Anne Rabe, Rechtsextremismus

Anne Rabe sieht Deutschland nach Sachsen-Anhalt-Wahl in Krise

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 15:58 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Autorin Anne Rabe warnt nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor einer großen politischen Krise und kritisiert eine Verharmlosung von Rechtsextremismus. Zugleich hebt sie die StĂ€rke zivilgesellschaftlicher Initiativen im Osten hervor, die trotz Bedrohungen gegen rechtsextreme Strukturen arbeiten.

Rabe sieht Deutschland in großer politischer Krise
Anne Rabe (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Autorin Anne Rabe sieht Deutschland nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in einer großen politischen Krise und wirft Politik und Gesellschaft eine Verharmlosung von Rechtsextremismus vor. In einem GesprĂ€ch fĂŒr das „Interview der Woche" der ARD sprach sie von einer Krise „fĂŒr die Bundesrepublik, so wie sie sich verstanden hat".

Rechtsextremismus als dauerhafte Gewaltbedrohung

Rabe bezeichnet Rechtsextremismus als die Form von Terrorismus und Gewalt, die in der Geschichte der Bundesrepublik kontinuierlich vorhanden gewesen sei. Als Beispiel nannte sie die Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU), deren Opfer jahrelang von Sicherheitsbehörden falsch eingeordnet wurden.

Sie kritisierte das in Deutschland verbreitete Selbstbild, man sei antifaschistisch und zugleich „Erinnerungsweltmeister". Dieses SelbstverstĂ€ndnis verstelle nach ihrer EinschĂ€tzung den Blick darauf, wie dauerhaft rechtsextreme Gewalt sei und wie viele Tote und Verletzte sie verursache.

Sorge um Initiativen und Vereine im Osten

Rabe berichtete von engagierten BĂŒrgerinitiativen im Osten, etwa in Görlitz, die ein ausgeprĂ€gtes Problembewusstsein hĂ€tten, weil sie sich seit langem mit Rechtsextremismus auseinandersetzten. Diese Menschen erlebten nach ihren Worten Bedrohungen im Alltag und fĂŒrchten KĂŒrzungen, die den Verlust ihrer RĂ€ume und Schutzorte zur Folge haben könnten.

Besonders in BundeslĂ€ndern wie Sachsen-Anhalt nĂ€hmen Akteure der AfD Vereine gezielt ins Visier, sagte Rabe. Die Frage, ob Projekte weiterhin gefördert werden, berĂŒhre direkt die Sicherheit und HandlungsfĂ€higkeit derjenigen, die sich vor Ort gegen rechtsextreme Strukturen stellen.

StÀrkere Zivilgesellschaft als Unterschied zu den 1990ern

Trotz der von ihr beschriebenen Lage sieht Rabe auch ermutigende Entwicklungen. Angesichts der weltweiten politischen Situation gebe es zwar aus ihrer Sicht wenig Anlass zur Zuversicht. Gleichwohl imponierten ihr besonders die Menschen im lĂ€ndlichen Raum in Ostdeutschland, die sich von Drohungen und RĂŒckschlĂ€gen nicht entmutigen ließen.

Diese laute und vielfĂ€ltige Zivilgesellschaft sei, so Rabe, der wesentliche Unterschied zu den 1990er- und 2000er-Jahren. Im Vergleich zu frĂŒher sei etwas vorangegangen; die heute aktiven Initiativen beschreibt sie als „echt starke Leute".

Die EinschĂ€tzung Anne Rabes fĂ€llt in eine Phase, in der Wahlergebnisse und Umfragen auf eine anhaltende StĂ€rke rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien in mehreren ostdeutschen BundeslĂ€ndern hinweisen. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht dabei beispielhaft fĂŒr politische Verschiebungen, die etablierte Parteien unter Druck setzen und die Frage nach der StabilitĂ€t demokratischer Institutionen neu aufwerfen.

Rechtsextreme Gewalt und Erinnerungskultur

Wenn Rabe Rechtsextremismus als kontinuierliche Form von Terrorismus und Gewalt bezeichnet und an die NSU-Morde erinnert, verweist sie auf eine lange Kette von rechtsterroristischen Taten und Angriffen gegen Minderheiten, Kommunalpolitiker und engagierte BĂŒrger. Die Spannung, die sie beschreibt, liegt zwischen einem Selbstbild als aufgeklĂ€rte und erinnerungsbewusste Demokratie und der RealitĂ€t wiederkehrender AnschlĂ€ge, Drohungen und EinschĂŒchterungsversuche.

Ihre Kritik zielt auf eine politische und gesellschaftliche Tendenz, rechtsextreme Akteure und ihre Netzwerke als randstĂ€ndig zu betrachten, obwohl sie vielerorts den öffentlichen Raum prĂ€gen. Der Verweis auf „Erinnerungsweltmeisterei“ macht deutlich, dass Gedenkkultur allein keine Garantie fĂŒr wirksame PrĂ€vention und konsequente Strafverfolgung bietet.

Zivilgesellschaft im Osten und politische Konsequenzen

Der besondere Fokus auf lĂ€ndliche Regionen in Ostdeutschland zeigt, dass dort vielerorts engagierte BĂŒrgerinitiativen und Vereine die erste Schutzlinie gegen rechtsextreme Strukturen bilden. Ihre Arbeit hĂ€ngt hĂ€ufig von kommunaler und Landesförderung ab. Wenn diese Mittel gekĂŒrzt oder politisch infrage gestellt werden, geraten gerade jene Orte unter Druck, die demokratische Teilhabe und Schutz fĂŒr Betroffene organisieren.

Rabes Hinweis auf eine lautere und vielfĂ€ltigere Zivilgesellschaft im Vergleich zu den 1990er- und 2000er-Jahren hebt zugleich einen positiven Wandel hervor: Es gibt heute mehr Erfahrung im Umgang mit rechtsextremen Bedrohungen, mehr Vernetzung und professionellere Projekte. Ihre Diagnose einer großen politischen Krise verbindet sich daher mit einem Appell, diese Strukturen nicht zu schwĂ€chen, sondern gezielt zu stĂ€rken, um demokratische Praxis im Alltag zu sichern.

Disclaimer...

de | politik | 70125953 |