Arzttermine: Koalition fordert gleiche Regeln fĂŒr gesetzlich Versicherte
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 15:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWartezeiten und ReformplÀne im Gesundheitswesen
- Carsten Linnemann will im November einen Entwurf fĂŒr ein PrimĂ€rversorgungssystem vorlegen.
- Das geplante System soll Hausarztpraxen stÀrker in die Vermittlung von Facharztterminen einbinden.
- Gesetzlich Versicherte warten je nach Untersuchung im Schnitt 36 bis 41 Tage auf einen Termin.
Koalition streitet ĂŒber gleiche Regeln bei Arztterminen
Vor einer erwarteten Reform der Ă€rztlichen Versorgung werden Forderungen nach einer schnelleren Terminvergabe fĂŒr gesetzlich Versicherte lauter. Politiker von CSU und SPD wollen, dass bei der Vergabe kĂŒnftig medizinische Dringlichkeit und nicht der Status als gesetzlich oder privat Versicherter maĂgeblich ist.
Reform soll im November vorliegen
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann will in diesem Jahr einen Entwurf fĂŒr ein PrimĂ€rversorgungssystem vorlegen, voraussichtlich im November. Ziel sind kĂŒrzere Wartezeiten und eine effizientere Patientensteuerung, bei der in der Regel zunĂ€chst die Hausarztpraxis aufgesucht wird.
Die Hausarztpraxis soll Patienten bei Bedarf an FachĂ€rzte ĂŒberweisen und dabei einen Termin innerhalb eines bestimmten Zeitraums vermitteln. Nach den bisherigen PlĂ€nen soll dieses System im Jahr 2028 zum Alltag werden.
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Neue Vorgaben fĂŒr VertragsĂ€rzte
Mit der jĂŒngst verabschiedeten Notfallreform wurde eine Verpflichtung fĂŒr VertragsĂ€rzte eingefĂŒhrt. Sie mĂŒssen den Terminservicestellen bestehende Termine melden; andernfalls sollen SchiedsĂ€mter entscheiden, an denen auch Vertreter der Krankenkassen beteiligt sind.
Der Vorsitzende der KassenÀrztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, warnte, feste Kontingente könnten Termine in den Praxen blockieren und die Terminnot verschÀrfen. Die Koalition plant dagegen eine Termingarantie mit einem Zeitkorridor, den PrimÀrÀrzte nach dem medizinischen Bedarf festlegen sollen.
Forderungen nach neutraler Vergabe
CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek verlangte, Onlineportale sollten nicht mehr abfragen dĂŒrfen, ob ein Patient gesetzlich oder privat versichert ist. SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis erklĂ€rte, entscheidend mĂŒsse die medizinische Dringlichkeit sein.
Die Linke fordert eine grundlegendere Ănderung und spricht sich fĂŒr die Abschaffung der privaten Krankenversicherung aus. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zuvor vor einem Gerechtigkeitsproblem gewarnt, falls gesetzlich Versicherte deutlich lĂ€nger auf Leistungen warten mĂŒssten.
Streit ĂŒber das duale System
Die CDU will an der Aufteilung zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung festhalten. Linnemann verwies im Bundestag auf Innovation und QualitĂ€tssicherung durch das duale System und erklĂ€rte, die Patientensteuerung mĂŒsse verbessert werden.
Der Verband der privaten Krankenversicherung weist eine Verantwortung fĂŒr die Wartezeiten gesetzlich Versicherter zurĂŒck. Der GKV-Spitzenverband hĂ€lt Ănderungen dagegen fĂŒr ĂŒberfĂ€llig und fordert eine Vergabe von Terminen nach dem medizinischen Bedarf.
Auch Sozialverband fordert Ănderungen
Der Sozialverband Deutschland kritisierte die unterschiedlichen Wartezeiten zwischen gesetzlich und privat Versicherten. Er verlangt, dass die Bundesregierung die bestehende Ungleichheit bei der Krankenversicherung angeht.
Die Debatte ĂŒber bevorzugte Termine fĂŒr Privatversicherte berĂŒhrt einen strukturellen Konflikt im deutschen Gesundheitswesen: Rund neun von zehn Menschen sind gesetzlich versichert, wĂ€hrend Praxen bei privat abgerechneten Leistungen hĂ€ufig höhere VergĂŒtungen erhalten. Daraus entsteht ein Anreiz, der die Terminvergabe beeinflussen kann, zugleich aber nicht jede unterschiedliche Wartezeit erklĂ€rt.
Reform soll Patienten steuern
Das geplante PrimĂ€rversorgungssystem setzt auf eine stĂ€rkere Rolle der Hausarztpraxis. Sie soll Beschwerden zunĂ€chst einordnen, Ăberweisungen gezielter steuern und bei Bedarf einen Zeitkorridor fĂŒr die fachĂ€rztliche Behandlung vermitteln. Damit soll nicht nur die Verteilung knapper Facharzttermine gerechter, sondern auch die Zahl unnötiger Untersuchungen verringert werden.
FĂŒr gesetzlich Versicherte wĂ€re entscheidend, ob aus der angekĂŒndigten Termingarantie tatsĂ€chlich verbindliche Fristen und funktionierende Vermittlungswege entstehen. Die bereits ausgeweitete Pflicht, Termine an Servicestellen zu melden, kann das Angebot erhöhen, birgt nach EinschĂ€tzung der KassenĂ€rzte aber auch Risiken fĂŒr die Versorgung in den Praxen.
Streit ĂŒber Ursachen und Folgen
Die politischen Forderungen reichen von einer neutralen Terminvergabe bis zur grundsĂ€tzlichen Abschaffung der privaten Krankenversicherung. Dem steht die Position gegenĂŒber, dass die private Finanzierung zur wirtschaftlichen StabilitĂ€t von Facharztpraxen beitrage. FĂŒr Patienten wird deshalb vor allem die konkrete Ausgestaltung der Reform maĂgeblich sein: medizinische Dringlichkeit, transparente Vermittlung und ausreichend verfĂŒgbare BehandlungskapazitĂ€ten mĂŒssen zusammenpassen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Bayerischer Rundfunk: âHoletschek schlĂ€gt versicherungs-neutrale Vergabe von Facharztterminen vorâ (21.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt Holetscheks Forderung, bei der Terminvergabe nicht mehr nach dem Versicherungsstatus zu fragen. Im Mittelpunkt stehen damit die politische Initiative und die konkrete Ănderung bei Onlineportalen.
ntv: âKassenĂ€rzte sagen lĂ€ngere Wartezeiten fĂŒr Termine vorherâ (20.10.2026)
Der Artikel setzt einen anderen Schwerpunkt und befasst sich mit der Warnung der KassenĂ€rzte vor lĂ€ngeren Wartezeiten fĂŒr gesetzlich Versicherte. Gemeinsam bleibt die Frage, ob neue Vorgaben zusĂ€tzliche Termine schaffen oder bestehende KapazitĂ€ten verlagern.
Die BeitrĂ€ge stimmen darin ĂŒberein, dass die Terminvergabe politisch neu geregelt werden soll. Unterschiede zeigen sich beim Schwerpunkt: WĂ€hrend der BR die VersicherungsneutralitĂ€t hervorhebt, richtet ntv den Blick auf mögliche Folgen fĂŒr das Terminangebot.
