Studie: Wieder mehr junge Erwachsene mit Alkoholrausch
04.11.2024 - 11:47:46Exzessiver Alkoholkonsum hat laut einer Studie unter jungen Leuten in Deutschland nach der Corona-Pandemie wieder zugenommen. Ein solches «Rauschtrinken» zeigte sich nun bei 46,2 Prozent der MĂ€nner zwischen 18 und 25 Jahren, wie neue Umfragedaten der Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung von 2023 ergaben. Damit sei nach einem deutlichen RĂŒckgang auf 37,8 Prozent 2021 fast wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Unter jungen Frauen von 18 bis 25 stieg die Verbreitung des «Rauschtrinkens» demnach von 19,0 auf 25,1 Prozent.
Dabei bedeutet Rausch, dass man in den 30 Tagen vor der Befragung nach eigenen Angaben mindestens einmal bei einer Gelegenheit fĂŒnf GlĂ€ser Alkohol oder mehr getrunken hat. FĂŒr die regelmĂ€Ăige «DrogenaffinitĂ€tsstudie» der Bundeszentrale wurden 7.001 Menschen von 12 bis 25 Jahren zwischen April und Juni 2023 befragt.Â
RĂŒckgang wĂ€hrend der Pandemie vorbei
Die Experten nannten es besorgniserregend, dass Rauschtrinken wieder deutlich zugenommen habe. Der vorherige RĂŒckgang sei vermutlich auf eingeschrĂ€nkte Möglichkeiten des Alkoholkonsums in der Corona-Zeit zurĂŒckzufĂŒhren gewesen.
Auch bei Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren nahm exzessives Trinken demnach nun wieder etwas zu - bei Jungen tranken nach eigenen Angaben 17,1 Prozent kĂŒrzlich bei einer Gelegenheit fĂŒnf GlĂ€ser Alkohol oder mehr, bei MĂ€dchen 10,4 Prozent.Â
RegelmĂ€Ăiges Trinken auf Tiefstand
Allerdings ist regelmĂ€Ăiges Alkohol trinken laut der Studie bei jungen Erwachsenen so unbeliebt wie nie. Dass sie in den zwölf Monaten vor der Befragung mindestens einmal pro Woche Alkohol getrunken haben, gaben nun 38,8 Prozent der 18- bis 25-jĂ€hrigen MĂ€nner an - bei Frauen waren es 18,2 Prozent. Unter den Jungen zwischen 12 und 17 Jahren tranken demnach nun 12,4 Prozent nach eigenem Bekunden regelmĂ€Ăig mindestens einmal pro Woche - bei MĂ€dchen sagten dies 6,9 Prozent.
StĂ€rkere Gesundheitsrisiken fĂŒr JĂŒngereÂ
Der amtierende Leiter der Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung, Johannes NieĂen, sagte: «Alkoholkonsum schĂ€digt das Gehirn, besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, denn ihr Gehirn befindet sich noch in der Entwicklung.» Rauschtrinken könne zu dauerhaften SchĂ€den fĂŒhren. Und je frĂŒher Jugendliche Alkohol trinken, desto gröĂer seien die Risiken und die Wahrscheinlichkeit, das Verhalten ins Erwachsenenalter mitzunehmen. Der Bundesdrogenbeauftragte Burkhard Blienert warnte: «Egal, wie viel und was man trinkt, jeder Schluck ist schĂ€dlich.»
Erstes Glas Alkohol mit gut 15 Jahren
Der Zeitpunkt, ab dem Alkohol eine Rolle spielt, hat sich seit 2004 um ein Lebensjahr nach hinten verschoben: Das erste Glas trinken Jugendliche nun mit gut 15 Jahren statt wie damals mit 14. Das sei weiterhin unter der Altersgrenze von 16 Jahren, ab der Jugendliche Bier und Wein kaufen dĂŒrfen, erlĂ€uterte die Bundeszentrale. Den ersten Rausch haben Jugendliche inzwischen mit 16,2 Jahren statt mit 15,5 Jahren. In ihrem Leben ĂŒberhaupt schon einmal Alkohol getrunken hatten laut Umfrage nun 65,1 Prozent der Jungen zwischen 12 und 17 Jahren und 60,8 Prozent der MĂ€dchen.
Alkoholkonsum vielfach gesunken
Auf lĂ€ngere Sicht ist der Alkoholkonsum laut den Studiendaten bei jungen Leuten vielfach unbeliebter geworden. So tranken 2004 noch 59 Prozent der MĂ€nner von 18 bis 25 nach eigenen Angaben regelmĂ€Ăig mindestens einmal pro Woche - und 27,7 Prozent der Frauen. Das waren bei MĂ€nnern vor 20 Jahren knapp 20 Prozentpunkte mehr als in der aktuellen Befragung und bei Frauen fast zehn Prozentpunkte mehr.
Forderung nach striktem Alkoholverbot bis 16
Der Bundesdrogenbeauftragte Blienert forderte erneut schĂ€rfere Vorgaben zum Gesundheitsschutz. «Alkohol gibt es rund um die Uhr und ĂŒberall», sagte der SPD-Politiker. Durch Werbung propagiert, griffen viele viel zu selbstverstĂ€ndlich zum Feierabendbier, zu Wein auf der Familienfeier oder Sekt in der Geburtstagsrunde.Â
Dabei sei klar, dass Alkohol nicht in die HĂ€nde von Jugendlichen gehöre. «Das dĂŒrfen nicht mehr nur Schlagworte bleiben.» Daher mĂŒsse endlich Schluss mit dem sogenannten begleiteten Trinken ab 14 sein. «Alkohol wird nicht gesĂŒnder, weil die Eltern daneben sitzen», sagte Blienert. Er forderte ein striktes Alkoholverbot bis 16 Jahren. Aus medizinischen GrĂŒnden wĂ€ren sogar 18 Jahre die notwendige Grenze.


