FrĂŒhere KZ-SekretĂ€rin Irmgard F. ist tot
07.04.2025 - 16:19:24Die wegen Beihilfe zum Massenmord verurteilte frĂŒhere KZ-SekretĂ€rin Irmgard F. ist tot. Sie sei am 14. Januar im Alter von 99 Jahren gestorben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe. Mehrere Medien hatten zuvor ĂŒber ihren Tod berichtet.Â
Das Landgericht Itzehoe hatte F. am 20. Dezember 2022 wegen Beihilfe zum Mord in 10.505 FĂ€llen sowie zum versuchten Mord in fĂŒnf FĂ€llen zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf BewĂ€hrung verurteilt. Der Bundesgerichtshof bestĂ€tigte das Urteil am 20. August vergangenen Jahres.Â
Im Herbst 2021 hatte sich der Prozessbeginn gegen F. verzögert, weil sie vor dem ersten Termin von ihrem Seniorenheim nach Hamburg geflĂŒchtet war. Das Gericht lieĂ die damals 96-JĂ€hrige fĂŒr fĂŒnf Tage in Untersuchungshaft nehmen.Â
Schreibtischarbeit als BeihilfeÂ
Irmgard F. war als 18- bis 19-jĂ€hrige Frau zwischen Juni 1943 bis April 1945 als Stenotypistin in der Kommandantur des Konzentrationslagers bei Danzig beschĂ€ftigt. Fast die gesamte Korrespondenz des Lagers ging nach Ăberzeugung der Gerichte ĂŒber ihren Schreibtisch. Sie war eine enge Vertraute des Lagerkommandanten Paul Werner Hoppe.
Der SekretĂ€rin wurde die Tötung von HĂ€ftlingen durch die lebensfeindlichen Bedingungen in dem Lager, bei Todestransporten sowie in einer Gaskammer angelastet. Im KZ Stutthof und seinen 39 AuĂenlagern waren nach Angaben des Dokumentationszentrums Arolsen Archives zwischen 1939 und 1945 etwa 110.000 Menschen aus 28 LĂ€ndern inhaftiert. Fast 65.000 ĂŒberlebten nicht.Â
F. wusste ĂŒber das Geschehen im Lager Bescheid
Durch ihre Arbeit habe sie den Verantwortlichen des Konzentrationslagers bei der systematischen Tötung von Inhaftierten Hilfe geleistet. Auch unterstĂŒtzende TĂ€tigkeiten könnten rechtlich als Beihilfe zum Mord angesehen werden. Irmgard F. habe durch ihre Dienstbereitschaft sowohl physische als auch psychische Beihilfe geleitet, erklĂ€rte der Bundesgerichtshof.
Die Bundesrichter gingen aufgrund der Feststellungen des Landgerichts Itzehoe davon aus, dass Irmgard F. sehr genau ĂŒber das Geschehen im Lager Bescheid wusste. Sie blickte demnach von ihrem Arbeitsplatz ĂŒber einen Teil des GelĂ€ndes, sah den Schornstein des Krematoriums, wusste um den elenden Zustand der Gefangenen.Â
Keine neutrale Arbeit als SekretÀrin
Die SekretÀrin habe zudem von Beginn ihrer TÀtigkeit an erkannt, dass die HaupttÀter um Lagerkommandant Hoppe verbrecherisch handelten. Durch ihre treuen Dienste habe sie sich mit ihnen solidarisiert, so dass ihre Handlungen nicht mehr neutral gewesen seien.


