Brandanschlag, Synagoge

Brandanschlag auf Synagoge - GestÀndnis beim Psychiater

21.12.2023 - 13:38:24 | dpa.de

An der Mauer der Ulmer Synagoge wurde 2021 ein Feuer gelegt, die Tat sorgte bundesweit fĂŒr Aufsehen. Die Anklage vermutet antisemitische Motive. Nun hat der Prozess gegen einen 47 Jahre alten Mann begonnen.

Mit Handschellen gefesselt sitzt der Angeklagte im Ulmer Landgericht. - Foto: Stefan Puchner/dpa
Mit Handschellen gefesselt sitzt der Angeklagte im Ulmer Landgericht. - Foto: Stefan Puchner/dpa

Der Brandanschlag auf die Synagoge in Ulm sorgte vor zweieinhalb Jahren bundesweit fĂŒr Aufsehen: Seit Donnerstag muss sich nun ein 47 Jahre alter Mann wegen versuchter schwerer Brandstiftung und SachbeschĂ€digung vor dem Landgericht der baden-wĂŒrttembergischen Stadt verantworten. Der Staatsanwalt sagte, der Angeklagte habe aus mutmaßlich antisemitischen Motiven im Juni 2021 eineinhalb bis zwei Liter Benzin an der sĂŒdlichen Wand der Synagoge verschĂŒttet und dann mit einem Feuerzeug angezĂŒndet. Ziel sei es gewesen, dass das Feuer wesentliche Teile der Synagoge erfasse. Verletzt wurde niemand, es entstand aber Sachschaden in Höhe von mehreren Tausend Euro.

Der tĂŒrkische Angeklagte machte beim Prozessauftakt keine Angaben zur Tat, hatte aber vorher beim psychiatrischen SachverstĂ€ndigen gestanden. Dieser berichtete, dass der Mann gesagt habe, dass er auf das Leid der PalĂ€stinenser in der Auseinandersetzung mit Israel aufmerksam machen wollte. Der Angeklagte habe erklĂ€rt, dass er ein Zeichen setzen wollte. «Wenn die anderen nichts machen, mache ich selber etwas», habe er dem SachverstĂ€ndigen zufolge gesagt.

Bei dem Brand gingen die Flammen weitgehend von alleine aus. Passanten informierten die Feuerwehr, ein Polizist konnte den Brand mit einem Feuerlöscher endgĂŒltig löschen. In dem GebĂ€ude waren zum Tatzeitpunkt keine Menschen.

47-JÀhriger sei ein «fehlgeleiteter Idealist»

Der Anwalt des Mannes sagte, die Anklage sei von der Staatsanwaltschaft viel zu hoch gehĂ€ngt worden. Der 47-JĂ€hrige sei ein «fehlgeleiteter Idealist». Er habe ohne politische AnsprĂŒche gehandelt. Es sei lediglich die Mauer und ein Fenster verrußt worden. «Mehr war nicht. Das Vorgehen war ungeeignet, ein GebĂ€ude zu zerstören.»

Nach Aussagen von Zeugen entfernte sich der TĂ€ter nach der Legung des Feuers schnell wieder. Er fuhr nach Angaben des Psychiaters zurĂŒck in seine Wohnung und dachte, er werde bald von der Polizei festgenommen.

Nach dem Mann war nach der Tat öffentlich mit Bildern gefahndet worden. Er war laut Stuttgarter Staatsanwaltschaft zunĂ€chst in die TĂŒrkei geflĂŒchtet. Weil diese wie Deutschland eigene StaatsbĂŒrger nicht ausliefert, waren die rechtlichen Mittel der Ermittler zur Strafverfolgung zunĂ€chst ausgeschöpft. Doch als der VerdĂ€chtige Anfang Juli 2023 ĂŒber den Stuttgarter Flughafen wieder nach Deutschland einreiste, wurde er festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

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