Razzia gegen Schleuser geht in NRW weiter
18.04.2024 - 09:52:05Die am Mittwoch in acht BundeslĂ€ndern ausgefĂŒhrte Razzia gegen Schleuser ist in Nordrhein-Westfalen fortgesetzt worden. Etwa 600 Beamte von Bundespolizei und Staatsanwaltschaft seien im Einsatz und durchsuchten seit 6 Uhr morgens insgesamt 116 Objekte, ĂŒberwiegend Wohnungen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Es gehe um denselben Einsatz wie am Mittwoch. «Das war an einem Tag nicht abzuhandeln», sagte der Sprecher. «Das ist der gleiche Kontext. Wenn der gestrige Tag 48 Stunden gehabt hĂ€tte und nicht nur 24, hĂ€tten wir es gestern schon geschafft.»
Am Mittwoch habe der Schwerpunkt auf der Vollstreckung von Haftbefehlen und der Sicherstellung von Beweismaterial gelegen, am Donnerstag liege der Schwerpunkt ebenfalls auf der Sicherstellung von Beweismaterial und zusĂ€tzlich auf der Feststellung von mutmaĂlich geschleusten Menschen. Ziel sei herauszufinden, ob die mutmaĂlich Geschleusten tatsĂ€chlich an den angeblichen Anschriften gewohnt haben.
Schwerpunkt im Raum DĂŒren
Die am Donnerstag durchsuchten Wohnungen befanden sich den Angaben zufolge in Bergheim, Bonn, DĂŒren, DĂŒsseldorf, Frechen, HĂŒrtgenwald, Inden, JĂŒlich, Kerpen, Köln, Kaarst, Linnich, Meerbusch, Merzenich, MĂŒlheim an der Ruhr, Ratingen, Solingen und Swisttal.
Eindeutiger Schwerpunkt sei der Raum DĂŒren, sagte der Sprecher der Bundespolizei. In einer StraĂe in der Innenstadt von DĂŒren durchsuchte die Polizei nach Beobachtung eines dpa-Reporters Wohnungen in mehreren nebeneinander liegenden HĂ€usern. In der Stadt bei Aachen war am Mittwoch ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung verhaftet worden.
Bis zu 360.000 Euro fĂŒr Vermittlung einer Aufenthaltserlaubnis
Den Angaben der Behörden zufolge war bei der Razzia am Mittwoch eine international agierende Schleuserbande zerschlagen worden, die sich besonders auf reiche Menschen aus China und Oman spezialisiert haben soll. Ăber 100 Wohnungen, GeschĂ€ftsrĂ€ume und Behörden wurden dabei durchsucht und zehn Beschuldigte verhaftet. Bis zu 360.000 Euro kostete die Vermittlung einer Aufenthaltserlaubnis im Einzelfall, wie Staatsanwalt Hendrik Timmer in DĂŒsseldorf erlĂ€uterte.
HauptverdĂ€chtige sind zwei 42 und 46 Jahre alte RechtsanwĂ€lte aus dem Raum Köln. Der Tatvorwurf lautet auf banden- und gewerbsmĂ€Ăiges Schleusen von AuslĂ€ndern sowie auf Bestechung und Bestechlichkeit von Mitarbeitern lokaler Behörden. FĂŒr gewerbsmĂ€Ăiges Einschleusen drohen Freiheitsstrafen bis zu 15 Jahren.
Angeworben wurden die finanzkrĂ€ftigen AuslĂ€nder - auch aus SĂŒdafrika und Indien - nach Angaben der Ermittler ĂŒber ein sogenanntes «Residenz-Programm» im Internet. Dort seien nicht nur das Gesundheits- und Bildungssystem Deutschlands beworben, sondern auch die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft in Aussicht gestellt worden. Ausgenutzt worden seien Sonderregeln des Aufenthaltsgesetzes fĂŒr SelbststĂ€ndige und FachkrĂ€fte.


