Banken kritisieren Reiche und MĂŒller wegen Energiegesetzen
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 11:35 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSMehrere Bankinstitute haben in einem Brief an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Bundesnetzagentur-Chef Klaus MĂŒller Kritik an den geplanten Energiegesetzen der Bundesregierung geĂŒbt. Das berichtet das Magazin Politico unter Berufung auf das am Montag versandte Schreiben.
Der Finanzierungsbeirat des Bundesverbands Windenergie warnt darin vor zusÀtzlichen und nicht quantifizierbaren Kosten- und Erlösrisiken.
Kritik an EEG-Novelle und Netzpaket
Nach Darstellung der Autoren könnten sich der Verschuldungsgrad, die Laufzeiten und die Risikokosten bei Onshore-Projekten verschlechtern. Zugleich könnten die Eigenkapitalanforderungen steigen.
Verantwortlich machen sie dafĂŒr mehrere MaĂnahmen aus den Vorhaben der Bundesregierung, darunter die geplante EEG-Novelle und das geplante Netzpaket.
Wirkleistungsbegrenzung und Redispatchvorbehalt
Besonders kritisieren die Verfasser die sogenannte Wirkleistungsbegrenzung. Sie wĂŒrde die maximale Einspeisemenge einer Anlage beschrĂ€nken und nach ihrer Darstellung nicht nur kĂŒnftige Projekte, sondern auch bereits genehmigte Vorhaben mit Zuschlag im Ausschreibungsverfahren betreffen.
Auch der geplante Redispatchvorbehalt, also das erzwungene Abregeln von Solar- und Windanlagen zur Vermeidung von NetzengpÀssen, stelle einen erheblichen Eingriff in die Wirtschaftlichkeit dar.
Das Schreiben ist vom Finanzierungsbeirat des Bundesverbands Windenergie unterzeichnet, in dem Vertreter der Commerzbank, der Deutschen Kreditbank, der GLS, der LBBW, der Hypovereinsbank sowie verschiedener Sparkassen und Volksbanken sitzen.
Mehrere Bankinstitute drĂ€ngen die Bundesregierung, geplante Ănderungen an den Energiegesetzen mit Blick auf die Finanzierung von Wind- und Solarprojekten sorgfĂ€ltig abzusichern. Im Zentrum steht die Sorge, dass zusĂ€tzliche Kosten- und Erlösrisiken die Kalkulation laufender und kĂŒnftiger Vorhaben verschlechtern könnten.
FĂŒr Projektierer und Kreditgeber ist das besonders relevant, weil erneuerbare Energien kapitalintensiv sind und sich Finanzierungszusagen oft ĂŒber lange ZeitrĂ€ume erstrecken. Eingriffe in Einspeisemengen, Erlösmodelle oder Eingriffsrechte des Netzbetriebs wirken deshalb nicht nur technisch, sondern unmittelbar auf Zinsen, Laufzeiten und Eigenkapitalanforderungen.
Bedeutung fĂŒr den Ausbau der Energiewende
Die Debatte zeigt den klassischen Zielkonflikt zwischen einem schnelleren Netzausbau, mehr SystemstabilitĂ€t und verlĂ€sslichen Investitionsbedingungen. Wenn sich Banken mit solchen Hinweisen an die Politik wenden, ist das ein Signal, dass regulatorische Details fĂŒr die BankfĂ€higkeit von Projekten entscheidend sind.
Gerade bei Onshore-Windparks und Photovoltaikvorhaben hĂ€ngt der Ausbau nicht nur von Genehmigungen und FlĂ€chen ab, sondern auch von der Frage, ob kĂŒnftige Einnahmen als ausreichend planbar gelten. Jede zusĂ€tzliche Unsicherheit verteuert in der Regel die Finanzierung und kann Projekte verzögern oder verkleinern.
Politische Konsequenzen
FĂŒr das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur dĂŒrfte damit der Druck steigen, die geplanten Gesetze so auszugestalten, dass Netzeingriffe und Begrenzungen klar begrĂŒndet, transparent und möglichst kalkulierbar bleiben. Je prĂ€ziser die Regeln, desto geringer ist das Risiko, dass Investoren zurĂŒckhaltender werden.
