Krankenhaussterben, Kliniken

Kliniken verlangen bei Protesttag zusÀtzliche Finanzspritzen

20.09.2023 - 14:43:03

Auf Transparenten steht «Rette Dein Krankenhaus» und «Alarmstufe rot»: Mit bundesweiten Aktionen machen Kliniken ihre teils bedrohliche Finanzlage deutlich. Kommt noch extra Geld?

  • Unter dem Motto «Stoppt das Krankenhaussterben» hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft Kundgebungen wie hier in Frankfurt am Main geladen. - Foto: Boris Roessler/dpa

    Boris Roessler/dpa

  • Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt vor akuten Finanznöten vieler Kliniken. - Foto: Fabian Strauch/dpa

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  • Mehrere tausend BeschĂ€ftigte nordrhein-westfĂ€lischer KrankenhĂ€user fordern vor dem Landtag in DĂŒsseldorf mehr Geld von der Bundesregierung fĂŒr die Kliniken. - Foto: Oliver Berg/dpa

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Unter dem Motto «Stoppt das Krankenhaussterben» hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft Kundgebungen wie hier in Frankfurt am Main geladen. - Foto: Boris Roessler/dpaDie Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt vor akuten Finanznöten vieler Kliniken. - Foto: Fabian Strauch/dpaMehrere tausend BeschĂ€ftigte nordrhein-westfĂ€lischer KrankenhĂ€user fordern vor dem Landtag in DĂŒsseldorf mehr Geld von der Bundesregierung fĂŒr die Kliniken. - Foto: Oliver Berg/dpa

Die Klinikbranche hat wegen akuter wirtschaftlicher Nöte vieler Standorte erneut zusĂ€tzliche Hilfen des Bundes verlangt. «Die finanzielle Situation der KrankenhĂ€user ist dramatisch, und sie gefĂ€hrdet die Versorgungssicherheit fĂŒr die Bevölkerung», sagte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, anlĂ€sslich eines bundesweiten Protesttags. In vielen KrankenhĂ€usern und Regionen sei die Verunsicherung groß.

Der Verband fordert daher einen schnellen «Inflationsausgleich». Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) machte keine neuen Zusagen dafĂŒr und verwies auf die geplante Krankenhausreform, die auch kleinere Kliniken absichere.

Unter dem Motto «Stoppt das Krankenhaussterben» gab es neben einer zentralen Kundgebung am Brandenburger Tor in Berlin auch Aktionen in weiteren StĂ€dten, darunter DĂŒsseldorf, Frankfurt/Main und Stuttgart. Die Gewerkschaft Verdi unterstĂŒtzte den Protest. Vorstandsmitglied Sylvia BĂŒhler sagte: «KrankenhĂ€user in wirtschaftlicher Schieflage brauchen sofort zweckgebundene Hilfen zur Finanzierung steigender Preise und Personalkosten.» Tausende ArbeitsplĂ€tzen stĂŒnden auf dem Spiel, das mĂŒssten Bund und LĂ€nder verhindern. «Kein Krankenhaus, das fĂŒr die Versorgung gebraucht wird, darf geschlossen werden.»

70 Prozent der Kliniken bangen um ihre Existenz

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnte im Protestaufruf: «Die extrem gestiegenen Preise zwingen viele Kliniken in die Knie.» Kaum ein Haus könne die Ausgaben noch aus laufenden Einnahmen begleichen. Laut einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts, das von der Branche getragen wird, sorgen sich 70 Prozent der Kliniken ernsthaft um ihre Existenz. Bis Jahresende seien inflationsbedingte Defizite von zehn Milliarden Euro zu verkraften. An der Umfrage fĂŒr das dritte Quartal 2023 nahmen den Angaben zufolge 476 HĂ€user teil.

Lauterbach bekrÀftigte, dass die Krankenhausreform notwendig sei. Es seien nicht mehr genug BehandlungsfÀlle und Personal da, um 1700 HÀuser am Netz zu halten, sagte er im ZDF. Jetzt treffe es in einem «unkontrollierten Prozess» aber teils die falschen Standorte.

Reform will das VergĂŒtungssystem Ă€ndern

Die Reform sieht unter anderem vor, das VergĂŒtungssystem mit Pauschalen fĂŒr BehandlungsfĂ€lle zu Ă€ndern, um Kliniken von Druck zu immer mehr FĂ€llen zu lösen. Daher sollen sie einen großen Anteil der VergĂŒtung allein schon fĂŒr das Vorhalten von Leistungsangeboten bekommen. Dies soll auch kleinere HĂ€user auf dem Land absichern. Gaß forderte rasche Hilfen, damit die KrankenhĂ€user die Reform ĂŒberhaupt erleben könnten.

Lauterbach lehnt Extra-Finanzspritze ab

Forderungen auch der LĂ€nder nach einer Extra-Finanzspritze noch vor der Reform hatte Lauterbach auch wegen nötiger Haushaltseinsparungen bereits mehrfach abgelehnt. Er verwies auch auf Milliardenhilfen des Bundes in der Corona-Pandemie und fĂŒr gestiegene Energiekosten. Der FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann sagte, der Protesttag sei verstĂ€ndlich, aber die Richtung vollkommen daneben. «Statt die BundeslĂ€nder als Verantwortliche anzuzĂ€hlen und zum Handeln aufzufordern, polemisiert man gegen den Bund.» Lauterbach monierte ebenfalls, dass die LĂ€nder Investitionskosten unzureichend zahlten.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) rief Kanzler Olaf Scholz (SPD) auf, die Krankenhausfinanzen zur Chefsache zu machen und als Teil des vorgeschlagenen «Deutschland-Paktes» voranzutreiben.

@ dpa.de