Wuppertal, Antisemitismus

Antisemitischer Brandanschlag Wuppertal: 37-Jähriger zündet Brandsatz an Synagoge

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 14:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Ein 37-jähriger Afghane soll einen Brandsatz an der Bergischen Synagoge in Wuppertal gelegt und sich klar antisemitisch geäußert haben. Der Zentralrat der Juden und die Politik reagieren mit scharfer Kritik und Forderungen nach Konsequenzen.

  • Spurensicherung am Tatort. (Archivbild) - Bild: Christoph Petersen/dpa
    Spurensicherung am Tatort. (Archivbild) - Bild: Christoph Petersen/dpa
  • Spuren der Brandstiftung. (Archivbild) - Bild: Matthias Rosenkranz/dpa
    Spuren der Brandstiftung. (Archivbild) - Bild: Matthias Rosenkranz/dpa
Spurensicherung am Tatort. (Archivbild) - Bild: Christoph Petersen/dpa Spuren der Brandstiftung. (Archivbild) - Bild: Matthias Rosenkranz/dpa

An der Bergischen Synagoge in Wuppertal hat ein 37-jähriger Afghane einen Brandsatz gelegt und damit einen Brandanschlag ausgelöst.

Verdächtiger nach Anschlag vorgeführt

Nach dem Angriff soll der Mann einem Haftrichter vorgeführt werden. Nach Angaben der Wuppertaler Staatsanwaltschaft habe er sich klar antisemitisch geäußert. Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund der Tat seien bislang nicht festgestellt worden. Gegen den Verdächtigen wird wegen versuchter schwerer Brandstiftung ermittelt.

Ablauf der Tat und Festnahme

Der 37-Jährige soll zwei Beutel mit Flüssigkeit gegen die Synagoge geworfen und einen dritten Beutel an einer Nebentür ausgegossen haben. Die brennbare Flüssigkeit soll er anschließend entzündet haben. Der Mann wurde in Tatortnähe von Sicherheitskräften festgenommen. Der Brand war auf einer Treppe an einem Nebeneingang der Synagoge gelegt worden.

Durchsuchung und Vorstrafen

Die Wohnung des Beschuldigten ist noch am Donnerstag durchsucht worden. Ermittler fanden dabei ein Mobiltelefon, dessen Auswertung andauert, sowie mehrere Messer und eine Machete, die griffbereit gelegen haben sollen. Der Verdächtige hat nach Angaben von Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert bereits eine Vorstrafe wegen der Bedrohung einer Nachbarin.

Schaden gering, Polizei sucht Zeuginnen

Das Feuer konnte von Mitarbeitern der Synagoge mit einem Feuerlöscher schnell gelöscht werden. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden ist nach Polizeiangaben gering. Die Polizei sucht zwei junge Frauen als mögliche Zeuginnen, die sich zur Tatzeit in unmittelbarer Nähe der Synagoge aufgehalten haben sollen. Die Tat ereignete sich am Donnerstag gegen 14.00 Uhr.

Jüdische Organisationen verurteilen Anschlag

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat den Brandanschlag scharf verurteilt. Zentralratspräsident Josef Schuster erklärte, erneut sei es in der Zeit der jüdischen hohen Feiertage zu einem Anschlag auf eine Synagoge gekommen. Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein reagierte mit Entsetzen und verwies darauf, dass der Versuch, am helllichten Tag vor laufender Sicherheitskamera das Gebäude in Brand zu setzen, erneut vor Augen führe, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland nicht sicher seien.

Erinnerungen an Halle und frühere Attacke in Wuppertal

Der erneute Anschlag wenige Tage vor Jom Kippur weckt nach Darstellung der Gemeinde Erinnerungen an den tödlichen Angriff auf die Synagoge in Halle im Jahr 2019. Die Kameraaufzeichnungen aus Wuppertal sollen deutlich zeigen, dass der Angreifer maximalen Schaden anrichten und menschliche Opfer in Kauf nehmen wollte. Die Gemeinde spricht von einem verstörenden Vorgang, der endlich spürbare Konsequenzen nach sich ziehen müsse.

Reaktion der Stadt und Hintergrund

Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (SPD) verurteilte die Tat als „sehr schäbig“ und rief zur Solidarität mit der Jüdischen Kultusgemeinde auf. Die Bergische Synagoge wurde 2002 eröffnet, der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal gehören gut 2.000 Menschen an. Bereits 2014 war ein Brandanschlag auf die Synagoge verübt worden. Drei Palästinenser hatten damals gestanden und angegeben, mit der Tat Aufmerksamkeit auf den Gaza-Konflikt lenken zu wollen. Sie erhielten Bewährungsstrafen.

Antisemitische Gewalt gegen jüdische Einrichtungen

Der Angriff auf die Bergische Synagoge in Wuppertal reiht sich in eine Serie antisemitischer Straftaten gegen jüdische Einrichtungen in Deutschland ein. Dass der Verdächtige sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft eindeutig antisemitisch geäußert haben soll, unterstreicht den Charakter der Tat als Angriff auf die jüdische Gemeinde. Besonders schwer wiegt, dass der Brandsatz mitten am Tag und vor laufender Sicherheitskamera gezündet wurde – in einer Zeit, in der die Gemeinde sich auf die hohen jüdischen Feiertage vorbereitet.

Vorgeschichte und Sicherheitslage

Bereits 2014 war die Synagoge in Wuppertal Ziel eines Brandanschlags, dessen Täter mit dem Gaza-Konflikt argumentierten und später Bewährungsstrafen erhielten. Die erneute Tat wenige Tage vor Jom Kippur weckt bewusst Erinnerungen an den rechtsterroristischen Anschlag von Halle 2019, bei dem ein schwer bewaffneter Täter versucht hatte, in eine Synagoge einzudringen. Solche Bezüge zeigen, dass jüdische Einrichtungen trotz baulicher Sicherungen, Videoüberwachung und Polizeischutz weiterhin als symbolische und reale Ziele wahrgenommen werden.

Politische und gesellschaftliche Konsequenzen

Die scharfen Reaktionen des Zentralrats der Juden, des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein und der Wuppertaler Oberbürgermeisterin deuten darauf hin, dass es nicht nur um die strafrechtliche Aufarbeitung geht. Gefordert werden „spürbare Konsequenzen“ – dazu gehören verschärfte Sicherheitskonzepte, eine konsequente Verfolgung antisemitischer Straftaten und eine breitere gesellschaftliche Debatte über Judenfeindlichkeit. Für die rund 2.000 Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal steht dabei die alltägliche Frage im Raum, wie sicher Gottesdienste, Gemeindeveranstaltungen und der öffentliche jüdische Alltag künftig sein können.

Disclaimer...

de | politik | 70125532 |