Asylbewerber, Brand

Weiterer VerdÀchtiger bei Brandanschlag in Saarlouis

06.06.2023 - 10:45:33

Bei dem Anschlag auf ein Asylbewerberheim vor mehr als 30 Jahren starb ein Mann. Ein Prozess deswegen lÀuft bereits. Nun wurde ein zweiter VerdÀchtiger festgenommen. Kam die Idee zu der Tat von ihm?

Nach einem tödlichen Brandanschlag auf eine FlĂŒchtlingsunterkunft in Saarlouis vor mehr als 30 Jahren hat die Bundesanwaltschaft einen zweiten VerdĂ€chtigen festnehmen lassen.

Der 54 Jahre alte Deutsche stehe in dringendem Verdacht der Beihilfe zum Mord und Beihilfe zu versuchtem Mord zum Nachteil von 20 Menschen, teilte die oberste deutsche Anklagebehörde weiter mit. Der VerdÀchtige war zuvor im Saarland festgenommen worden, erlÀuterte eine Sprecherin.

Der von nationalsozialistischen und rassistischen Überzeugungen geprĂ€gte 54-JĂ€hrige habe damals eine hohe Stellung in der regionalen Skinhead-Szene gehabt. Dazu gehört habe auch ein derzeit wegen des Anschlags in Koblenz vor Gericht stehender 51 Jahre alter Mann.

RĂŒckblick

Kurz vor der Tat in der Nacht zum 19. September 1991 habe der nun Festgenommene gemeinsam mit ihm und anderen rechtsextremistischen Gesinnungsgenossen eine GaststĂ€tte in Saarlouis besucht. Dort habe er unter anderem gesagt: «Hier mĂŒsste auch mal sowas brennen oder passieren.»

Durch diese Aussage sei der 51-JĂ€hrige beeinflusst und bestĂ€rkt worden, die Tat zu begehen: «Er betrat das GebĂ€ude, goss im Treppenhaus des Erdgeschosses aus einem Kunststoffkanister Benzin aus und entzĂŒndete es», so die Bundesanwaltschaft.

Damals war der 27-jĂ€hrige Asylbewerber Samuel Yeboah aus dem westafrikanischen Ghana verbrannt. Außerdem brachen sich zwei Hausbewohner Knochen beim Sprung aus einem Fenster. 18 weitere Bewohner konnten sich damals unverletzt ins Freie retten.

Fall vor Gericht

Seit November vergangenen Jahres lÀuft vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Koblenz ein Prozess gegen den 51-JÀhrigen wegen des Anschlags. Er hatte zwar eingerÀumt, dabei gewesen zu sein. Die Idee dazu sei aber von einem Bekannten aus der damaligen rechten Szene gekommen. Dieser habe den Brand gelegt.

Im Zusammenhang mit dem Fall war nach Worten der Sprecherin der Bundesanwaltschaft in der vergangenen Woche auch die Wohnung eines dritten VerdĂ€chtigen durchsucht worden. Weitere Details dazu nannte sie nicht. Der 54-JĂ€hrige soll noch heute dem Haftrichter vorgefĂŒhrt werden.

@ dpa.de