Bundestag, Bafög-Erhöhung

Bundestag entscheidet ĂŒber Bafög-Erhöhung

13.06.2024 - 04:49:23

Bafög-EmpfÀnger bekommen bald mehr Geld und StudienanfÀnger aus Àrmeren Haushalten eine 1000-Euro-Starthilfe. Im Bundestag sollen die PlÀne nun beschlossen werden.

Der Bundestag stimmt heute ĂŒber eine Erhöhung der Bafög-SĂ€tze fĂŒr SchĂŒler und Studenten ab. Zudem sollen StudienanfĂ€nger aus Ă€rmeren Haushalten kĂŒnftig mit einer sogenannten Studienstarthilfe in Höhe von 1000 Euro unterstĂŒtzt werden.

Die Ampel-Koalition hatte nach viel Kritik von SozialverbÀnden und Studierendenvertretern ihre Bafög-Reform noch einmal geÀndert und die Erhöhung der SÀtze ergÀnzt, die im Gesetzentwurf von Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) zunÀchst nicht vorgesehen waren. Das Bafög war zuletzt zum Wintersemester 2022/23 um 5,75 Prozent erhöht worden. Die PlÀne im Einzelnen: 

Höherer Grundbedarfssatz und höhere Wohnkostenpauschale

Der sogenannte Grundbedarf fĂŒr Studierende soll zum Wintersemester von 452 auf 475 steigen, die Wohnpauschale fĂŒr diejenigen, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, von 360 auf 380 Euro. Zusammengerechnet gibt es also eine Anhebung von 812 auf 855 Euro.

Ältere Studierende, die ihre Krankenversicherung selbst zahlen mĂŒssen, weil sie nicht mehr ĂŒber die Eltern mitversichert sind, können außerdem aktuell einen Zuschlag von 122 Euro bekommen, so dass der Höchstsatz heute bei 934 Euro liegt. Auch dieser Zuschlag soll steigen.

Mit der Reform werden auch die Bafög-SĂ€tze fĂŒr SchĂŒler angehoben. FĂŒr sie soll die Erhöhung bereits ab 1. August zum Beginn des neuen Schuljahres greifen. Nach dem Bundestag muss sich der Bundesrat noch mit der Bafög-Reform befassen, sie ist dort aber nicht zustimmungsbedĂŒrftig.

Höhere FreibetrÀge

Da Vermögen, eigenes Einkommen, Einkommen der Eltern und möglicher Ehepartner angerechnet werden, ist die eigentliche Bafög-Höhe immer individuell. Hier setzt der nÀchste Punkt der Reform an: Eine Anhebung der FreibetrÀge, die bei der Anrechnung gelten.

Sie sollen um 5,25 Prozent steigen, um den Kreis der Bafög-EmpfĂ€nger zu vergrĂ¶ĂŸern. Höhere FreibetrĂ€ge bedeuten, Eltern und Bafög-EmpfĂ€nger dĂŒrfen kĂŒnftig mehr verdienen und fallen trotzdem nicht gleich aus der Bafög-Förderung heraus. Hintergrund: In der Vergangenheit war die Zahl der EmpfĂ€nger deutlich gesunken. 2022 bezogen laut Statistischem Bundesamt 630.000 Personen Bafög-Leistungen, zehn Jahre zuvor waren es noch 979.000. 

Studienstarthilfe fĂŒr Laptop oder BĂŒcher

1000 Euro sollen StudienanfĂ€nger ab dem kommenden Wintersemester bekommen, die unter 25 Jahre alt sind und BĂŒrgergeld beziehen oder in Familien leben, die durch andere staatliche Leistungen wie den Kinderzuschlag oder Wohngeld ihr Einkommen aufbessern mĂŒssen. Das Bundesbildungsministerium rechnet in seinem Gesetzentwurf grob mit etwa 15.000 AntrĂ€gen auf diese Studienstarthilfe.

Im vergangenen Jahr wurden an deutschen Hochschulen knapp 480.000 Erstsemester gezĂ€hlt. Die Antragstellung wird voraussichtlich ĂŒber das Portal «Bafög Digital» möglich sein, wo auch Bafög online beantragt werden kann.

Das Hochladen eines Nachweises ĂŒber den Bezug der genannten Sozialleistungen und einer Kopie der Immatrikulationsbescheinigung sollen ausreichen. Die 1000 Euro Starthilfe mĂŒssen nicht zurĂŒckgezahlt werden und werden bei anderen Leistungen nicht als Einkommen angerechnet, auch nicht beim Bafög.

Bafög-RĂŒckzahlung bleibt, wie sie ist

Die Bafög-Reform sieht außerdem die EinfĂŒhrung eines sogenannten FlexibilitĂ€tssemesters vor. Wenn zum Ende des Studiums die Zeit knapp wird und die Abschlussarbeit drĂŒckt, soll Betroffenen die Bafög-Förderung ein halbes Jahr lĂ€nger gewĂ€hrt werden dĂŒrfen, auch wenn das Ende der Regelstudienzeit schon erreicht ist. Einfacher soll es zudem werden, das Studienfach zu wechseln, ohne den Bafög-Anspruch zu gefĂ€hrden. Nicht umgesetzt wird der ursprĂŒngliche Plan, die Mindestraten bei der Bafög-RĂŒckzahlung von 130 auf 150 Euro im Monat zu erhöhen. Es bleibt also dabei, dass maximal 10.010 Euro Schulden getilgt werden mĂŒssen, denn nach 77 abgezahlten Raten wird in der Regel der Rest erlassen. 

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) wurde seit seiner EinfĂŒhrung 1971 immer wieder reformiert - umgangssprachlich steht der Name des Gesetzes inzwischen fĂŒr die eigentliche Geldleistung. Aus dem anfangs reinen Zuschuss ohne RĂŒckzahlung wurde spĂ€ter zunĂ€chst ein Volldarlehen. Seit 1990 gilt die Regel: Eine HĂ€lfte gibt's geschenkt, die andere muss zurĂŒckgezahlt werden.

Studierendenwerk: Nachbesserungen noch zu schwach

SozialverbĂ€nde, Gewerkschaften, Deutsches Studierendenwerk (DSW) und auch SPD und GrĂŒne in der Koalition hatten im Zuge der Beratungen ĂŒber die Bafög-Reform Druck gemacht. Unter Verweis auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten und hohen Mieten fĂŒr WG-Zimmer hatten sie gefordert, dass, anders als zuerst geplant, auch die Bafög-SĂ€tze und Wohnpauschalen angehoben werden. FĂŒnf Prozent höhere SĂ€tze, wie nun vereinbart, seien besser als eine Nullrunde, heißt es beim DSW. Die Nachbesserungen seien insgesamt aber noch zu schwach.

@ dpa.de