Arzttermine: Kassen fordern Vorrang nach medizinischem Bedarf
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 12:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPolitische Schritte für gleiche Arzttermine
- Stefanie Stoff-Ahnis fordert eine Reihenfolge, die sich ausschließlich am medizinischen Bedarf orientiert.
- CSU-Politiker Klaus Holetschek will prüfen lassen, ob Terminportale den Versicherungsstatus abfragen dürfen.
- SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis verlangt zusätzlich eine Termingarantie.
- Das geplante Primärversorgungssystem soll Patienten künftig besser durch das Gesundheitssystem leiten.
Kassen fordern gleiche Regeln bei Arztterminen
Gesetzlich Versicherte sollen nach dem Willen der Krankenkassen künftig unabhängig von ihrem Versicherungsstatus Termine nach medizinischer Notwendigkeit erhalten. Die stellvertretende Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Stefanie Stoff-Ahnis, nannte Änderungen bei der Terminvergabe in Berlin überfällig.
Schwarz-rote Forderungen
Stoff-Ahnis sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei ein gutes Signal für die 75 Millionen gesetzlich Versicherten, dass das Problem politisch in seiner ganzen Tragweite angekommen sei. Die Frage nach der Art der Krankenversicherung sei faktisch ein Instrument zur Diskriminierung gesetzlich Versicherter.
Auch CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek dringt auf Veränderungen. Er sagte der „Bild“-Zeitung, es sollte darüber nachgedacht werden, ob Onlineportale für Terminvergaben künftig noch abfragen dürfen, ob ein Patient gesetzlich oder privat versichert ist.
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Termingarantie und Primärversorgung
SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis sprach sich ebenfalls für eine Änderung aus. Er forderte eine Termingarantie und eine Terminvergabe nach medizinischer Dringlichkeit.
Stoff-Ahnis verwies auf das Modell eines Primärversorgungssystems. Patientinnen und Patienten könnten künftig durch bestimmte Arztpraxen als erste Ansprechpartner besser durch das Gesundheitssystem geleitet werden.
Koalition plant neues Versorgungssystem
Auch die Koalition will ein solches System auf den Weg bringen. Nach Einschätzung der Kassenfunktionärin könnten Termine dadurch zielgerichteter und vor allem nach dem medizinischen Bedarf vergeben werden.
Die Debatte über gleiche Zugangsbedingungen zu Facharztterminen berührt einen strukturellen Unterschied des deutschen Gesundheitswesens: Praxen rechnen gesetzlich und privat Versicherte nach unterschiedlichen Vergütungssystemen ab. Daraus entstehen seit Jahren Anreize, die Terminvergabe nicht ausschließlich an der medizinischen Dringlichkeit auszurichten.
Der Vorstoß der Krankenkassen trifft auf politische Forderungen, die über eine bloße Änderung von Onlineformularen hinausgehen. Vorgeschlagen werden eine Versicherungsabfrage ohne Einfluss auf die Reihenfolge sowie eine verbindliche Termingarantie. Entscheidend wäre dabei, wie medizinischer Bedarf einheitlich bewertet und kontrolliert wird.
Primärversorgung als möglicher Hebel
Das von der Koalition geplante Primärversorgungssystem könnte die Steuerung verbessern. Bestimmte Praxen sollen als erste Anlaufstelle dienen und Patientinnen und Patienten gezielter durch das System leiten. Das könnte unnötige Facharztkontakte reduzieren und dringliche Fälle schneller weiterleiten, setzt aber ausreichende Kapazitäten bei Hausärzten, Terminservicestellen und Fachpraxen voraus.
Für gesetzlich Versicherte wäre eine Umsetzung vor allem dann spürbar, wenn sie Wartezeiten tatsächlich verkürzt und nicht lediglich die Abfrage des Versicherungsstatus abschafft. Für Praxen blieben Fragen der Vergütung, der Bürokratie und der verfügbaren Behandlungskapazitäten zentral. Die politische Forderung markiert damit den Beginn eines Reformprozesses, dessen Wirkung erst an konkreten Regeln und zusätzlichen Terminen messbar würde.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR: „Holetschek schlägt Versicherungs-neutrale Facharzttermine vor“ (21.10.2026)
Der Bericht bestätigt den Vorschlag, Facharzttermine ohne Unterscheidung nach dem Versicherungsstatus zu vergeben. Zusätzlich hebt er die Forderung des SPD-Politikers Christos Pantazis nach einer Termingarantie und einer Orientierung an medizinischer Dringlichkeit hervor.
BR: „Holetschek-Vorschlag: Facharzttermin ohne Versicherungsabfrage“ (21.10.2026)
Auch dieser Beitrag stellt den Verzicht auf die Versicherungsabfrage in den Mittelpunkt und nennt Pantazis’ Forderung nach einer verbindlichen Termingarantie. Unterschiede ergeben sich vor allem in der Schwerpunktsetzung: Während der erste Bericht die politische Initiative bündelt, fokussiert der zweite auf die konkrete Abfrage bei der Terminvergabe.
Übereinstimmung besteht bei der Forderung nach einer stärker versicherungsneutralen Terminvergabe. Offen bleibt, wie medizinische Dringlichkeit praktisch bewertet und eine Termingarantie organisatorisch sowie finanziell umgesetzt werden soll.

