Internationale Energieagentur wird 50
13.02.2024 - 06:35:04Als die Internationale Energieagentur (IEA) vor 50 Jahren inmitten der weltweiten Ălkrise gegrĂŒndet wurde, ging es den westlichen Industriestaaten darum, der Organisation erdölexportierender LĂ€nder (OPEC) eine mĂ€chtige Institution entgegenzusetzen. Nachdem die Exporteure dem Westen den Ălhahn zeitweise abgedreht hatten, war das Hauptziel, den eigenen Ălhunger in Zukunft verlĂ€sslich stillen zu können. Zum 50-jĂ€hrigen Bestehen, das die internationale Organisation am Sitz in Paris an diesem Dienstag und Mittwoch begeht, stehen fĂŒr IEA-Direktor Fatih Birol lĂ€ngst der Abschied von fossilen EnergietrĂ€gern und die Notwendigkeit beschleunigter Anstrengungen fĂŒr den Klimaschutz im Mittelpunkt. Dabei pocht er auf einen Schulterschluss der Industriestaaten mit dem Globalen SĂŒden.
Als Motor des Klimaschutzes sieht Birol die Industriestaaten in der Pflicht, da sie fĂŒr 60 Prozent des in den vergangenen 100 Jahren in die AtmosphĂ€re geblasenen Kohlendioxids verantwortlich seien, zugleich aber nur 15 Prozent der Weltbevölkerung ausmachten. "Sie tragen also eine groĂe Verantwortung, eine moralische Verantwortung im Globalen Norden, denn sie haben diese groĂe Herausforderung geschaffen." AuĂerdem erziele Klimaschutz nur bei weltweiten Anstrengungen Erfolge. "Die Emissionen haben keinen Pass, also wirken sie sich ĂŒberall aus", sagte Birol der Deutschen Presse-Agentur in Paris.
Globaler Norden muss Klimaschutz weltweit unterstĂŒtzen
Eine Tonne CO? habe dieselben schĂ€dlichen Auswirkungen auf Deutschland, ganz egal, ob sie in Dortmund, Detroit oder Manila in die Luft gepustet werde. "Auch wenn die Emissionen in Deutschland morgen auf null gehen, werden die Auswirkungen des Klimawandels auf Deutschland sich nicht Ă€ndern, solange die anderen nicht in dieselbe Richtung gehen", sagte der IEA-Chef. "Unter diesem Gesichtspunkt, und sei es auch nur aus Eigennutz, ist es meines Erachtens eine Aufgabe fĂŒr den Globalen Norden, den Ăbergang zu sauberer Energie in den Schwellen- und EntwicklungslĂ€ndern zu unterstĂŒtzen, damit diese ihre Emissionen reduzieren können." Nötig dazu seien Finanzierungshilfen durch internationale Finanzinstitutionen wie die Weltbank oder regionale Entwicklungsbanken, um saubere Energieprojekte in diesen LĂ€ndern zu fördern.
Die IEA berĂ€t aktuell 31 Regierungen von Australien bis Korea in Energiefragen und veröffentlicht regelmĂ€Ăig Analysen zu Entwicklungen der verschiedenen EnergietrĂ€ger sowie den Aussichten und Bedingungen einer Energiewende. BestĂ€ndig heiĂt es von der Agentur in Paris, der Umstieg auf Erneuerbare beschleunige sich, und eine BeschrĂ€nkung der Erderhitzung auf 1,5 Grad bleibe noch erreichbar, wenn die Anstrengungen zum Verringern der CO?-Emissionen nur forciert wĂŒrden. Zugleich aber vermeldete die IEA unlĂ€ngst eine globale Rekordnachfrage nach Kohle sowie nach Erdöl. Wie passt das zusammen - und sind die Prognosen der Agentur schlicht zu optimistisch, wie Kritiker sagen - oder vom Wunschdenken mancher Mitgliedsstaaten geprĂ€gt?
UnwÀgbarkeiten begleiten Energiewende
Der tatsĂ€chliche Abschied vom Erdöl werde auch davon abhĂ€ngen, ob die Staaten in der Lage seien, ihr weltweites Wirtschaftswachstum vom Energieverbrauch abzukoppeln, sagte kĂŒrzlich der Direktor der Denkfabrik The Shift Project, Matthieu Auzanneau, wie das Nachrichtenmagazin "L'Express" berichtete. Alle Dekarbonisierungsszenarien enthielten auĂerdem sehr ehrgeizige Parameter fĂŒr die Energieeffizienz, die UnwĂ€gbarkeiten unterlĂ€gen. Politische UmschwĂŒnge könnten zudem nationale Klimastrategien leicht infrage stellen. Es genĂŒge, dass klimakonservative Regierungen an der Macht blieben oder an die Macht kĂ€men, um den Ausstieg aus fossilen Energiequellen weiter in die Zukunft zu verschieben.
"Unser Handlungsspielraum ist heute sehr begrenzt. Daher mĂŒssen die Entscheidungen, die wir im Energiesektor treffen mĂŒssen, radikaler und grundlegender sein, als wenn wir diese Entscheidungen vor 20, 30 Jahren getroffen hĂ€tten", sagte Birol. "Wir haben nicht mehr viel Zeit." Wenn man die Klimaziele des Pariser Abkommens erreichen wolle, könne man sich keinen weiteren Anstieg der Nutzung fossiler Brennstoffe leisten. "Wir mĂŒssen uns also fĂŒr eines von beiden entscheiden. Entweder wir nutzen weiterhin viele fossile Brennstoffe und können unsere Klimaziele nicht erreichen und beginnen auf einem Planeten zu leben, auf dem es viel mehr extreme Wetterereignisse, viel mehr Hitzewellen, Ăberschwemmungen, RegenfĂ€lle und anderes gibt, oder wir reduzieren unsere AbhĂ€ngigkeit von fossilen Brennstoffen."

