Audi-Werk in Georgia, Gernot Döllner

Audi-Werk in Georgia: Döllner erntet Kritik nach Trump-Auftritt

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 14:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der gemeinsame Auftritt des Audi-Chefs mit Donald Trump löst bei Arbeitnehmervertretern und Politikern scharfe Reaktionen aus. Gleichzeitig stehen die Pläne für ein Milliardenprojekt mit Tausenden neuen Arbeitsplätzen noch unter dem Vorbehalt der zuständigen Volkswagen-Gremien.

Audis Pläne für Georgia und die Folgen

  • Donald Trump kündigte das Audi-Werk am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Perry im US-Bundesstaat Georgia an.
  • Die geplante Fabrik soll ab 2027 gebaut werden und Anfang der 2030er Jahre die Produktion aufnehmen.
  • Audi plant jährlich 200.000 SUVs, investiert rund vier Milliarden Dollar und will 4.500 Arbeitsplätze schaffen.
  • Trump und Audi-Chef Döllner bei der Wahlkampfveranstaltung. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa
  • VW-Betriebsratschefin Cavallo wirft Döllner «aktive Wahlkampfhilfe» vor. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • Döllner steht für seinen Auftritt in der Kritik. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa
  • Döllner und Trump. (Archivbild) - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Trump und Audi-Chef Döllner bei der Wahlkampfveranstaltung. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa VW-Betriebsratschefin Cavallo wirft Döllner «aktive Wahlkampfhilfe» vor. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa Döllner steht für seinen Auftritt in der Kritik. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa Döllner und Trump. (Archivbild) - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa

Audi-Chef Döllner gerät nach Trump-Auftritt unter Druck

Nach dem gemeinsamen Auftritt mit US-Präsident Donald Trump, bei dem Audi-Chef Gernot Döllner den Bau eines US-Werks angekündigt hat, prasselt Kritik von Arbeitnehmerseite und Politik auf den Manager ein. Linken-Chef Luigi Pantisano fordert sogar Döllners Rücktritt.

Kritik an Wahlkampfhilfe

Trump hatte am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Perry im US-Bundesstaat Georgia überraschend den Bau eines Audi-Werks angekündigt. Döllner trat anschließend auf die Bühne und dankte dem US-Präsidenten für dessen Unterstützung.

VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo warf Döllner vor, mit seinem Auftritt aktive Wahlkampfhilfe geleistet zu haben. Sie kritisierte auch den Volkswagen-Konzernvorstand um Oliver Blume und sprach von einem Verstoß gegen Unternehmenswerte.

Rücktrittsforderung und Kritik der IG Metall

Pantisano sagte dem Nachrichtenportal t-online, Döllner müsse seinen Hut nehmen. Auch die IG Metall kritisierte den Auftritt scharf. Ihre Vorsitzende Christiane Benner bezeichnete die Präsentation als politisch inakzeptabel und dem Unternehmen sowie den Beschäftigten nicht würdig.

Der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter Horst Ott warf Döllner vor, sich für Trumps Wahlkampf instrumentalisieren zu lassen. Während Beschäftigte in Deutschland Einschnitte hinnehmen müssten, stünden nun mehrere Milliarden Dollar für ein neues US-Werk bereit.

Unternehmensregeln im Mittelpunkt

Benner verwies auf Audi-Unternehmensregeln zur politischen Neutralität. Danach sollen in den letzten drei Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Politikern oder Sponsorings entsprechender Veranstaltungen stattfinden.

Die US-Zwischenwahlen finden am 3. November statt. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist, kritisierte den Auftritt als Teil einer politischen Inszenierung.

Werk soll 4.500 Stellen schaffen

Audi plant in Georgia eine jährliche Produktion von 200.000 SUVs. Die Investitionen sollen rund vier Milliarden Dollar beziehungsweise rund 3,6 Milliarden Euro betragen; 4.500 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, der Produktionsstart für Anfang der 2030er Jahre. Es wäre das erste Werk der VW-Premiumtochter in den Vereinigten Staaten.

