Bahn fĂ€hrt PĂŒnktlichkeitsziel im ersten Halbjahr hinterher
Veröffentlicht am: 30.06.2025 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehr als ein Drittel der FernzĂŒge der Deutschen Bahn war im ersten Halbjahr unpĂŒnktlich unterwegs - dem eigenen Jahresziel fĂ€hrt der bundeseigene Konzern damit hinterher. «Das Halbjahr werden wir voraussichtlich bei knapp 64 Prozent abschlieĂen», bezifferte Bahnchef Richard Lutz im Interview der Deutschen Presse-Agentur den Anteil der pĂŒnktlichen ICE-, Intercity- und Eurocity-ZĂŒge.Â
Als pĂŒnktlich wertet die Bahn ZĂŒge, die mit einer maximalen Verzögerung von fĂŒnf Minuten und 59 Sekunden am Ziel ankommen. Erst ab einer VerspĂ€tung von sechs Minuten geht ein Zug auch als verspĂ€tet in die Statistik ein.Â
«Das erste Quartal ist relativ gut gelaufen», sagte Lutz. Mit 66,3 Prozent pĂŒnktlichen ZĂŒgen im Fernverkehr sei die Bahn besser gewesen als im Vorjahr und innerhalb ihres Zielkorridors. «Im zweiten Quartal ist die PĂŒnktlichkeit wegen zahlreicher Anlagenstörungen und vieler ungeplanter Baustellen niedriger.»Â
Bahnchef hĂ€lt am PĂŒnktlichkeitsziel fest
Im vergangenen Jahr waren die FernzĂŒge der Bahn so unpĂŒnktlich unterwegs wie seit Jahrzehnten nicht. Erst kĂŒrzlich hatte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) im dpa-Interview festgestellt, die Bahn sei weder zuverlĂ€ssig noch pĂŒnktlich.Â
Der bundeseigene Konzern hat sich fĂŒr dieses Jahr einen Zielkorridor von 65 bis 70 Prozent fĂŒr die PĂŒnktlichkeit im Fernverkehr vorgenommen. An diesem Ziel hĂ€lt der Bahnchef fest. «Das ist nicht so weit weg, dass wir unsere Ziele und unsere AnsprĂŒche, die wir formuliert haben, aufgeben», sagte er. «Das wird aber ein tĂ€glicher Kampf bleiben.»Â
Schienennetz alt und störanfÀllig
Etwa 80 Prozent der PĂŒnktlichkeitsverschlechterung sei auf die schlechte Infrastruktur zurĂŒckzufĂŒhren, «weil sie zu alt, zu störanfĂ€llig und auf vielen Strecken und Knoten völlig ĂŒberlastet ist», betonte Lutz. «Obwohl wir bei der Sanierung der Infrastruktur vorankommen, ist die AnlagenqualitĂ€t schlechter als erwartet und die dadurch teilweise auch sehr kurzfristig notwendigen Baustellen sind jeden Tag im laufenden Betrieb und bei den Kunden im Personen- und GĂŒterverkehr spĂŒrbar.»Â
Lutz sieht VerstÀndnis bei Kunden
Die Kundinnen und Kunden blieben der Bahn trotz der schlechten ZuverlĂ€ssigkeit derzeit noch treu, sagte Lutz. «NatĂŒrlich sind sie mit der PĂŒnktlichkeit nicht happy. Aber die Kundenzufriedenheit ist stabil und die Nachfrage ist im Vergleich zum letzten Jahr sogar gestiegen.» Sie hĂ€tten verstanden, warum so viele FernzĂŒge unpĂŒnktlich seien und akzeptierten das im Moment. «Allen ist klar, dass nicht von heute auf morgen alles saniert werden kann, wofĂŒr hierzulande ĂŒber Jahrzehnte nicht genug Geld fĂŒr da war.»Â
Aber der Anspruch bleibe: «Die ZuverlĂ€ssigkeit und PĂŒnktlichkeit muss besser werden, weil das wichtige Treiber fĂŒr Kundenzufriedenheit und damit auch Wachstum und Verkehrsverlagerung sind.»Â
Zuletzt hatte die Bahn ihre Kundinnen und Kunden auch an anderer Stelle vergrault: Mitte Juni hatte der Konzern die sogenannte Familienreservierung abgeschafft. Damit konnten der Familien zum gĂŒnstigen Pauschalpreis bis zu fĂŒnf SitzplĂ€tze reservieren. FĂŒr Sitzplatzreservierungen muss eine vierköpfige Familie nun rund doppelt so viel zahlen wie zuvor.Â
Wachsender Missbrauch bei Familienreservierung
Die Ănderung löste bei Politik und VerbraucherverbĂ€nden groĂe Empörung aus, Kritik kam auch aus der Bundesregierung. Der Bahnchef verteidigt die Abschaffung: «Treiber fĂŒr die getroffene Entscheidung zur Familienreservierung waren wirtschaftliche GrĂŒnde und der in den letzten Jahren wachsende Missbrauch in Form von ĂŒbermĂ€Ăigen Platzbuchungen, Mehrfachreservierungen und Kleingruppen, die das Angebot zweckentfremdet haben», sagte Lutz. Viele Familien hĂ€tten dadurch keine PlĂ€tze mehr buchen können.
Die Bahn bleibe das mit Abstand attraktivste Verkehrsunternehmen fĂŒr Familien. So fahren Kinder bis einschlieĂlich 14 Jahren in Begleitung ihrer Eltern weiterhin umsonst. Lutz sagte: «Ich hĂ€tte mir gewĂŒnscht, dass die Politik mit einer vergleichbaren Energie und IntensitĂ€t, wie die DB fĂŒr den Wegfall der Familienreservierung kritisiert wurde, auch andere Verkehrsunternehmen zu annĂ€hernd vergleichbaren Regelungen fĂŒr Familien und Kinder auffordert, wie sie bei der DB existieren.»
