MinisterprĂ€sident Schweitzer hĂ€lt die SPD fĂŒr zu langweilig
24.08.2025 - 05:00:00"Diesen Geist mĂŒssen wir in uns selbst entfachen, damit andere begeistern", sagte Schweitzer: "Viele Menschen warten nur auf ein starkes, emotional berĂŒhrendes Gegenangebot aus der politischen Mitte zum Hass der AfD." Die SPD brauche "eine eigene politische Botschaft, ein attraktives Angebot, das die Menschen erreicht und berĂŒhrt", sagte Schweitzer, der seit Juni stellvertretender SPD-Vorsitzender ist. Erfolgreiches Regieren in Bund, LĂ€ndern und Kommunen sei wichtig, reiche aber nicht aus. "Ich habe den Eindruck, die SPD ist fĂŒr viele etwas zu langweilig geworden. Wir brauchen neue politische Ideen und Impulse, einen neuen Stil", sagte der Mainzer Regierungschef. Die SPD sei "manchmal zu technokratisch", und die Menschen wollten nicht nur bĂŒrokratische Antworten in Spiegelstrichen. "Die Welt dreht sich dramatisch. Darauf sollte die SPD auch mal grundsĂ€tzlich antworten", sagte Schweitzer: "Wenn Sie so wollen: Wir mĂŒssen mehr mit dem Herzen argumentieren, nicht nur mit dem Taschenrechner." Er wolle frĂŒhere SPD-WĂ€hler zurĂŒckgewinnen, indem die Sozialdemokraten nicht nur sauber regierten, sagte Schweitzer, "sondern Menschen auch begeistern können." In der Debatte um die Zukunft des Sozialstaates forderte der rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sident Union und SPD dazu auf, ihre "GrabenkĂ€mpfe" und "parteipolitischen Rituale" zu beenden. "Unser Sozialstaat ist zu analog, zu altmodisch", sagte Schweitzer dem "Tagesspiegel". "Es gibt zu viele Akteure: Kommunen, Kommunen untereinander, Kommunen nebeneinander, Kommunen und Land, Land und Bund, die Sozialversicherungen." Der SPD-Vize sagte weiter: "Wir geben sehr viel Geld aus, um den Sozialstaat zu verwalten, anstatt ihn zu gestalten." Wer den Sozialstaat erhalten wolle, mĂŒsse ihn modernisieren. "Diese Debatte muss die SPD prĂ€gen, vorantreiben. Die SPD muss mehr leisten, als von der Grundlinie aus AbwehrbĂ€lle zu schlagen." "Mich Ă€rgern die parteipolitischen Rituale", sagte Schweitzer. Noch immer höre er von CDU-GeneralsekretĂ€r Carsten Linnemann "das alte Lied, gekĂŒrzte Sozialleistungen machten alles gut", sagte Schweitzer: "Das ist genauso schĂ€dlich wie die Behauptung, am Sozialstaat dĂŒrfe sich nichts Ă€ndern. Union und SPD mĂŒssen raus aus diesen GrabenkĂ€mpfen." Mit Blick auf die geplante Reform des BĂŒrgergeldes sagte Schweitzer, das beste BĂŒrgergeld sei das, "das nicht ausgezahlt werden muss. Wir mĂŒssen Menschen besser und schneller befĂ€higen, mit eigener Arbeit ein Leben aus eigener Regie zu fĂŒhren. Das ist der Anspruch, nicht die ritualisierte Debatte Ă la: Wem nehmen wir was weg?"

