu Evakuierung aus Kabul: Wunschdenken und TrÀgheit?

18.02.2025 - 14:57:00

Alarmierende Berichte, die erst Tage spĂ€ter gelesen werden. StaatssekretĂ€re, die diskutieren, aber keine Strategie vereinbaren. Die Bilanz des Afghanistan-Untersuchungsausschusses ist ernĂŒchternd.

  • Ann-Veruschka Jurisch (FDP) hĂ€lt ein zentrales Steuerungsgremium fĂŒr Sicherheitsfragen fĂŒr notwendig. - Foto: Jonathan Penschek/dpa

    Jonathan Penschek/dpa

  • Als letzte Zeugin stand die frĂŒhere Bundeskanzlerin, Angela Merkel (CDU), hier mit dem Ausschussvorsitzenden, Ralf Stegner (SPD) den Abgeordneten Rede und Antwort. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • FĂŒr die militant-islamistischen Taliban ist der Jahrestag des Abzugs der US-gefĂŒhrten Truppen aus Afghanistan ein Grund zum Feiern. - Foto: Siddiqullah Alizai/AP/dpa

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  • Tausende Afghanen versuchten im August 2021 nach der MachtĂŒbernahme durch die Taliban in Kabul auf den Flughafen zu gelangen, um das Land zu verlassen. - Foto: Wali Sabawoon/AP/dpa

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Ann-Veruschka Jurisch (FDP) hĂ€lt ein zentrales Steuerungsgremium fĂŒr Sicherheitsfragen fĂŒr notwendig. - Foto: Jonathan Penschek/dpaAls letzte Zeugin stand die frĂŒhere Bundeskanzlerin, Angela Merkel (CDU), hier mit dem Ausschussvorsitzenden, Ralf Stegner (SPD) den Abgeordneten Rede und Antwort. - Foto: Kay Nietfeld/dpaFĂŒr die militant-islamistischen Taliban ist der Jahrestag des Abzugs der US-gefĂŒhrten Truppen aus Afghanistan ein Grund zum Feiern. - Foto: Siddiqullah Alizai/AP/dpaTausende Afghanen versuchten im August 2021 nach der MachtĂŒbernahme durch die Taliban in Kabul auf den Flughafen zu gelangen, um das Land zu verlassen. - Foto: Wali Sabawoon/AP/dpa

Der Untersuchungsausschuss des Bundestages zu der chaotischen Evakuierung aus Afghanistan zieht ein bitteres Fazit. Nach der Befragung von 111 Zeugen und der Auswertung von 6.843 Dateien hĂ€lt er fest: Schleppende VerwaltungsablĂ€ufe und eine Politik, der es teilweise an Entscheidungsfreude und Handlungswillen fehlte, haben ein frĂŒhzeitiges effektives Handeln der Bundesregierung in den Wochen vor der MachtĂŒbernahme durch die islamistischen Taliban in Kabul verhindert.

Das Ende Februar 2020 unterzeichnete Doha-Abkommen zwischen der US-Regierung und den Taliban, bei dem die Bundesregierung nicht eingebunden war, sah den Abzug der auslĂ€ndischen Truppen fĂŒr 2021 vor. Damit war aus Sicht des Ausschussvorsitzenden, Ralf Stegner (SPD), im Grunde genommen schon klar, «wie die Sache ausgeht». Die Taliban seien dadurch zu einer «Regierung im Wartestand» geworden. 

MilitĂ€rische Evakuierung unter großem Zeitdruck

Die Bundeswehr hatte das Land im Juni 2021 schneller als geplant verlassen. Sie folgte damals zeitlichen Vorgaben der USA. Nachdem die Taliban am 15. August 2021 nach einer Blitzoffensive die Hauptstadt Kabul praktisch ohne Gegenwehr eingenommen hatten, beteiligte sich Deutschland an einem internationalen militÀrischen Evakuierungseinsatz. Es kam zu chaotischen ZustÀnden und gefÀhrlichen Situationen rund um den Flughafen. 

Sowohl FDP als auch AfD warfen der Bundesregierung - Kanzlerin war damals Angela Merkel (CDU), Außenminister Heiko Maas (SPD) - vor, sie habe sich zu stark von «Wunschdenken» leiten lassen. Abgeordnete mehrerer Fraktionen kritisierten, die StaatssekretĂ€re der verschiedenen Ressorts hĂ€tten sich zwar regelmĂ€ĂŸig zur Lage ausgetauscht. Am Ende dieser Sitzungen sei aber jeweils kein gemeinsames Vorgehen verbindlich festgelegt worden.

Zu spÀt in den Krisenmodus gewechselt?

Als ein Beispiel fĂŒr das aus ihrer Sicht zu trĂ€ge Verwaltungshandeln in der Krise fĂŒhrt Ann-Veruschka Jurisch (FDP) den Umgang mit einer vertraulichen diplomatischen Korrespondenz der damaligen deutschen Botschafterin in Washington, Emily Haber, an. Diese hatte am Freitag, dem 6. August 2021, geschrieben, sie habe wahrgenommen, dass die US-Regierung eine baldige MachtĂŒbernahme der Taliban fĂŒr möglich halte und bereits Maßnahmen zur Vorbereitung auf eine mögliche Krise treffe. 

Der damalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, sagte als Zeuge aus, diese Korrespondenz sei am 6. August im AuswĂ€rtigen Amt eingegangen. Am Montag, den 9. August, sei sie im Verteidigungsministerium «in den zustĂ€ndigen Fachreferaten» ausgewertet worden. Am 10. August sei daraus eine Vorlage fĂŒr seinen Stellvertreter erstellt worden. Auch im Bundesnachrichtendienst (BND) befasste man sich laut einer internen Mail erst am Montag mit den Informationen aus Washington. Aus Sicht von Jurisch zeigt sich hier ein generelles Problem: «Die Welt bleibt nicht am Wochenende stehen. «In sicherheitsrelevanten Bereichen mĂŒssten Geschehnisse und Entwicklungen zwingend auch am Wochenende analysiert und ausgewertet werden.

@ dpa.de