Scholz: Heizungsgesetz soll vor Sommerpause ins Parlament
26.05.2023 - 07:40:41 | dpa.de
Bundeskanzler Olaf Scholz hat eine zĂŒgige Ăberarbeitung des umstrittenen Heizungsgesetzes in Aussicht gestellt, so dass es bis Anfang Juli in den Bundestag kommt. «Alle Beteiligten haben diesen Ehrgeiz. Und haben versichert, die offenen Fragen sehr zĂŒgig miteinander zu besprechen», antwortete der SPD-Politiker im «Kölner Stadt-Anzeiger» auf die Frage, ob das Gesetz noch vor der Sommerpause ins Parlament eingebracht werde.
Der Gesetzentwurf - der reine Ăl- und Gasheizungen in Neubauten von 2024 an verbietet - werde nun im Parlament diskutiert und verbessert. Daran arbeiteten alle drei Fraktionen der Koalition.
Zum offen ausgetragenen Konflikt zwischen GrĂŒnen und FDP um das Gesetz sagte der Kanzler: «Ich verhehle nicht, dass diese Diskussionen fĂŒr meinen Geschmack durchaus auch leise im Ton gefĂŒhrt werden könnten.» Er erklĂ€rte den Koalitionsstreit aber mit dem hohen VerĂ€nderungstempo, das die Ampel eingeschlagen habe - «was zwangslĂ€ufig manchmal auch zu lebhafteren Diskussionen fĂŒhrt, als wenn man nur wenig oder gar nichts Ă€ndern wollen wĂŒrde».
Scholz sieht VerhÀltnis zu Habeck unbelastet
Auf die Frage, ob sein VerhĂ€ltnis zu Wirtschaftsminister Robert Habeck unbelastet sei, sagte Scholz: «Eindeutig ja.» Das Heizungsgesetz fĂ€llt in die Verantwortung des GrĂŒnen-Politikers.
Bereits am Donnerstag hatte Scholz eindringlich an alle Akteure in der Ampel-Koalition appelliert, zu einer Einigung zu kommen. Er habe in dieser Frage «alle sehr dringend gebeten, dass sie in den nÀchsten Wochen die konkreten Fragen, die alle lösbar sind, miteinander lösen», sagte Scholz bei einer Pressekonferenz in Berlin.
Wegen grundsĂ€tzlicher Bedenken hatte die FDP verhindert, dass der vom Kabinett bereits beschlossene Gesetzentwurf zum Heizungstausch in dieser Woche im Bundestag behandelt wird. Wirtschaftsminister Habeck hatte den Liberalen daraufhin «Wortbruch» vorgeworfen. Habeck will nun Vertreter der drei Ampel-Fraktionen SPD, GrĂŒne und FDP zum Austausch ĂŒber das Gesetz treffen.
Klingbeil: «Wir sollten uns alle zusammenreiĂen»
Hintergrund ist unter anderem ein in der «Bild»-Zeitung angekĂŒndigter Fragenkatalog der FDP-FĂŒhrung mit rund 100 Fragen zum Gesetz. Dieser war dem Ministerium zufolge noch nicht eingegangen.
«Was heute Morgen im BMWK eingereicht wurde, sind 77 Fragen der FDP-Berichterstatter», erklÀrte das Ministerium. «Diese Fragen werden bearbeitet und selbstverstÀndlich beantwortet.» In dem Katalog, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, stehen unter anderem Nachfragen zum Einsparpotenzial von Sanierungen ohne Heizungstausch oder zur geplanten Rolle von Biomethan.
Auch SPD-Chef Lars Klingbeil hatte zuletzt zur Einigung aufgerufen. «Der öffentliche Streit hat die Bevölkerung derart verunsichert, wie ich es bei wenigen GesetzentwĂŒrfen zuvor erlebt habe», sagte er dem «Spiegel». «Wir sollten uns alle zusammenreiĂen und schnell zu einem Ergebnis kommen.»
Worum es im neuen Heizungsgesetz geht
In dem Gesetz ist vorgesehen, dass vom kommenden Jahr an jede neueingebaute Heizung zu mindestens 65 Prozent mit Ăko-Energie betrieben werden muss. Alternativ kann auch auf klimaneutral erzeugte WĂ€rme aus einem WĂ€rmenetz umgestellt werden. Der Umstieg soll laut Wirtschaftsministerium sozial abgefedert werden - die Details sind umstritten.
UngeklĂ€rte Fragen gibt es auch bei den PlĂ€nen der Bundesregierung zur WĂ€rmeplanung. Der Bund will die Kommunen ĂŒber die LĂ€nder dazu verpflichten, in den kommenden Jahren konkrete WĂ€rmeplĂ€ne vorzulegen, wie genau sie ihre Heizinfrastruktur klimaneutral umbauen wollen. Dazu sollen umfangreiche GebĂ€udedaten erhoben werden.
«Die vorgesehenen Fristen zur Erhebung der Daten werden die Kommunen zeitlich wie personell ĂŒberfordern», sagte Bernd DĂŒsterdiek vom StĂ€dte- und Gemeindebund der «Rheinischen Post» (Donnerstag). Ăhnlich Ă€uĂerte sich der Landkreistag. «Um die kommunale WĂ€rmeversorgung ĂŒberhaupt umsetzen zu können, brauchen wir echte Technologieoffenheit», sagte Rainhard Sager, PrĂ€sident des Deutschen Landkreistages, der Funke Mediengruppe.
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