Angela Merkel, Friedrich Merz

Angela Merkel: Warum die Kanzlerin a. D. jetzt wieder so viele Fans hat

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Angela Merkel begeistert auch Jahre nach ihrem Abschied aus dem Kanzleramt ein großes Publikum. Die Nostalgie fällt in eine Zeit, in der Friedrich Merz mit schlechten Umfragewerten und wachsendem politischen Streit kämpft.

  • Altkanzlerin Merkel zeigt sich fünf Jahre nach ihrem Abschied aus dem Amt wieder häufig in der Öffentlichkeit. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Altkanzlerin Merkel zeigt sich fünf Jahre nach ihrem Abschied aus dem Amt wieder häufig in der Öffentlichkeit. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Bei ihrer Lesung in Peenemünde erhielt Angela Merkel viel freundlichen Applaus von den 1.200 Menschen im Publikum. (Archivbild) - Bild: Stefan Sauer/dpa
    Bei ihrer Lesung in Peenemünde erhielt Angela Merkel viel freundlichen Applaus von den 1.200 Menschen im Publikum. (Archivbild) - Bild: Stefan Sauer/dpa
Altkanzlerin Merkel zeigt sich fünf Jahre nach ihrem Abschied aus dem Amt wieder häufig in der Öffentlichkeit. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa Bei ihrer Lesung in Peenemünde erhielt Angela Merkel viel freundlichen Applaus von den 1.200 Menschen im Publikum. (Archivbild) - Bild: Stefan Sauer/dpa

Angela Merkel erlebt rund fünf Jahre nach ihrem Abschied aus dem Kanzleramt eine neue Welle der Aufmerksamkeit: Ihr Porträt im Berliner Bode-Museum zieht so viele Besucher an, dass die Ausstellung bis zum 3. Januar verlängert wird.

Porträt lockt Besucher an

Das Gemälde des Künstlers Jérémie Queyras zeigt Merkel im blauen Blazer und mit ihrer bekannten Frisur. Am Sonntag will die frühere Kanzlerin Postkarten mit dem Porträtmotiv signieren.

Auch außerhalb des Museums ist Merkel wieder präsent. Sie trat im Februar erstmals seit längerer Zeit bei einem CDU-Parteitag auf, war bei öffentlichen Veranstaltungen zu sehen und wirbt auf einer Lesetour für ihre 736-seitige Autobiografie „Freiheit“. Nach Angaben ihres Verlags wurde das Buch weltweit mehr als eine Million Mal verkauft.

Viele verbinden Merkel mit Sicherheit

Bei Lesungen berichten Besucher vor allem von Merkels Ruhe, ihrer sachlichen Art und dem Gefühl politischer Sicherheit, das sie vermittelt habe. Gelobt werden zudem ihre Regierungsjahre, in denen sie unter anderem die Finanzkrise, die Flüchtlingsbewegung und die Corona-Pandemie bewältigt habe.

Bei einer Lesung in Peenemünde erhielt Merkel vor rund 1.200 Menschen viel Applaus. Besonders deutlich fiel die Zustimmung aus, als sie Einsatz für die Demokratie forderte und für „Maß und Mitte“ als Grundlage erfolgreicher demokratischer Parteien warb.

Rückblick belastet Nachfolger

Für Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz ist die Popularität seiner Vorgängerin politisch unbequem. Merz hatte einen klaren Kurswechsel und eine profiliertere konservative Linie angekündigt. Nach gut einem Jahr im Amt sind seine Zustimmungswerte jedoch niedrig; zugleich liegt die AfD in bundesweiten Umfragen vor der Union.

Der Forsa-Geschäftsführer Peter Matuschek führt Merkels bessere Bewertung neben Nostalgie auch auf ihre schon zu Amtszeiten hohen Zustimmungswerte zurück. Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte verweist auf ihren unaufgeregten und für viele verständlichen Kommunikationsstil.

Merkel im direkten Vergleich vorn

In einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hielten 48 Prozent der gut 2.000 Befragten Merkel für besser geeignet, die heutigen Probleme Deutschlands zu lösen, als Merz. 29 Prozent sahen beide gleichauf, acht Prozent bewerteten Merkel schlechter.

Nostalgie als Reaktion auf Unsicherheit

Die erneute Aufmerksamkeit für Angela Merkel fällt in eine Phase, in der politische Konflikte sichtbarer und Mehrheiten schwieriger geworden sind. Kriege in Europa und im Nahen Osten, wirtschaftlicher Druck und ein schärferer öffentlicher Ton verstärken den Wunsch nach Orientierung. Merkels früherer Stil – ruhiges Auftreten, vorsichtige Formulierungen und der Anspruch, Konflikte kontrollierbar erscheinen zu lassen – wird dadurch im Rückblick aufgewertet.

Diese Erinnerung blendet jedoch aus, dass ihre Regierungszeit ebenfalls von tiefen Auseinandersetzungen geprägt war. Die Flüchtlingspolitik, die Bewältigung der Corona-Pandemie, die Abhängigkeit von russischer Energie und die schleppende Modernisierung Deutschlands werden bis heute unterschiedlich bewertet. Nostalgie beschreibt daher weniger eine vollständige Bilanz als eine gegenwärtige Sehnsucht nach politischer Berechenbarkeit.

Bedeutung für Friedrich Merz

Für Friedrich Merz verschärft der Vergleich den politischen Erwartungsdruck. Aktuelle Umfragen zeigen zwar unterschiedliche Werte, weisen aber übereinstimmend auf eine schwache Position der Union und eine hohe Unzufriedenheit mit Kanzler und Bundesregierung hin. In einer INSA-Erhebung vom 28. September bis 2. Oktober lag die AfD bei 30 Prozent, die Union bei 18 Prozent; die statistische Fehlertoleranz begrenzt jedoch die Aussagekraft kleiner Veränderungen.

Merkels Popularität lässt sich nicht einfach auf heutige Regierungsfähigkeit übertragen. Sie beruht auch auf langjähriger Amtsvertrautheit und zeitlichem Abstand. Für Leser bedeutet die Debatte deshalb vor allem: Der Vergleich misst gegenwärtige Erwartungen an politische Stabilität, nicht die konkrete Möglichkeit einer Rückkehr Merkels ins Kanzleramt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „AfD in Umfrage zwölf Punkte vorne: Union stürzt unter Merz auf Rekordtief von nur noch 18 Prozent“ (03.10.2026)

Der Bericht schreibe, die AfD erreiche im INSA-Sonntagstrend 30 Prozent und liege damit zwölf Punkte vor der Union. Er hebe außerdem hervor, nur 15 Prozent seien mit der Arbeit von Friedrich Merz zufrieden, und ordne die Zahlen in den Streit der schwarz-roten Koalition ein.

Berliner Zeitung: „AfD erreicht 30 Prozent: Union fällt in Insa-Umfrage auf Rekordtief“ (03.10.2026)

Die Berliner Zeitung bestätige die Umfragewerte, setze aber einen anderen Schwerpunkt auf die methodischen Grenzen. Sie betone, die Veränderungen lägen innerhalb der Fehlertoleranz und die Erhebung sei lediglich eine Momentaufnahme; zudem unterschieden sich die Werte je nach Institut.

Beide Berichte stellten die schwache Lage der Union und die starke Position der AfD heraus. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung: Der Tagesspiegel betone die politischen Folgen für mögliche Mehrheiten, während die Berliner Zeitung die statistische Einordnung und die begrenzte Aussagekraft einzelner Umfragen hervorhebe.

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