Entscheidung der VW-Gremien steht aus

Lies nannte eine stärkere Erschließung des US-Markts strategisch richtig, sofern Arbeit und Wertschöpfung in Deutschland gesichert würden. Zugleich betonte er, über eine Investition dieser Größenordnung entschieden die zuständigen Konzernorgane; diese Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Offen sind nach den Äußerungen von Cavallo unter anderem mögliche Zollvorteile für den Volkswagen-Konzern und die Auswirkungen auf andere Standorte. Grünen-Politiker Anton Hofreiter bewertete die Pläne als kurzsichtige Schadensbegrenzung.

Der Auftritt verbindet eine wirtschaftliche Standortentscheidung mit einem hochpolitischen Rahmen. Audi will mit dem Werk in Georgia näher an den US-Kunden produzieren und zugleich die Folgen hoher Importzölle begrenzen. Der US-Markt gehört zu den wichtigsten Absatzregionen für Premiumfahrzeuge; eine lokale Fertigung kann Lieferketten verkürzen und die Abhängigkeit von Wechselkursen reduzieren.

Für Volkswagen und Audi entsteht daraus jedoch ein Spannungsfeld. Die Investition von rund vier Milliarden Dollar und die geplanten 4.500 Arbeitsplätze in den USA stehen zeitlich neben den Forderungen der Arbeitnehmerseite nach verlässlichen Perspektiven für die deutschen Standorte. Ein US-Werk bedeutet nicht automatisch eine Verlagerung aus Deutschland, beeinflusst aber die Verteilung künftiger Investitionen und die politische Debatte über Wertschöpfung im Konzern.

Politische Neutralität im Wahlkampf

Besonders konfliktträchtig ist der Ort der Ankündigung. Die US-Zwischenwahlen finden am 3. November statt, der gemeinsame Bühnenauftritt fiel damit in eine unmittelbar bevorstehende Wahlphase. Die im Artikel genannten Unternehmensregeln untersagen öffentliche Termine mit zur Wahl stehenden Politikern in den letzten drei Monaten vor Wahlen. Entscheidend dürfte daher sein, wie Volkswagen und die zuständigen Gremien den Auftritt sowie die geplante Investition voneinander abgrenzen.

Offen bleiben zudem zentrale Fragen zur Genehmigung durch die Konzernorgane, zu möglichen Zollvorteilen und zu den Auswirkungen auf andere Werke. Die wirtschaftliche Begründung für eine stärkere Präsenz in den USA und die Kritik an der politischen Inszenierung betreffen damit unterschiedliche Ebenen, werden durch den gemeinsamen Auftritt aber unmittelbar miteinander verknüpft.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „Erste Produktionsstätte in den USA: Audi macht den Trump-Deal“ (25.10.2026)

Der Beitrag ordne die Investition als Audis erstes eigenes Werk in den USA ein und stelle die geplante Kapazität von bis zu 200.000 Fahrzeugen sowie rund 4.500 Arbeitsplätze heraus. Einen zusätzlichen Schwerpunkt bilde die Bedeutung von Zöllen, Lieferketten und Georgias bestehender Autoindustrie.

tagesschau: „Nach Auftritt von Audi-Chef bei Trump: Vor ‚Scham im Boden versinken‘“ (26.10.2026)

Der Bericht konzentriere sich stärker auf die Reaktionen von Daniela Cavallo und die mögliche Verletzung interner Leitlinien. Zugleich betone er, dass der Volkswagen-Aufsichtsrat dem Vorhaben noch zustimmen müsse und Auswirkungen auf deutsche Werke offen seien.

Beide Beiträge stellten die wirtschaftliche Bedeutung des US-Werks heraus, setzten aber unterschiedliche Akzente: Der Euronews-Bericht beleuchte vor allem Standort- und Zollfragen, während die tagesschau die politische Wirkung des Auftritts und die Arbeitnehmerperspektive hervorhebe.

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